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Der Genuss der Wahl

Presssack-Wettbewerb: Jury ließ es sich im Landratsamt schmecken - 06.03.2015 16:13 Uhr

Am Presssack scheiden sich die Geschmäcker: Doch für echte Fans ist er eine wahre Delikatesse.


„Das wird heute echt hart“, verspricht Eckstein den Freunden dieser deftigen Hausmannskost. Der Landrat selbst hat diesen kulinarischen Wettstreit heimischer Produkte 2005 erstmals ins Leben gerufen. Bei allem Spaß, mit dem der Wettbewerb seither alljährlich über die Bühne geht: Er hat auch einen ernsten Hintergrund. Er ist ein Plädoyer für original-regionale Produkte.

Um was geht es? Um eine uralte bayrisch-fränkische Metzgerspezialität, die heutzutage nur noch von wenigen Betrieben auf die althergebrachte, aufwändige Weise hergestellt wird. Hauptbestandteile sind Schweinefleisch ohne das Fett und salzige Schweineschwarte. Das Fleisch wird in Stücke geschnitten und gemeinsam mit der Schwarte abgekocht. Ausgewählte Gewürze verfeinern den Geschmack. Beim roten Presssack wird statt einer Brühe Schweineblut hinzugefügt. Eine Spezialität also für echte Kenner von schmackhaften Brotzeittellern.

Dem Vorentscheid stellt sich auch heuer eine Bürgerjury. Alles Presssackfans. Veganer, Vegetarier oder Rohkostler sind hier fehl am Platz. Dazu gesellt sich der ehemalige Kreiskämmerer Rudolf Rossmeissl und zwei Pressevertreter. „Damit kein Metzger sagen kann, hier wird gemauschelt“, sagt Eckstein. Insgesamt 32 Bewerbungen sind hierfür eingegangen. Elf dürfen jedoch nur teilnehmen. Deshalb hat das Los entschieden. Der Landrat steht jedoch außen vor. „Es ist schließlich Fastenzeit. Da halte ich mich ganz strikt daran. Kein Bier, kein Presssack, keine Gummibärchen“.

Während in den ersten Jahren die Idee eines Presssackwettbewerbes noch ein wenig belächelt wurde, hat sich der kulinarische Vergleich längst zu einem Event mit überregionalem Charakter gemausert. Erst recht, wenn am Mittwoch, 18. März, um 16 Uhr auf der Ausstellung „Freizeit und Garten“ im Nürnberger Messezentrum am Stand des Landkreises in der Halle 7 das Finale über die Bühne geht.

Thomas Gruber, oberster Touristiker des Landkreises, verteilt zum Vorentscheid die Stimmzettel. Dann dürfen die Jurymitglieder loslegen. Jeder zückt seine Gabel, sucht sich die erste Probe aus, spießt eine kleine Kostprobe auf und nimmt diese langsam kauend in den Mund.

Das erste Kriterium jedoch gilt dem Aussehen des Presssacks. Dann geht es um Konsistenz, Schnitt- und Bissfestigkeit sowie Würze und Geschmack. Langsam kauen die Jurymitglieder, wiegen den Kopf hin und her und notieren die ersten Punkte von eins (na ja) bis sechs (echter Leckerbissen). Wobei Würze und Geschmack doppelt zählen. Und da hat so mancher Metzger seine althergebrachte Spezialwürzmischung. Natürlich dürfen die Jurymitglieder nicht wissen, welche Metzgerei aus dem Landkreis sich hinter den einzelnen Proben verbirgt.

Damit die Geschmacksnerven nicht irritiert werden, wird zwischendurch etwas von den leckeren Bauernbrotscheiben gegessen oder ein Schluck Flüssiges zu sich genommen. Die Jury nimmt ihre Aufgabe auch tatsächlich ernst. Ist man wankelmütig geworden, nimmt man zwischendurch nochmals eine Probe des vorherigen Presssacks um besser vergleichen zu können. Der Landrat hat nicht zu viel versprochen: Der Wettbewerb wird zu einem echten Härtetest der Geschmacksnerven.

Auch ein Jubilar lässt sich diese Presssackproben nicht entgehen. Christian Beyerlein aus Pruppach. Der langjährige Sprecher der Heimatfreunde „Land um Stauf“ ist an seinem 70. Geburtstag ebenfalls ganz bei der Sache.

Nach gut einer Stunde ist der letzte Bissen gemacht, sind die letzten Punkte aufnotiert. Thomas Gruber und Rudolf Rossmeissl zählen nun die Ergebnisse zusammen und lüften ganz am Ende den Schleier, welche acht Produkte es ins Finale geschafft haben. In alphabetischer Reihenfolge die dazugehörenden Betriebe: Metzgerei Böbel (Rittersbach), Metzgerei Ennich (Rednitzhembach), Gasthaus Fersch (Kleinnottersdorf), Metzgerei Knäblein (Röttenbach), Metzgerei Lederer (Thalmässing), Metzgerei Wolfgang Lutz (Roth), Metzgerei Otto Pfaller (Schloßberg) und Metzgerei Schlierf (Allersberg). 

DETLEF GSÄNGER

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