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Dienstag, 22.01.2019

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Mit 2,4 Millionen Euro ist das PPP wieder flott zu kriegen

Andreas Pflaum und Rechtsanwalt Ortwin Lowack berichteten von Erfolgen bei der Suche nach einem neuen Investor - 10.08.2009

Goldene Vergangenheit: Sein 300-jähriges Jubiläum hatte das Posthotel Pegnitz gefeiert. Im Bild der damalige Inhaber Andreas Pflaum in der Benedictus-Suite. © Pfrogner/Archiv


Anwalt Ortwin Lowack nannte zunächst das Ziel, das mit der Gründung des Freundeskreises verfolgt wird: «Die Pegnitzer sollen wissen, dass es ihr Hotel ist.» Sein weltweiter Ruhm komme auch Pegnitz zu Gute.

Es dürfe nicht mehr passieren, was geschah: Dass die Stadt 34 000 Euro ausstehender Gewerbesteuer genau dann einforderte, als das PPP in der Krise war. Sie hätte die Summe, so Andreas Pflaum, mit Zustimmung des Finanzamtes stunden können. «Das traf mich in tiefster Not und engte sehr in der Bewegung ein.»

Auch empfand es Ortwin Lowack als Ungehörigkeit, dass die Brauervereinigung den OHG-Anteil Pflaums ohne Entschädigung verfallen ließ und auf ihm «herumhackte». Prozesse waren die Folge. «Dieses Pegnitzer Klima wollen wir überwinden, dass man jemanden, der eh schon den Schaden hat, noch drückt.»

Pflaum umriss kurz, wie es zum PPP-Verkauf kommen konnte. Er hatte Kredite, die bis 2014 liefen. «Danach wären Lebensversicherungen fällig geworden und wir wären schuldenfrei gewesen. Aber über Nacht brachen diese Kredite ein.» Das begann mit dem Kollaps der Schmidtbank. Lowack: «Die Nachfolgebank handelte nicht optimal. Man hätte auch andere Konditionen geben können.» Allein Pflaums «zweite Schiene» neben dem PPP, der «Schwarze Adler», hatte inklusive seiner preiswerten Zimmer 400 000 Euro Jahresumsatz. «Es war das größte Wirtshaus von Pegnitz», so Pflaum.

FJS war ein Fan

Beim PPP lag der Umsatz zwischen 700 000 und zwei Millionen Euro. Die Wirtschaftselite schätzte das Haus und seinen unkonventionellen Besitzer. «Ich hatte mal Franz Josef Strauß überzeugt, zu den Festspielen in ein Bayreuther Hotel zu gehen», so Lowack. «Danach rief er mich an: ,Das war eine ganz schlechte Empfehlung!‘» Der Rechtsanwalt bedauerte, zu spät beauftragt worden zu sein, um dem PPP noch helfen zu können. «Da war alles gelaufen mit diesem furchtbaren Vertrag. Andreas Pflaums Wohnrecht ist zum Beispiel nicht dinglich abgesichert. Sechs- bis siebenmal ist zu lesen: ,Es braucht keine dingliche Absicherung.‘»

Seltsame Methoden

Der PPP-Käufer Jurij Salnikov habe in einer «russki method» («Man kann nur sagen: ganz unfair.») die Beschäftigungsgarantie für das Ehepaar Pflaum und dessen Sohn gebrochen. Er bekam auch Teile der Medien auf seine Seite, so Pflaum: «Ich dachte zwar, ich wäre fit im Umgang mit den Medien, aber die waren fitter.»

Immerhin erreichte Lowack «etwas Gewichtiges», nämlich die gerichtliche Anerkennung des Rückkaufrechts von Andreas Pflaum. Aber die ersten Schweizer Investoren, die ihm dafür Geld geben wollten, wollten sich mit dem Hotel «nur selbst sanieren». Außerdem reagiere Salnikov bis heute nicht. Sein Anwalt und sein Steuerberater in Pegnitz hören ebenso nichts von ihm. Lowack: «Er lässt jeden für sich arbeiten und bezahlt niemanden.»

Der stillschweigende Verkauf des PPP in die Karibik sei jetzt ein Schachzug: «Vollstrecken Sie mal gegen eine Gesellschaft wie die Staros in Liechtenstein», so Lowack, «und dann gegen eine der schönen, geheimnisvollen Gesellschaften auf den Jungferninseln. Das ergibt Riesenkosten. Damit will Salnikov auch ein bisschen an der Preisschraube drehen.» Aber Lowack hatte einmal einen ähnlichen Fall in Tunesien. «Trotzdem war dafür noch ein deutsches Gericht zuständig. Über den internationalen Rechtsweg habe ich es geschafft. Ich bin nämlich an Zähigkeit nicht zu überbieten.»

Bei den Schweizern, die Andreas Pflaum helfen wollten, sei man erst «falschen Zusagen nachgegangen». Das zog sich neun Monate hin, bis ins Frühjahr 2009. «Dann suchten wir eine echte Alternative. Da zeichnet sich jetzt etwas am Horizont ab.» Dieser Investor macht mit, sobald ein Manager neben Andreas Pflaum ins Hotel kommt, dem der Geldgeber vertrauen kann. «Und wir kriegen ein gutes Management», so Lowack.

Kaputtes Gesamtkunstwerk

Aber hält es Andreas Pflaum neben einem Manager aus? Er lacht: «Ich bin Bauer. Ich entscheide aus dem Bauch heraus. Ich hatte mal den Manager des Waldorf-Astoria zu Gast. Er fragte: Kann ich mit Ihnen tauschen?»

Der neue Investor müsste Salnikov eine zugkräftige Summe bieten. Auf 1,8 Millionen Euro schätzen Pflaum und Lowack den Rückkaufpeis. Aber diese Summe könnte niedriger sein. Dann würde der Ukrainer zugreifen, «weil er selber Probleme hat. Er könnte bereit sein. Ich sage das mal vorsichtig.» Diese Summe könne man dinglich absichern, etwa durch die 13 000 Quadratmeter PPP-Grund.

Weitere 600 000 Euro braucht Pflaum dann, schätzt er, um das Hotel aus dem «Dornröschenschlaf» zu wecken. Lowack: «Da liegt ja Laub vor der Tür, ein Gesamtkunstwerk wurde zerstört.» Pflaum hatte einen Businessplan dabei. Mit diesem Konzept schrieb er an Merkel und Guttenberg. Aber beide sprachen nur von einem «Rettungsschirm», unter den er gehen soll. «Und dann landet man nur bei Institutionen! Es war ein Spießrutenlaufen.» Lowack pflichtete bei: «Wir haben wenig kompetente Politiker. Wir haben nur noch Generalisten, keine Fachleute mehr.» THOMAS KNAUBER 

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