Montag, 10.12.2018

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Criminale: Andreas Gruber stellte Schwabach-Krimi vor

„Das tapfere Schneiderlein“ des Wiener Autors mit viel Lokalkolorit - 26.05.2014 08:18 Uhr

Der Wiener Krimiautor Andreas Gruber signierte nach seiner Lesung im voll besetzten Bürgerhaus seine Bücher © Wolfram Göll


Mit viel Wiener Schmäh reizte Gruber schon vor der eigentlichen Lesung seines Schwabach-Kurzkrimis „Das tapfere Schneiderlein“ das Publikum zu Lachsalven, als er im lockeren Plauderton erzählte, wie er seinen Recherche- Besuch erlebt hatte.Dabei habe er die Marionettenbühne entdeckt, die er dann in die Handlung einbaute.

Flucht die Schwabach entlang

In seinen Schwabach-Krimi „Das tapfere Schneiderlein“, eigentlich eine Groteske im Psychothriller-Gewand, baute Gruber hinreichend Lokalkolorit ein, vom Fachwerkhaus an der Fleischbrücke über das knusprige Schäuferle bis zur Flucht zu Fuß an der Schwabach entlang. Ständig aber ändern sich die Voraussetzungen, und der Autor gibt offen zu, dass er das Publikum ständig aufs Glatteis führt.

Der Ich-Erzähler ist zuerst Puppenspieler an der Marionettenbühne, dann Auftragskiller, dann homoerotischer Liebhaber des Stadtkämmerers (!), der die Amtskette des Oberbürgermeisters stiehlt, dann Psychopath – was vermutlich die zutreffende Diagnose ist.

Wie Gruber erzählt, sind seine drei jüngsten Bücher — „Rachesommer“, „Herzgrab“ und „Todesfrist“ — seine ersten Krimis. Ursprünglich aber stamme er aus dem Horror-Genre. „Ich liebe es, die Leser mit plötzlichen Gewalt-Ausbrüchen zu schockieren“, gibt er zu. Gruber gehört zu jenen Autoren, die die Handlung komplett durchkonzipieren („durchplotten“), ehe sie an das eigentliche Schreiben gehen: Figuren werden mit Aussehen, Charakter und Vorgeschichte genau modelliert, die Handlung steht fest, erst dann kommt die Ausarbeitung.

Ähnlich skurril, aber mit deftiger Verbal-Pornographie, ging es in einer weiteren Kurzgeschichte Grubers zu, die eigentlich erst im September in Hagen in Westfalen präsentiert werden sollte: „Hagens älteste Lustgrotte“. Hier wird eine Rentnerin, Ex-Rotlicht-Königin, beim erotischen Spiel mit einem Zivildienstler von einem sich versehentlich lösenden, intravaginalen Revolverschuss getötet.

Auftakt mit Streiter und Luck

Ganz anders als Andreas Gruber arbeitet Volker Streiter, der zusammen mit Harry Luck den frühsommerlichen Donnerstagabend im Apothekersgarten bestritten hatte. Streiter ist Polizist und wohnt in Köln. Seine Krimis spielen in den Alpen und auf Amrum. Seine Ermittler auf Amrum sind zwei Inselpolizisten sowie eine Kölner Kommissarin auf Urlaub.

Streiter lehnt das Klischee der Fernsehkrimis ab, wonach Ermittler gescheiterte Alkoholiker oder bindungsunfähige Einzelgänger sind. „Meine Ermittler sind ganz normale, aber interessante Menschen“, erklärt er bei der Criminale-Veranstaltung.

Anders als Gruber macht er sich vor dem Schreiben nur grobe Handlungsskizzen: Die Hauptpersonen stehen fest. Aber der Ort sei manchmal das inspirierende Element: „Du gehst durch eine Gasse, und plötzlich denkst Du: Genau da soll meine Leiche liegen“, erzählt Streiter. Ansonsten folgt er dem Prinzip: Die Gedanken verfertigen sich beim Schreiben. „Manchmal kenne ich bis 50 Seiten vor Schluss meinen Mörder selber noch nicht.“

Harry Luck aus Bamberg ist im Hauptberuf Journalist, arbeitete viele Jahre bei den Agenturen DDP und AP in München. Derzeit ist er Pressesprecher des Bamberger Erzbischofs. Sein jüngstes Buch ist – wie er betont, ganz unabhängig von seinem Job – ein Bibel-Thriller namens „Versuchung“. Dabei verlegt Luck die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies in die Gegenwart. Zwei junge Journalisten einer Online-Redaktion geraten in Versuchung, vom Baum der Erkenntnis zu naschen: Sie bekommen Zugang zu einer Art Meta-Google, das das gesamte Wissen der Welt bündelt. In einer Gerichtsverhandlung (Jüngstes Gericht) müssen sie sich verantworten, erhalten gnädigerweise Bewährung, werden aber aus dem Paradies (Online-Redaktion) vertrieben. 

WOLFRAM GÖLL

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