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Landkreis Roth: Trauer um bayerischen Ex-Minister Manfred Weiß

CSU-Landes- und Kommunalpolitiker war vielen Mandatsträgern ein Vorbild - 11.03.2017 14:00 Uhr

Zum 70. Geburtstag von Dr. Manfred Weiß vor drei Jahren betonte Innenminister Joachim Herrmann bei der Feier in Roth, dass der Jubilar die bayerische Kommunal- und Landespolitik entscheidend mitgeprägt und durch seine zupackende Art viel bewegt habe. © Detlef Gsänger


Sein politisches Gespür, seine Zielstrebigkeit, seine Geradlinigkeit und seine Zuverlässigkeit waren vielen CSU-Mandatsträgern ein Vorbild. Ansehen genoss er im Landtag auch bei Oppositionspolitikern und in Justizkreisen. Als stimmgewaltiger Vertreter Mittelfrankens hat er sich den großen Themen gestellt und sich in der Verteidigungs- und Wehrpolitik, vor allem aber in der Innen- und Rechtspolitik profiliert. Er hat sich auch einen Namen gemacht als Vorsitzender der Untersuchungsausschüsse "Wienerwald", "Schalck-Golodkowski" und "Plutonium".

Profilierter Politiker

Dr. Manfred Weiß wurde am 23. Januar 1944 in Roth geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Reserveoffizier bei der Bundeswehr. Von 1965 bis 1969 folgte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Erlangen (zweite juristische Staatsprüfung, Promotion zum Dr. jur.) Von 1973 bis 1978 war er Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth.

Manfred Weiß war seit 1968 Mitglied der CSU. Von 1972 bis zuletzt war er Stadtrat in Roth und Kreisrat. Von 1976 bis 2009 war Weiß CSU-Kreisvorsitzender und von 1989 bis 2009 stellvertretender CSU-Bezirksvorsitzender. Von 1991 bis 1995 war er Landesvorsitzender des Wehr- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreises der CSU (WPA). 1978 wurde Weiß Mitglied des Bayerischen Landtags.

Der kräftige, durchtrainierte und groß gewachsene Rother genoss bald hohe Anerkennung in München. Standen Kabinettsumbildungen an, fiel schon frühzeitig auch sein Name. Bereits unter Ministerpräsident Franz Josef Strauß wurde Weiß als Staatssekretär gehandelt. 1999 war es dann so weit. Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber berief ihn zum Justizminister. "Es gibt nichts Schöneres, als im erlernten Beruf eine der höchsten Positionen innezuhaben", freute sich Weiß damals sichtlich. Wegen einer Kabinettsumbildung musste er jedoch 2004 weichen. "Personelle Sachzwänge", heißt so etwas nach wie vor im Politik-Jargon.

Federführend war Weiß bei der bislang größten Verfassungsänderung im Freistaat, als die europäische Einigung ebenso aufgenommen wurde wie die Stärkung der Rechte Behinderter und die Aufnahme des Tierschutzes sowie die Verlängerung der Legislaturperiode des Landtags auf fünf Jahre. Er war 1988/99 Vorsitzender der G10-Kommission des Bayerischen Landtags, von 1986 bis 1999 Mitglied des Vorstandes der CSU-Landtagsfraktion und von 1993 bis 1999 stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Er war Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums und Mitglied des Ausschusses für Kommunale Fragen und Innere Sicherheit sowie für einige Zeit Vorsitzender des Arbeitskreises Wehrpolitik seiner Fraktion. Und 2004 und 2009 gehörte er als Wahlmann der CSU der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten an. Nach seinem Ausscheiden nach exakt 12 775 Tagen aus dem Landtag im Oktober 2013 wurde Weiß am 17. Januar 2014 zum ehrenamtlichen Verfassungsrichter ernannt.

Untrennbar ist der Name Dr. Manfred Weiß auch mit dem Landkreis Roth verbunden. Nicht nur, weil er der einzige Minister war, den die Gebietskörperschaft hervorgebracht hat. Bereits zwei Jahre nach seinem Parteieintritt wurde er 1970 zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union gewählt, 1972 erhielt er Sitz und Stimme im Stadtrat von Roth und im Kreistag. 1976 übernahm er den CSU-Kreisvorsitz, ein Amt, das er bis 2009 innehaben sollte. Gut 20 Jahre war er auch stellvertretender CSU-Bezirksvorsitzender.

Als Stimmkreisabgeordneter hat er viele Projekte angestoßen, mitgetragen und nachdrücklich verfolgt. Um zum Erfolg zu kommen, hat er mitunter auch mal unkonventionelle Wege beschritten. Als Politiker, als Parteipolitiker, hatte er klare Vorstellungen und Zielsetzungen. Er konnte austeilen, musste aber auch Kritik einstecken. Wie es halt so ist, galt es bei unpopulären politischen Entscheidung den Kopf hinzuhalten, beispielsweise bei der Neuordnung des Krankenhauswesens im Landkreis.

Einfluss auf die Region positiv genutzt

Dass aus der Burg Abenberg ein Schmuckstück geworden ist und aus Roth- und Brombachsee ideale Freizeitregionen, ist auch ihm zu verdanken. Nicht locker gelassen hat er bei den Themen Gymnasium Wendelstein, Wirtschaftsschule Greding oder den B2-Umgehungen von Röttenbach und Untersteinbach. Sein Einsatz galt auch der Kaserne Roth, die nach der jüngsten großen Bundeswehrreform fast schon vor dem Aus gestanden war. Weiß konnte aber seinen Einfluss geltend machen und erreichen, dass die Offiziersschule der Luftwaffe nach Roth kommt.

Als Ombudsmann hat er sich stets für die Anliegen kleiner Leute im Stimmkreis stark gemacht. Beispielweise hat er sich für ältere Menschen eingesetzt, wenn diese Probleme mit Behörden hatten.

Innenminister Joachim Herrmann sagte anlässlich des 70. Geburtstages von Dr. Manfred Weiß im Januar 2014, der Politprofi Weiß hätte stets Richtung und Orientierung vorgegeben. Dies hätte auch der politische Gegner zu schätzen gewusst. Intrigen und Mauscheleien seien bei seinem politischen Engagement nie seine Sache gewesen. Vielmehr sei er ein geerdeter Mensch geblieben, dem stets bewusst gewesen sei, dass er dieses Amt nur ausüben dürfe, weil ihn der Wähler dort haben wollte. Dies habe er als größte Auszeichnung verstanden. Weiß, so Herrmann, habe in seinen vielfältigen Funktionen "immer wieder Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen."

Für sein politisches Engagement erhielt Dr. Manfred Weiß zahlreiche Ehrungen wie den Bayerischen Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz am Bande oder die Verfassungsmedaille in Gold. Weiß hinterlässt seine Frau Margit sowie seine Kinder Marion und ,Martin, die ihm stets Rückhalt waren. 

DETLEF GSÄNGER

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