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Von wegen alte Hunde

Die "Old Blind Dogs" vertrieben den November-Blues - 22.11.2017 14:44 Uhr

Die schottische Folkband „Old Blind Dogs“ hypnotisierte das Publikum in der Rother Kulturfabrik mit ihrer schnellen Folkmusik, die direkt in die Beine fährt. © Foto: Robert Unterburger


Die schottische Folkband "Old Blind Dogs" spielten erfolgreich gegen den November-Blues an. Mit ihrer mitreißenden Musik schafften sie es zwar nicht, das Publikum zum Tanzen hinzureißen, doch am Ende gab es kein Halten mehr. Die Zuhörer sprangen auf und zollten begeistert Beifall mit Standing Ovations.

Ein echter Franke taut nicht so schnell auf. Dabei gaben die vier Schotten alles, um die Zuhörer in Stimmung zu bringen. Mit ihren typisch schottischen Instrumenten wie Dudelsack und Fiddle, gepaart mit Singer-Songwriter-Einflüssen, schafften es die Musiker und Sänger, frischen Wind in die traditionelle Musik ihrer Heimat zu blasen und der Folkmusik mit perkussiven Elementen neue Stilelemente beizumischen.

Sie gelten als eine der besten schottischen Bands und sind seit den frühen 1990er Jahren unterwegs auf Tour. Mit dabei hatten sie Ali Hutten, der als einer der herausragendsten Dudelsackspieler seiner Generation gilt. Ihm zur Seite standen Fiddler Jonny Hardie, der durch sein markantes schottisches Timbre in der Stimme besticht, und der Gitarrist Aaron Jones, dessen Gesang ein bisschen an James Taylor erinnert sowie der präzise Schlagzeuger Ronald Hay.

Sie geizten nicht mit Spielfreude und Leidenschaft, die alten blinden Hunde. Vor allem die vielen schnellen Instrumental- und Tanznummern fetzten und rissen die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin. Geschickt motzten sie Klassiker und Traditionals auf, steigerten das Tempo und sorgten mit humorvollen Moderationen dafür, dass selbst die zurückhaltendsten Franken allmählich auftauten und die Ohren sich auf das schottische Klanggewitter einstellten. Als der Gitarrist fragte, wie viele denn schon bei einem Konzert der "Old Blind Dogs" waren und sich nur einer meldete, meinte der Musiker anerkennend: "Thank you for coming!" - womit er für schallendes Gelächter sorgte.

Weg aus der garstigen Welt

Damit war der Bann gebrochen. Die Band reihte Song an Song, animierte die Zuhörer auch mal zum Mitsingen und -klatschen und erfreute sie mit Musik, die den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Vor allem nach der Pause drehte die Band gewaltig auf und spielte Musik zum Hinwegfliegen aus dieser kalten, garstigen Welt.

Blitzschnell schaltete die Band von leisen Nummern wieder um auf schnelle, stampfende Tanzmusik, die die Zuhörer geradezu hypnotisch erfasste und in ihren Bann zog. Ihre CD-Vorstellung "Room with a View" geriet zu einer absolut hörenswerten Einführung in die schottische Folkmusik, die mit viel Energie und Dynamik direkt in die Beine fährt.

"In Deutschland macht ihr das beste Bier der Welt, aber wir machen den besten Whiskey der Welt – und das ist der Grund, warum Schottland in der EU bleiben will"; witzelten die Musiker. "Whiskey und Bier sind die besten Freunde, die man sich vorstellen kann." Sagten’s und sangen einen Song über den Whiskey: "Seit 1792 haben wir keine Steuern für den Whiskey bezahlt, der Großvater machte Whiskey, der Vater auch und wir natürlich ebenso."

Am Ende hatten sie noch einen Tipp für alle CD-Sammler parat: "Wenn ihr unsere CD nicht mögt, dann schickt sie uns zurück. Wir werden euch dann eine CD zuschicken, die wir unsererseits nicht mögen." Na denn, lasst uns tauschen! 

ROBERT UNTERBURGER

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