Die erste Probe-Abstimmung ging an den SPD-Mann

19.3.2013, 08:10 Uhr
Die erste Probe-Abstimmung ging an den SPD-Mann

© Schmitt

Zweiter war Hermann Kratzer von den Freien Wählern (FW) mit 29 Stimmen. Auf Volker Bauer (CSU) entfielen 22 und auf Andreas Hofmann (Grüne) drei Stimmen. Der FDP-Landtagskandidat Guido Kramer hatte we-gen eines anderen Termins abgesagt. Die Linke war nicht angefragt worden.

Jugend und Familie

Den Kolpingverband könnte man als die Arbeitnehmervertretung innerhalb der katholischen Kirche bezeichnen. Auf Basis der katholischen Soziallehre kümmert er sich insbesondere um Benachteiligte und tritt für eine gerechte Gesellschaft ein. Entsprechend nahmen die Themen Jugend und Familie den breitesten Raum bei der Podiumsdiskussion ein.

Insgesamt waren die inhaltlichen Konflikte zwischen den vier Parteienvertretern äußerst überschaubar. Lediglich bei Studiengebühren und dem Staatshaushalt schlugen die Wellen etwas höher. Für Verbraucherfragen und Arbeitsmarkt blieb kaum noch Zeit.

„Die Finanzen des Freistaats sind keineswegs ausgeglichen“, kritisierte Hermann Kratzer eine Behauptung seines CSU-Konkurrenten Volker Bauer. „Die zehn Milliarden Verlust der Landesbank sind einfach ausgegliedert worden“, rechnete der FW-Kandidat vor.

Harte Kritik

Als Volker Bauer erklärte, er sei schon immer gegen Studiengebühren gewesen, traf ihn die harte Kritik von Sven Ehrhardt. Es sei unredlich, so der SPD-Youngster, wenn die CSU heute nach erfolgreichem Volksbegehren behaupte, sie habe Studiengebühren schon immer abgelehnt.

Sven Ehrhardt forderte ferner eine bessere Ausstattung der Kinderbetreuung und bezeichnete Bayern als „Schlusslicht in Deutschland“ bei den Einrichtungen der frühkindlichen Bildung. Zugleich sah er in der Jugendpolitik ein wichtiges Feld für die Zukunft. „Oberstes Ziel muss die Integration in Ausbildung und Beruf sein, denn wir brauchen angesichts des Fachkräftemangels jeden“, sagte Ehrhardt.

Am weitesten ging in Sachen Kinderbetreuung Andreas Hofmann. „Sie darf für Eltern nichts kosten“, meinte der Grünen-Politiker. „Im Koalitionsvertrag von FDP und CSU steht das schon“, führte Hermann Kratzer an. „Hier gibt es nur ein Umsetzungsdefizit.“

Ohne Wirtschaft geht nichts

Volker Bauer betonte, man könne sich nur über Sozialpolitik unterhalten, wenn man eine vernünftige Wirtschaftspolitik mache. Den Status Bayerns auf diesem Gebiet sah er als Ergebnis „eines Erfolgswegs der CSU“ an. Ein Drittel seines Haushalts oder 16 Milliarden Euro wende der Freistaat pro Jahr für Bildung auf. „Diese gute Politik muss weitergehen“, meinte Bauer und nannte als einen Grund dafür eine Jugendarbeitslosigkeit im Freistaat von unter drei Prozent.

Zugleich verteidigte Bauer das Betreuungsgeld. „Wir sind sehr für die Wahlfreiheit der Familien“, so der CSU-Kreisvorsitzende. Für Sven Ehrhardt existiert sie nicht immer. „Hat die alleinerziehende Aldi-Verkäuferin wirklich eine Wahl?“, fragte der SPD-Kreisvorsitzende

Hermann Kratzer forderte die Betriebe auf, mindestens zehn Prozent der Belegschaft für Ausbildungsplätze vorzusehen. Zugleich sprach sich Kratzer für den Erhalt von wohnortnahen Schulstandorten aus. „Ich will keinen Schüler-Tourismus.“

Andreas Hofmann sah Handlungsbedarf für benachteiligte Jugendliche. Das Geld sei da, doch niemand wolle für sie Lehrgänge anbieten, sagte der Gewerkschafter, der für die Arbeitnehmer als Vize im IHK-Präsidium sitzt.

Ländlichen Raum aufwerten

Sven Ehrhardt lenkte den Blick der Politikinteressierten auch kurz auf die Entwicklung des Landkreises und verlangte „eine Aufwertung des ländlichen Raums, um ihn attraktiv für junge Menschen zu machen“. Er sehe insbesondere für den Landkreis-Süden „eine starke Abwanderung infolge schlechter Infrastruktur, geringer Arbeitsplätze und fehlender Kinderbetreuung“.

In der kurzen Diskussion mit dem Publikum ergriff Dr. Helmut Johach vom Kreisverband der Linken das Wort. Er warf insbesondere der SPD vor, „unsere Forderungen für eine wirklich soziale Politik übernommen zu haben“. Ferner sah er die Gesetzgebung in der Regierungszeit der Sozialdemokraten als Hauptursache für soziale Verwerfungen. „Altersarmut, geringe Löhne, Leiharbeit und Befristung sind alles Folgen der Hartz-Gesetze“, meinte Johach.

Dass SPD-Kandidat Sven Ehrhardt bei der Probe-Abstimmung dennoch triumphierte, verdankt er gewiss auch der guten Mobilisierung seiner Partei. Zahlreiche Genossinnen und Genossen aus dem nördlichen Landkreis wollten erleben, wie sich ihr Kandidat bei der ersten Podiumsdiskussion des anlaufenden Landtagswahlkampfs schlägt.

 

2 Kommentare