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Zwei Nürnberger Traditionen sind immaterielles Kulturerbe

Epitaphienkultur und Wirken der Naturhistorischen Gesellschaft sind auf der Liste - 04.01.2018 18:10 Uhr

Die Epitaphienkultur auf den Friedhöfen St. Johannis (im Bild) und St. Rochus stehen jetzt auf der Landesliste des immateriellen Kulturerbes. © Eduard Weigert


"Für die Nürnberger sind die Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus mit deren spezifischer Epitaphienkultur identitätsstiftend und ein wichtiger Erinnerungsort", heißt es in der Begründung. Diese Kultur sei "durch mehrfache historische Neuschöpfungen und Neuinterpretationen geprägt". Sie stelle "eine moderne Form der Trauerarbeit dar, greift aber auch eine Tradition auf, die seit dem 16. Jahrhundert für die Nürnberger Friedhöfe prägend wurde". 

Liegende Sandsteinquader, geschmückt mit künstlerisch gestalteten Platten aus Bronze und Messing, machen aus den beiden ältesten Friedhöfen der Stadt einmalige Sehenswürdigkeiten mit unverwechselbarem Flair. Heuer werden die kulturhistorisch bedeutsamen letzten Ruhestätten, in denen so bekannte Nürnberger wie der Maler Albrecht Dürer, der Bildhauer Veit Stoß oder der dichtende Schuhmacher Hans Sachs beerdigt sind, 500 Jahre alt.

Doch Vorsicht: Nicht die Epitaphien selbst, sondern die Handwerkskunst, der sie ihre Herstellung verdanken, wurden mit der Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes gewürdigt. Darauf weist Stadtheimatpflegerin Claudia Maué hin. Die Kunsthistorikerin hat die Bewerbung für den Eintrag auf Anregung der ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Dagmar Wöhrl zusammen mit dem Epitaphienkünstler Thomas Haydn und Thomas Weitzenfelder vom CSU-Ortsverband St. Johannis im Jahr 2015 auf den Weg gebracht. Nun hofft sie, dass die Friedhöfe durch die Stadtverwaltung, aber auch die Kirche mehr Aufmerksamkeit in Sachen Pflege und Erhalt erfahren. Es lasse sich damit werben, gerade mit Blick auf den von Nürnberg angestrebten Titel einer Kulturhauptstadt.

Auch Sven Heublein vom Bürgerverein St. Johannis-Schniegling-Wetzendorf appelliert an die Verantwortlichen, "alles zu tun, die Epitaphienkultur zu erhalten, zu sichern und weiterzuentwickeln": "Die jetzt bekanntgegebene Entscheidung muss der Startschuss sein, zum Beispiel eine digitale Dokumentation nachhaltig in Angriff zu nehmen.“ Kurz vor Jahreswechsel habe der Bürgerverein "mehrere Tausend hochauflösende und systematisch erfasste Fotografien von Epitaphien des Johannisfriedhofs" erhalten. Sie könnten den Grundstock der digitalen Aufarbeitung bilden.

"Der größte Tag seit dem Umzug in die Norishalle"

"Wir sind glücklich." So kurz und bündig kommentierte Gabriele Prasser, die 1. Vorsitzende der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg (NHG) die Aufnahme ihrer ehrenamtlichen Arbeit in die Landesliste des immateriellen Kulturerbes. "Es ist für uns der größte Tag seit dem Umzug in die Norishalle." Die Vermittlung von Wissen über die Natur und das Universum sei ein "lebendiges Beispiel für bürgerschaftliches Engagement an der Schnittstelle von akademischer Wissenschaft und bürgerlicher Wissensgenerierung", so Kultusminister Ludwig Spaenle.

Auch die Wissensvermittlung der Naturhistorischen Gesellschaft hat es auf die Liste geschafft. © Edgar Pfrogner


Der Verein, der seit 1801 existiert und heute rund 1800 Mitglieder hat, bietet ein breites Programm, das von Vorträgen über Seminare und Exkursionen bis hin zu experimenteller Wissenschaft zur Pilzberatung reicht. Zudem unterhält er ein Museum und ein Freilandterrarium. Von der Aufnahme in die Landesliste erhofft sich Gabriele Prasser natürlich eine Erhöhung des Bekanntheitsgrades und vielleicht einen weiteren Mitgliederzuwachs. "Jeder, ob Fachmann oder interessierter Laie, kann bei uns mitarbeiten."

Auch die Fürther Michaeliskirchweih wurde ins Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ausschlaggebend war ihre uralte Tradition. 

Martin Held

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