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XXL-Club-Fans specken ab - und unser Redakteur macht mit

Das Maß ist voll, sagen Maßband und Waage - Timo Schickler stellt sich - 19.03.2017 06:00 Uhr

Benjamin Pietsch (re.) ist gut gelaunt. Der Projektleiter von "Fußballfans im Training" schleppt ja auch nicht so viele Pfunde wie NN-Redakteur Timo Schickler (li.). © Eduard Weigert


Club-Fans lernen so einiges. Zum Beispiel ein Wochenende so zu organisieren, dass für 90 Minuten im Stadion oder vor dem Fernseher immer Zeit bleibt. Vor allem aber lernt man, Niederlagen einzustecken. Gut, wer schon mit mir Gesellschaftsspiele, Squash oder Schafkopf gespielt hat, wird widersprechen. Weil ich nicht gerne verliere. Und doch gibt es den einen Kampf, den ich schon über Jahre austrage - und bei dem ich immer wieder als Verlierer aus dem Ring steige. Weil der Ring um die Hüfte sich wieder durchsetzt - beim Kampf gegen die Kilos.

Aber: Vielleicht lerne ich ja auch das Abnehmen mit dem Club? Der nämlich bittet seine XXL- bis XL-Fans zum Training! Zwölf Wochen lang wird sich immer mittwochs getroffen, Sport gemacht (am und im Stadion genauso wie auf dem Club-Gelände), über Ernährung gesprochen – und etwas gegen die Pfunde getan. Für mich geht dieses spezielle Duell locker in die zehnte Runde (1046 Abnehmversuche mit einer Dauer von unter einer Woche ausgenommen).

Eine dieser Runden hat genau hier stattgefunden: in der Zeitung. Und noch heute werde ich darauf von fremden Menschen angesprochen, von Nürnbergern, Erlangern, Fürthern, die mit mir gelitten haben und die mich dann irgendwo ansprechen: "Sie sind doch der . . ." Ja, der war ich – und der bin ich jetzt wieder. Weil ich mir die Niederlage eingestehe und mich noch einmal stelle.

Da kommt man ins Grübeln

Das öffentlich zu machen, ist nicht leicht. Vor allem, weil schon damals, vor vier Jahren, so viele die Daumen gedrückt haben. Lang gehalten hat der Erfolg nicht. Da kommt man ins Grübeln. Nicht so die Kollegen. "Timo, das geht ganz vielen so, das ist das Leben." Ja, das ist es. Vor allem aber ist es mein Leben, das ich mir mit zu viel Gewicht erschwere. Klar, wer abnehmen will, der will dadurch besser ausschauen, sich besser fühlen. Ab einem gewissen Grad geht es aber auch darum, glücklich und länger zu leben. Denn gerade das Bauchfett erhöht das Krebsrisiko enorm. Männer juckt das aber oft wenig, weshalb etliche Krebs-Präventionskurse voll mit Frauen sind - und ein bis zwei männlichen Exoten.

Das soll das Training für Fans des 1. FC Nürnberg ändern. Dort sitzen am Mittwoch 20 Männer mit 20 Wampen zusammen. Noch ohne Trainingsklamotten, ohne Sportschuhe - aber trotzdem schweißgebadet. Denn vor dem Training steht: die Vermessung. Also werde ich gemessen, gewogen. Und für zu schwer befunden (keine Überraschung). Damit bin ich nicht allein. "Allmächd, schwerer und kleiner als gedacht", ist auch bei zig Mitstreitern das ernüchternde Ergebnis.

Immerhin: Beim zweiten Wiegen zeigt die Hightech-Waage schon ein Kilo weniger an. Ja, Angstschweiß! Warum ich zweimal gewogen werden muss? Wir haben den Muskel-Anteil in meinem Körper nicht notiert. "Wer hat keinen Muskel-Anteil?", fragt Club-Sprecherin Katharina Fritsch in die Runde. Ich fühle mich angesprochen, ohne in die Unterlagen zu sehen.

Kurz vorm Anzapfen

Aber bei "Fußballfans im Training", das der Club zusammen mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung und der Deutschen Krebshilfe organisiert, geht es vor allem ums Bauchfett. Also um die satten 124 Zentimeter (!), die bei mir um die Hüfte gemessen werden.

124 Zentimeter heißt: Ich bin drauf und dran, im Umfang meine Größe einzuholen. Auch ein 50-Liter-Bierfass hat keinen größeren Umfang. Bevor ich also nachts auf einer Party aufwache und irgendwer versucht, mich über meinen Bauchnabel anzuzapfen, wird nun abgespeckt.

Mir helfen werden die 20 Männer, zwischen denen die Chemie schon am ersten Tag stimmt. Und alles hilft Thomas Brunner, Club-Legende und Spezialist für Körperfett-Waagen. Er findet schon bei der Vermessung die richtigen Worte: "Ihr habt meinen höchsten Respekt." Danke, Coach. 

Timo Schickler

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