Samstag, 17.11.2018

|

Zu jeder Sorte eine Anekdote parat

Kreispilzberater Rudolf Rossmeissl erhielt das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten - 12.03.2007

ROTH (ts) - Da staunte Rudolf Rossmeissl nicht schlecht, als Landrat Herbert Eckstein ihm bei seiner Party zum 60. Geburtstag das Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten anheftete. Rudolf Rossmeissl ist damit der 33. Rother, der mit dem Ehrenzeichen ausgezeichnet wird...


Eigentlich hatte der Kreiskämmerer im Rother Awo-Zentrum eine ganz «normale» Geburtstagsfeier mit vielen Gästen und gutem Essen geplant. Doch dann kam der Landrat mit seiner ganz besonderen Überraschung. Lediglich Ehefrau Marianne Rossmeissl und die beiden Söhne Bernd und Markus mit ihren Familien sowie Bürgermeister Richard Erdmann waren eingeweiht.

Den meisten Rothern ist Richard Rossmeissl bekannt, ist er doch seit inzwischen 25 Jahren ehrenamtlicher Kreispilzberater des Landkreises. Die dafür notwendige Pilzberatungsprüfung bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie legte er als einer der Besten ab. Dies war umso erstaunlicher, da Rossmeissl als Autodidakt mit seinem reichen Wissen überzeugte.

Seitdem besucht er regelmäßig mykologische Fachseminare. Unter seiner Federführung fand unter anderem auch eine mykologische Woche in Hilpoltstein statt. Hier trafen sich die Pilzexperten aus Holland und Österreich mit ihren deutschen Kollegen.

Seit 1981 bestimmte Rossmeissl inzwischen über 11 000 (!) Pilzproben. Während sich mehr als 70 Prozent der Proben als essbar erwiesen, waren fast 18 Prozent der Pilze ungenießbar und über zwölf Prozent sogar giftig. «Hochsaison» hatte Rudolf Rossmeissl nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl im Jahr 1986. Damals wandten sich fast 2000 besorgte Bürger an den Kreispilzberater, um sich über die radioaktive Strahlenbelastung der wild wachsenden Pilze zu erkunden.

Während seiner langjährigen Beratertätigkeit wurde der Geehrte nicht nur von besorgten Familien, sondern auch von Kliniken und Arztpraxen zu Rate gezogen. Er unterstützt die Ärzte durch detaillierte Bestimmung der Pilz- beziehungsweise Putzreste und gibt Auskunft über die darin enthaltenen Gifte und über mögliche Behandlungsmethoden. In diesen besonderen Situationen sei nicht nur das fundierte Fachwissen gefragt, sondern oftmals auch die psychologische Betreuung der Hilfesuchenden, so Rossmeissl.

Da sich Giftnotfälle natürlich nicht an bestimmte Zeiten halten, komme es auch immer wieder vor, dass mitten in der Nacht das Telefon klingelt und Rossmeissl zu Einsätzen «ausrücken» muss. Im vergangenen Jahr waren drei solcher «Spätschichten» notwendig.

1998 erschienen - als Sonderausgabe der Heimatkundlichen Streifzüge des Landkreises Roth - die von Rossmeissl zusammengestellten «Pilzbegegnungen im Landkreis Roth». Der Rother gilt mittlerweile weit über die Grenzen des Landkreises hinaus als exzellenter Pilzexperte. Sein versiertes Fachwissen wurde auch bei Fernseh- und Radioauftritten mehrfach in Anspruch genommen.

Sein Dienstherr, Landrat Herbert Eckstein, lobte in seiner Laudatio die Arbeit seines «pflichtbewussten und hilfsbereiten» Mitarbeiters in höchsten Tönen. Rossmeissl sei ein eher ruhiger Typ, der aber allen Sachen auf den Grund gehe. Außerdem habe er zu jeder Pilzsorte eine Anekdote parat. 

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Roth