Montag, 10.12.2018

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Der Kulturlandschaftspfleger

Dr. Roland Oeser zieht Zwischenbilanz als „Kulturbürgermeister“ - 19.03.2011 08:00 Uhr

Den Ton angeben will er nicht. Als „Kulturbürgermeister“ möchte Roland Oeser von den Grünen aber zur „Profilbildung“ des Kulturangebots beitragen. Das Henselt-Jahr 2014 wird dazu ein herausragender Beitrag der nächsten Jahre sein. Dann feiert Schwabach den 200. Geburtstag des in der Stadt geborenen Komponisten. © Wilhelm


Herr Oeser, bei welchen Kulturveranstaltungen sind Sie Stammgast?

Oeser: Bei welchen nicht? Besonders gerne gehe ich zu Konzerten oder zu LesArt. Wenn zeitlich möglich, besuche ich auch die Veranstaltungen der Musikschule. Eine Kulturmeterpreisverleihung der Grünen habe ich auch noch nie ausgelassen. Und wenn die Schwabanesen-Hexen die Stadt unsicher machen, laufe ich auch nicht davon.

„Kulturbürgermeister“ ist ein Begriff, den es offiziell gar nicht gibt. Aber er beschreibt einen Schwerpunkt Ihrer Arbeit. Welches Hauptziel verbinden Sie mit dieser Aufgabe?

Oeser: Ich möchte helfen, in der Öffentlichkeit noch deutlicher zu machen, dass Schwabach ein interessanter Ort und die Kultur Teil der Attraktivität unserer Stadt ist. Ich möchte zur Profilbildung beitragen.

Und ist Ihnen das gelungen?

Oeser: Wir haben die Kultur in Schwabach ja nicht erst 2008 neu erfinden müssen. Aber die Kulturlandschaft hat sich positiv weiterentwickelt. Ich denke dabei vor allem an das Stadtmuseum, die städtische Musikschule und das neue „Kulturhaus“ im Bürgerhaus.

In ihr Museum hat die Stadt für die Erweiterung und den Museumspark viel Geld gesteckt. Eine lohnende Investition?

Oeser: Ja, denn die Besucherzahlen sind deutlich nach oben gegangen. Ziel waren 15000, im vergangenen Jahr hatten wir 24000 Gäste. Für die Erweiterung konnte die Stadt noch unter OB Hartwig Reimann dafür ein Zeitfenster nutzen, in dem der Haushalt das noch ermöglicht hat. Wir wollen das Museum weiter zu einem Bildungs- und Begegnungsort ausbauen. Und der Park eignet sich im Sommer bestens für Abendveranstaltungen. Da wird sich noch manches machen lassen.

Auch die Musikschule meldet steigende Nachfrage. Wollen Sie sie ausbauen, um dem gerecht zu werden?

Oeser: Die Musikschule ist eine Erfolgsgeschichte. 2006 hatten wir rund 300 Schüler, jetzt sind es 800. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulen hat das Angebot verbessert und die Nachfrage so erhöht, das wir noch mehr Unterricht geben könnten. Wir haben auch hervorragende Lehrkräfte. Aber nicht alles, was wünschenswert ist, kann aus personellen Gründen umgesetzt werden.

Sie haben das Medienzentrum, also die ehemalige Stadtbildstelle, und das Kulturamt ins Gebäude der Stadtbücherei verlegt. Was bringt das für die Kulturarbeit?

Oeser: Zu diesem Projekt „Kulturhaus“ gehören auch noch die städtische Galerie, die Volkshochschule und das Stadtarchiv. Bis auf das Museum und die Musikschule sind hier kulturelle Einrichtungen zentriert. Das ist eine sehr gute Lage mitten in der Stadt. Hier kann sich einiges entwickeln.

Aber wäre es nicht wichtiger, diese Einrichtungen finanziell besser auszustatten? Zum Beispiel geben andere Städte mehr Geld für ihre Stadtbibliotheken aus. Da hat Schwabach doch Nachholbedarf.

Oeser: Die Stadtbibliothek ist unterfinanziert. Aber gerade die letzten Haushaltsberatungen haben gezeigt, wie eng der Spielraum noch ist. Wir müssen mit den Mitteln, die wir haben, Schritt für Schritt die Attraktivität erhöhen. Daran arbeiten wir. Leseförderung, frühkindliche Bildung und Familienfreundlichkeit sind wichtige Stichworte. Ein neuer Ansatz ist, Kindergärten gezielt einzuladen. Das ist ganz positiv angelaufen. Wir wollen die Bibliothek auch wieder als Veranstaltungsort beleben.

Neben diesen städtischen Einrichtungen lebt die Kultur von vielen privaten Initiativen.

Oeser: Und die sind besonders wichtig und unverzichtbar. Es ist doch herrlich, wenn sich auch eine neue Szene wie beim Poetry Slam entwickelt. Schwabach hat nicht den einen kulturellen Leuchtturm, der alles überstrahlt, aber eine ganz große Vielfalt.

Wird die von der Stadt ausreichend gepflegt? Der Kulturfonds für Zuschüsse etwa an Theaterprojekte ist ja auch nicht gerade üppig gefüllt.

Oeser: Da stehen rund 20000 Euro zur Verfügung. Damit kann man sicher nicht viel stemmen. Das ist auch eher der Versuch, den Veranstaltern etwa von Freilichttheatern ein bisschen Sicherheit zu geben. Und neu ist die kleine Aufwandsentschädigung für die Chorleiter.

Kulturhistorisch besonders wertvoll ist die jüdische Laubhütte in der Synagogengasse. Seit Jahren wird über ein neues Konzept diskutiert. Wann kommt es?

Oeser: Noch in diesem Jahr soll ein Ausbau beginnen. Er schafft mehr Raum und verbessert den Brandschutz. Das „Jüdische Museum Franken“, dem die Stadt 2008 beigetreten ist, verfeinert noch ein Konzept, um Führungen attraktiver zu machen.

Eine der großen Herausforderungen der Kommunalpolitik in Schwabach ist die Zukunft des Markgrafenareals. Die Pläne für ein großes Einkaufszentrum sind gescheitert. Schwabach braucht einen großen modernen Veranstaltungsort. Was tun mit dem Markgrafensaal? Abreißen und neu bauen?

Oeser: Das hängt auch davon ab, ob es gelingt, einen Investor zu begeistern. Ich halte den Standort für gut. So wie der Markgrafensaal jetzt ist, kann er auf Dauer aber nicht bleiben. Wir brauchen einen attraktiven Ort auch für Tagungen und Kongresse. Den haben wir momentan nicht.

Es gibt ja die Idee, das sanierungsbedürftige Alte DG zu einem solchen Veranstaltungsort zu machen. Dann hätte man gleich zwei Probleme gelöst. Mehr als eine Vision?

Oeser: Eine moderne Glaskuppel über den Innenhof, das wäre schon attraktiv. Nur kann ich mir die Realisierung unter finanziellen Gesichtspunkten noch nicht so richtig vorstellen.

Kultur ist mehr als nur Kunstgenuss. Sehen Sie es auch als ein Stück Stadtmarketing?

Oeser: Die Goldschlägernacht und Ortung haben Wirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus. Beides waren sehr gute Ideen. Und es stehen in den nächsten Jahren ja weitere einzigartige Veranstaltungen an: 2012 der Tag der Franken, 2014 das Henselt-Jahr zum 200. Geburtstag dieses zu Unrecht fast vergessenen Komponisten, 2015 die Bayernausstellung und 2017 die 900-Jahr-Feier. 1117 wird „suabach“ erstmals urkundlich erwähnt. All das geht nur durch das besondere Engagement auch der Ehrenamtlichen im Kulturbereich.
  

Interview: GÜNTHER WILHELM

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