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Betzenstein setzt auf Windkraft

Windräder in Hüll eingeweiht — Umweltbank hatte in der Bauphase das gesamte Risiko getragen - 10.07.2016 19:35 Uhr

Einen langen Schatten wirft das Windrad in Hüll bei Betzenstein auf die Wiese. Doch nicht dorthin, wo die Gäste bei der Einweihungsfeier saßen. © Klaus Trenz


Die Stadt, der Betreiber, Projektentwickler und die Anteilseigner haben am Sonntag die beiden Bürger-Windkraftanlangen in Hüll eingeweiht. Pfarrer Ulrich Böhm segnete sie. Planer Marcus Dornauer aus Neustadt/Aisch (Windkraft UG) hatte ein solches Fest förmlich gefordert. Denn: „Das Projekt in Betzenstein war nie einfach, aber immer angenehm.“ Darüber hinaus sind fünf Jahre – von der Idee bis zur Inbetriebnahme – verstrichen. „Wir hatten einen langen Weg durch die Instanzen“, sagte Bürgermeister Claus Meyer.

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Betzenstein: 9,5 Millionen Euro für zwei Windräder

Bis Ende Mai wurde eifrig auf der Baustelle gewerkelt, seit diesem Zeitpunkt hängen die zwei Windräder auf der Hochfläche nördlich von Hüll am Netz. Zusammen erzeugen die beiden Anlagen fast fünf Megawatt Strom - mehr als Betzenstein, die kleinste Stadt Frankens, laut Bürgermeister Claus Meyer selbst verbraucht.


Das Windrad, unter dem gefeiert wurde, war aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden und spendete seinen Schatten bei praller Mittagssonne leider nicht auf den kleinen Festplatz. Dafür hatte die Feuerwehr Hüll, die für die Verpflegung der Gäste zuständig war, alle verfügbaren Zelte und Sonnenschirme angekarrt. „Das ist ein sonniger und windiger Morgen“, stellte Meyer fest. „So wünschen wir uns das auch in Zukunft.“

Die sieht nach den ersten ermittelten Windradwerten gut aus. Ende Mai ist die Anlage ans Netz gegangen und trotz eines „schlechten Junis“, habe man bereits eine halbe Million Kilowatt Strom erzeugt, berichtete Betriebsführer Dornauer. So seien die angestrebten zehn Millionen Kilowatt im Jahr zu erreichen. Überhaupt sei es für ihn ein „gutes Projekt“: Man sei im Kostenrahmen von rund zehn Millionen Euro Investitionskosten geblieben und überpünktlich fertig geworden – rund sechs Wochen früher als geplant. Für Claus Meyer ist der Windpark in Hüll ein Projekt aus Überzeugung: „Es war uns wichtig, die Energiewende vor Ort zu verwirklichen.“ Als Bürgerenergiewende zusammen mit der Photovoltaik- und Fernwärmeanlage auf Stadtgebiet. Zusammen mit der Genossenschaft Bürgerenergiewerke Schnaittachtal und seinen Vorstandsvorsitzenden Hans Gebhardt habe man es geschafft, rund 80 Prozent des Eigenkapitals aus Betzenstein zu bekommen. So bleibe auch der Großteil möglicher Gewinne vor Ort. Meyer würdigte die „vertrauensvolle Partnerschaft und Zusammenarbeit“ aller Beteiligten, allen voran Dornauer: „Wir brauchten jemanden, der das Projekt pragmatisch und hemdsärmlich durchzieht“.

Risiko übernommen

Ungewöhnlich für den Windpark Hüll ist das Engagement des Fremdfinanzierers. Die Umweltbank Nürnberg ist mit etwa 80 Prozent an der Finanzierung der beiden Windräder in Hüll beteiligt, hat aber während der Bauphase zunächst den Eigenkapitalanteil vorfinanziert – also das ganze Risiko übernommen.

Die Hartnäckigkeit von Dornauer, nach Lösungen zu suchen, hat der Hüller Windpark gebraucht. Zunächst sah es so aus, dass die mittlerweile rechtskräftige 10-H-Regelung (der Abstand eines Windrads zur nächsten Ortschaft muss dessen zehnfache Höhe betragen) das Projekt kippen würde.

Allerdings, so Dornauer, habe das Landratsamt Bayreuth mitgeholfen, dass der Bauvorbescheid noch vor dem 10-H-Stichtag eingetroffen sei.

Die letzte Hürde

Dann kam der Vorschlag des Netzbetreibers Bayernwerk, den Strom zehn Kilometer entfernt in Pegnitz einzuspeisen. Auch das hätte das Aus für die beiden Windkraftanlagen werden können: „Der Leitungsverlust wäre zu hoch geworden“, hätte den Betrieb der Windräder unrentabel gemacht, sagt Dornauer. Zudem hatte man keine Grundstücksrechte zum Verlegen einer Leitung. Mit der Genehmigung, den Strom in 4,5 Kilometer Entfernung beim Forsthaus Hufeisen einzuspeisen, war dann auch die letzte große Hürde genommen. 

KLAUS TRENZ

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