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Greding: Demo beim Landesparteitag der AfD

An die 50 Demonstranten buhten anreisende Mitglieder aus - 02.04.2017 13:26 Uhr

Jedes Auto, das zum Landesparteitag der AfD anreiste, wurde lautstark und mit eindeutigen Gesten von den Demonstranten ausgebuht.

Jedes Auto, das zum Landesparteitag der AfD anreiste, wurde lautstark und mit eindeutigen Gesten von den Demonstranten ausgebuht. © Foto: Jürgen Leykamm


Hämisch weisen jene, die sich unter dem Motto "Für ein buntes Greding" zusammengefunden haben, den Parteitagsteilnehmern den Weg: "Zurück in die Vergangenheit" ist es unübersehbar auf einem Banner zu lesen, der Pfeil dahinter geht in Richtung Veranstaltungsort nach "rechts". Dass die Alternative für Deutschland (AfD) über eine solche Gesinnung verfügt, darüber ist man sich einig. So wird es zumindest auf den Transparenten deutlich: "Gegen Nazis" heißt eines von ihnen. Noch vor Ort überlegen sich zwei junge Damen den passenden Spruch und malen "Rassismus ist keine Alternative" auf Pappe, die sogleich hochgehalten wird.

Die Reaktionen der Vorbeifahrenden bleiben da natürlich nicht aus. Grinsend hält da einer von ihnen ein AfD-Plakat in die Autofensterscheibe, viele winken einfach belustigt hinüber zu der Schar, die mit Fingerspielen der ganz eigenen Art antwortet: die Daumen gehen nach unten, die Mittelfinger nach oben. Trillerpfeifen schrillen laut, im Takt wird seitens der Demonstranten die Handhupe betätigt. So mancher Fahrer lässt sich auf das Spiel ein und hupt zurück, einer sogar in einer Lautstärke, die nicht gerade von Respekt für die Straßenverkehrsordnung zeugt. Die Polizei, die mit einigen Wagen Stellung bezogen hat, sieht es gelassen.

"Jetzt kommt wieder einer", schallt es durch die Reihen und die Transparente und Fahnen zeigen wieder nach oben. "Die Linke" steht auf der größten von ihnen. Im Kern aber speist sich die Schar aus Gredingern nicht nur der jungen Generation und hat eine überparteiliche Ausrichtung.

So ist dies auch von den Initiatoren beabsichtigt: Julie Dollinger und Markus Batz, die auch auf Pressesprecher Andreas Helmbrecht zählen können, der zugleich die von ihm zusammengestellte Musik aus den Boxen dröhnen lässt. Mit teils unmissverständlichen Botschaften. Als etwa ein elegant gekleideter Parteitagsbesucher demonstrativ gähnend passiert, schallt es seinen beiden Begleiter in zünftiger Lederhose aus der Anlage hinterher: "Heimat, halt's Maul!" Später klingt es wohl satirisch gemeint: "Ihr seid 80 Millionen, die man abschlachten muss...".

Manche Fußgänger bekommen die Wut besonders arg zu spüren: "Geh weiter! Verpiss Dich!" Im Kontrast dazu versperrt auch mal jemand die Straße, damit es vor allem für die anfahrenden Parteitagsteilnehmer kein Durchkommen mehr gibt, was die Polizei allerdings nicht lange duldet.

Rauer Wind

Derweil bläst den Demonstranten online rauer Wind ins Gesicht. Auf "Facebook" steigt während der Veranstaltung die Zahl der Kommentare, die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten. "Da haben wir junge Gredinger wohl manche AfDler ganz schön aus der Fasson gebracht", so Batz dazu, der die Rolle des Versammlungsleiter übernommen hat. Er sei "erstaunt und entsetzt" gewesen, als der erste Parteitag eine Woche vorher stillschweigend in Greding über die Bühne gehen konnte.

Bei Teil zwei sollte das anders werden und so hatte er mit Dollinger zur Demo aufgerufen. "Für ein buntes Greding", so Batz, denn "bei uns wird Integration groß geschrieben" erklärt er und verweist auf das regelmäßige deutsch-türkische Freundschaftsfest, das sich größter Beliebtheit erfreut.

Verwundert ist er über das Verhalten der Chefs des Hippodroms, die auf der einen Seite der AfD Raum böten, auf der anderen Seite aber eine Flüchtlingsunterkunft direkt daneben einrichten wollen. Dollinger wiederum zeigt sich erfreut darüber, dass der Aufruf zur Demonstration offenbar auch die Ausrichter des Parteitags zu Zugeständnissen bewegt hat und diese der Presse Zugang gewährten. "Seid bitte friedlich – und habt Spaß!" rufen sie der demonstrierenden Schar zu.

Mit Parteitagsbesuchern wird nicht geredet. "Gar nicht erst zu Wort kommen lassen", gibt ein Demonstrant die Richtung vor. Reden gehalten werden auch keine, weil sich hierfür keiner findet. Insgeheim hat man auch mit mehr Beteiligung gerechnet. "Aber wir haben ein Zeichen gesetzt und das ist wichtig."

Auch seitens des Stadtrats gibt es Unterstützung: Mathias Herrler und Markus Schneider (beide SPD) sind ebenso mit dabei wie Gert Sorgatz (FDP). Unverständnis äußert Batz hingegen darüber, dass Bürgermeister Manfred Preischl, der eigentlich "ein netter Kerl" sei, die beiden Parteitage vonstatten gehen ließ.

Nach einigen Stunden geht die Demo schließlich in ein gemütliches Zusammensitzen über. Die Transparente werden abgelegt. Auf einem von ihnen steht: "Wir sind friedlich, was seid ihr?" 

JÜRGEN LEYKAMM

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