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„HartzIV hat die Armen ärmer gemacht“

Helmut Johach (Rednitzhembach) tritt für „Die Linke“ an — Stimme für die Verstummten - 02.09.2013

„100 Prozent amigofrei“. Helmut Johach hat nur wenige Wahlhelfer, ist aber stolz auf seine Plakate. © Gerner


„Bei uns geht es den Menschen noch vergleichsweise gut. Deshalb gibt es keine richtige Wechselstimmung“, hat der 71-jährige Rednitzhembacher festgestellt. Ein Wechsel wäre seiner Meinung nach aber dringend nötig, um das Land wieder in eine soziale Balance zu bringen.

Johach war ein Vierteljahrhundert eingefleischter Sozialdemokrat. Bis unter Kanzler Gerhard Schröder die HartzIV-Reformen auf den Weg gebracht worden sind. Befürworter der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sagen, dass das der entscheidende Punkt war, der den verkrusteten Arbeitsmarkt in Schwung gebracht hat. Für Helmut Johach war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: „HartzIV hat die Armen ärmer gemacht.“ Er hat 2003 sein SPD-Parteibuch zurückgegeben und ist der WASG beigetreten, die sich nach der Fusion mit der PDS „Die Linke“ nennt. „Weil das die einzige Partei ist, die den vielen Verstummten, den Nichtwählern, eine Stimme gibt.“

In der Bundespolitik gibt es eine Menge Dinge, die Johach „einigermaßen aufregen“. Die Bankenrettung, die auf Kosten der Steuerzahler gegangen sei. Die Gesundheitspolitik, die den Beschäftigten immer mehr Lasten aufbürde. Die Rente mit 67, die für ihn ein „lupenreines Rentenkürzungsprogramm“ ist. Die im Zuge der Energiewende eingeführte EEG-Umlage, die der kleine Mann bezahle, während die großen Betriebe entlastet werden. Die jahrelange Mordserie der NSU-Terroristen, denen die Polizei nicht auf die Spur gekommen sei. Die Justizaffäre Mollath, die auf „erschreckende Weise deutlich macht, wie schnell jemand weggesperrt werden kann und wie schwer der es hat, wieder raus zu kommen“.

Und dann die Diskussion um das Millionen-Desaster Euro-Hawke. „Für mich ist eine Drohne keine neue Waffengattung. Sie verändert vielmehr die Art der Kriegsführung“, sagt Johach. Johach, der 1971 nach dem Studium aus Tübingen nach Nürnberg gekommen ist und sich nach einem Abstecher in Schwanstetten mit seiner Familie ein Haus in Rednitzhembach gekauft hat, ist kein Mann der lauten Töne. Das mag an seiner humanistischen Bildung liegen, an seinem Philosopie-Studium, aber auch an seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als Suchttherapeut. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er sich in seinem Nutzgarten austoben und abreagieren kann, wo er Gemüse, Obst und Kartoffeln erntet.

Obwohl sie viele Themen besetzen, gelten die Linken im Bundestag ein wenig als „Parias“, als Unberührbare. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück hat eine Zusammenarbeit mit der Gysi-Partei ausgeschlossen. Klar ist aber auch, dass die Linken auf absehbare Zeit nur dann die Chance haben, wenigstens einen Teil ihrer politischen Forderungen umzusetzen, wenn sie als Acht-Prozent-Partei jenseits von CDU/CSU und FDP ein Bündnis schmieden. Nach Meinung von Helmut Johach wird das „irgendwann auch kommen, wenn auch noch nicht nach der nächsten Wahl“. Er selbst rechnet sich ohnehin dem eher pragmatischen Lager der Linken zu. „Früher oder später muss aber auch die SPD von ihrem hohen Ross heruntersteigen“, findet Johach. „Mit ihrer ,mit-denen-nicht-Aussage’ schießen sich die Sozialdemokraten doch selbst ins Knie.“

Bei allem Wahlkampf-Engagement ist Helmut Johach klar, dass es für ihn, vorsichtig ausgedrückt, ausgesprochen schwer wird, gegen Leute wie Marlene Mortler (CSU) oder Christian Nürnberger (SPD) das Direktmandat im Wahlkreis zu erringen. Für Johach wäre das aber die einzige Chance, tatsächlich in den Bundestag einzuziehen. Über die Liste wird er es nicht schaffen. Auf der Landesliste der Linken taucht der Rentner nämlich gar nicht erst auf.

Frust schiebt er deswegen nicht. Und Neid auf die politische Konkurrenz mit ihren gut geölten Wahlkampfmaschinen ist ebenfalls nicht herauszuhören. Statt Dutzende von Plakatklebern kann er nur auf einen kleinen Unterstützerkreis von vier, fünf Leuten zurückgreifen, die versuchen, ihn im riesigen Stimmkreis Roth ein wenig bekannter zu machen. Dafür ist er stolz auf seine Plakate. „100 Prozent amigofrei“, sagt er. So steht es auch drauf. 

ROBERT GERNER

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