Erfolg der 400

14.3.2012, 09:00 Uhr
Erfolg der 400

© oh

Sieben Tage zuvor hatte ein „Tag der offenen Tür“ viele Besucher angezogen. Von nun an blieb das Gotteshaus auch an jedem weiteren Tag geöffnet. Durch eine Alarmanlage waren Bilder und Altarleuchter gesichert worden.

Der Renovierung der Johanneskirche vorausgegangen waren langwierige Verhandlungen und Vorbereitungen: Mit dem Totalausfall im Sommer 1976 war klar, dass neben dem Gebäude auch die Orgel erneuerungsbedürftig war. Eine erste Sammlung ergab zusammen mit Spenden einen Kapitalstock von 45000 Mark. Nur: Von der Landeskirche war immer wieder zu hören, dass die „äußerste Dringlichkeit“ nicht gegeben ist.

Im Februar 1980 wurde im Gemeindebrief die „Fünf-Mark-Aktion“ vorgestellt. Das Grundkonzept hieß: Würden Sie für den Fall, dass insgesamt 400 Gemeindeglieder beziehungsweise Familien mitmachen, für die Kirchenrenovierung drei Jahre lang jeden Sonntag fünf Mark beisteuern? Würden die 400 Spendenwilligen nicht erreicht, komme die Aktion nicht zustande, hieß es.

Erfolg der 400

Die „Fünf-Mark-Aktion“

Es gab kirchturmhohe Wogen der Entrüstung, es wurde viel diskutiert. Aber schon nach einigen Tagen erklärten sich die ersten bereit mitzumachen. Es war mitgeteilt worden, dass — für den Fall einer entsprechend hohen Eigenbeteiligung — die Landeskirche für den erforderlichen Zuschuss von 200000 Mark aufkommen würde.

Zu Ostern waren es 100 Beteiligte und nach vielen Hausbesuchen und einem Konzert von Posaunenchor, Liedertafel sowie dem Kinder- und Jugendchor summierte sich deren Zahl bis Ende des Jahres 1980 auf 300.

Eine Gemeindeversammlung in Gegenwart von Architekt Wolfgang Gsaenger aus Georgensgmünd, dessen Büro die Pläne gefertigt hatte, fand am l. Februar 1981 statt und gab dem Kirchenvorstand und dem damaligen Pfarrer Gerhard die Erlaubnis, schon vor der angepeilten Zahl von 400 Beteiligungen und in der sicheren Aussicht auf das Erreichen des Zieles mit der Renovierung zu beginnen — vorausgesetzt, München würde schon ein Jahr früher als geplant den erforderlichen Zuschuss geben. München gab „grünes Licht“ am 13. März 1981.

Die neue Johanneskirche

Am Montag, 4. Mai 1981, begannen die Bauarbeiten. In den ersten Tagen und Wochen waren freiwillige Helfer gefragt. Im Laufe der Renovierungsmaßnahmen kamen immerhin 1400 Arbeitsstunden zusammen. Der Posaunenchor ging mit gutem Beispiel voran. Die Hand- und Spanndienste koordinierte der spätere Vertrauensmann des Kirchenvorstandes, Balthasar Zeh.

Der damalige Kirchenvorstand mit dem Vertrauensmann Fritz Bauer koordinierte die Termine und die Zusammenarbeit mit dem Bauleiter des Architekten, Jürgen Lemke, sowie Dr. Baur vom Landesamt für Denkmalpflege in München, der sich besonders um die Farbgebung nach den historischen Befunden kümmerte.

Die Gottesdienste fanden während der zehnmonatigen Bauzeit im Gemeindehaus statt, an den drei wichtigsten Festen in der katholischen Kirche.

Die Renovierung kostete ohne die Instandsetzung der Orgel knapp 675000 Mark. Davon erbrachten die Spenden aus der Fünf-Mark-Aktion etwa 340000 Mark. Der Endstand lag schließlich bei 474 Beteiligungen, auch Einzelspenden und Teilzahlungen schlugen zu Buche.

Der Zuschuss der Landeskirche betrug 200000 Mark. Etwa 60000 Mark aus Rücklagen konnten verwendet werden, rund 75000 Mark gingen an weiteren Zuschüssen ein. Wobei die Marktgemeinde Schwanstetten mit 35000 Mark den größten Teil leistete, gefolgt vom Landkreis Roth, dem Bezirk Mittelfranken, dem Landesamt für Denkmalpflege und nochmals der Landeskirche mit Sonderzuschüssen für die Lautsprecher-Anlage sowie für die Gestaltung des Abendmahlsaltars und des Johannesfensters.

Letzteres gestaltete der Maler Walter Habdank aus Berg am Starnberger See. Zu einem großen Teil wurde es durch eine Spende des Vaters von Pfarrer Gerhard Nemec in Höhe von 10000 Mark finanziert, das effektive Honorar des Künstlers. Das Fenster wurde am Johannistag, 24. Juni 1981, in Anwesenheit von Habdank und mit einer Predigt von Pfarrer Herbert Reber aus Bayreuth eingeweiht.

Orgelprospekt blieb erhalten

Nun fehlte noch die Orgel. Sie war während der Renovierungszeit bei der Orgelbauwerkstatt Deininger & Renner in Oettingen in Auftrag gegeben worden und zwar nach entsprechender Beratung durch Kirchenmusikdirektor Walther Haffner aus Rummelsberg. Noch eineinhalb Jahre nach der Wiedereinweihung der Kirche musste sich die Gemeinde mit einer elektronischen Orgel begnügen, bis dann am ersten Advent 1983 Dekan Günter Bauer aus Schwabach die neue Orgel einweihte. Der alte Orgelprospekt aus dem Jahr 1894 blieb vollständig erhalten.

Samt den Maler-, Elektro- und Schreinerarbeiten kostete die Sanierung der Orgel 123000 Mark. Außer einem Zuschuss von 10000 Mark durch das Bayerische Kultusministerium wurde alles aus Spenden aufgebracht. Als nach der Einweihung die alten Orgelpfeifen verkauft wurden, erbrachte dies 3000 Mark.

Nach einem Beitrag von Pfarrer Gerhard Nemec in „800 Jahre Kirche in Schwand“, Mai 1986. Gerhard Nemec war von 1975 bis 1988 Pfarrer der evangelischen Johanneskirche von Schwand. Bearbeitet und mit eigenen Bildern illustriert im März 2012 von Alfred J. Köhl für den Museumsverein Schwanstetten.

www.museum-schwanstetten.de

Keine Kommentare