Montag, 17.12.2018

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Streiterei mit Lachgarantie

Chiemgauer Volkstheater sorgte in der Kufa für Heiterkeit - 26.01.2009

Mit dem Lustspiel "Die Schwindelnichte" hatte das Chiemgauer Volkstheater die Lacher auf seiner Seite. © Unterburger


Das Strickmuster der Handlung war simpel: Der stets grantige August Sedlmaier (Egon Biscan) und seine nicht minder grantige Angetraute namens Julie (Monika Freiberg) haben sich in 20-jähriger Ehe ziemlich auseinandergelebt. Mit Vorliebe giften sie sich an und streiten miteinander. Von der früheren Liebe und gegenseitigen Wertschätzung ist nichts mehr zu spüren. Aktueller Streitpunkt sind die Vorzüge ihrer beiden Nichten.

Augusts junge Nichte Resi (Silke Popp) ist etwas vertrottelt, zieht sich sehr unvorteilhaft an und lebt im Haus. Julies Nichte sollte eigentlich zu Julies 50. Geburtstag auf Besuch kommen, doch sie sagt auch dieses Mal ihr Kommen wieder ab. Was tun? Kurzerhand engagiert Hans Engel (Thomas Mandl), der Pächter des Sedlmaier-Gasthofes, eine Schauspielerin, nämlich seine heimliche Geliebte Mausi (Kristina Helfrich), die den Part der «Schwindelnichte« übernehmen soll.

Damit nehmen die Irrungen und Wirrungen ihren Verlauf. Es stellt sich heraus, dass der Sedlmaier seinen Pächter Hans Engel mit der naiv-dummen Resi verheiraten will. Diese aber ihrerseits liebäugelt mit dem schüchternen Postbeamten Hasenknopf (Florian Bauer). Mausi macht sich daran, listig Paar für Paar zusammenzubringen, doch die Geschichte geht gründlich schief. Die Sache eskaliert sogar soweit, dass der wütende Sedlmaier glaubt, seine Frau hätte ihn sowohl mit dem Pächter Engel als auch mit dem jungen Postler Hasenknopf betrogen und erwarte Zwillinge.

Keine leichte Aufgabe für Mausi, die sich nun daran machen muss, einen Wust von Missverständnissen, Streitigkeiten und Eifersüchteleien zu entwirren. Doch die sympathische «Schwindelnichte« schafft es, indem sie aus der trotteligen Resi eine attraktive junge Frau macht und die Streithähne August und Julie Sedlmaier wieder zusammenbringt und sich selbst «ihren« Hans Engel schnappt, so dass am Ende drei glücklich vereinte Paare auf der Bühne stehen.

Sämtliche Schauspieler überzeugten durch ihre Wandlungsfähigkeit, Schlagfertigkeit und ihr schauspielerisches Können. Das ließ einen die reichlich dünne Handlung schnell vergessen. Vor allem, als der alte Grantelhuber Sedlmaier den schüchternen Postler Haselknopf, der eigentlich keinen Tropfen Alkohol anrührt, stockbetrunken macht (eine Paraderolle für Florian Bauer), lachte das Publikum Tränen. Die Sedlmaier-Rolle war ideal besetzt durch den Publikumsliebling und Grandseigneur Egon Biscan, der neben seinen Einsätzen als Schauspieler und Regisseur für das Chiemgauer Volkstheater auch schon in zahlreichen Fernsehproduktionen wie «Derrick«, «Tatort« und «Der Alte« zu sehen war.

Auch Mona Freiberg, die seit 1984 zusammen mit ihrem Ehemann Bernd Helfrich das Chiemgauer Volkstheater leitet, überzeugte mit ihrem schauspielerischen Talent und ihrer Wandlungsfähigkeit. Die Palette ihrer Darstellungsformen reichte von der übel gelaunten, streitsüchtigen «alten Schachtel« bis hin zur attraktiven, vornehmen und charmanten Sedlmaier-Gattin.

Einen hervorragenden Eindruck hinterließ auch Kristina Helfrich als «Die Schwindelnichte«. Gemeinsam mit ihrer Mutter Mona Freiberg ließ sie es gehörig krachen und spielte sich mit ihrem mädchenhaften Charme und ihrer Direktheit in die Herzen des Publikums. Kein Wunder, wenn man das Theaterspielen in den Genen hat und es ihr die Eltern sozusagen in die Wiege gelegt haben.

Das Verwirrspiel um die angebliche Untreue der Julie Sedlmaier schuf viel Raum für Situationskomik und schöne Gags. Es wurden keine oberbayerischen Kraftmeiereien vorgeführt, sondern subtile Komik, allzu Menschliches und das ewige Thema Liebe mit all ihren Facetten und Eifersüchteleien standen im Mittelpunkt. Wohltuend war auch, dass der Schwank keine heile Welt der 50er oder 60er Jahre heraufbeschwor, sondern in der Gegenwart spielt.

Das Publikum in der voll besetzten Kulturfabrik genoss das Durcheinander auf der Bühne und die fatalen Missverständnisse, die einen teilweise grotesken Charakter annahmen. Die Schauspieler des Chiemgauer Volkstheaters sind Profis, die genau wissen, wie man Gags und Pointen publikumswirksam und mit Lachgarantie serviert. Wer sich für leichte, jedoch äußerst schmackhaft servierte Kost begeistern kann, für den war dieses Lustspiel genau richtig.

ROBERT UNTERBURGER 

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