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"ortung X": Ruhiges Erleben statt Kunst-Party

Halbzeit: Veranstalter und Gäste sind mit der zehnten Auflage der Schwabacher Biennale mehr als zufrieden - 15.08.2017 14:00 Uhr

Zwei junge Besucherinnen haben ihren Foto-Spaß am Kunstwerk von Eyrich von Motz auf dem Martin-Luther-Platz.


Gewollt oder ungewollt, zum absoluten Szene-Kunsttreff hat sich ausgerechnet ein Auto gemausert. Anlaufstelle für Diskussionen, so eine Art Wunschzettel-Abgabe, Kummerkasten. Mit Goldstiften kann man den Mercedes auf dem Königsplatz bemalen, bekritzeln, das Kunstwerk von Daniel Theiler beschriften. Das Fahrzeug ist Ausgangspunkt und oft der finale Treff vor Ende eines Rundganges. "Was ist mir wichtig?" wird gefragt, hinterfragt. "Windsurfen" schreibt da einer auf den Benz, aber auch ortsbezogene Wünsche sind nachzulesen. "Weniger Parkgebühren" oder "Mehr Discos" wird da beispielsweise auch gefordert. "Das ist doch toll, wenn sich die Menschen da austauschen", freut sich Kulturamtsleiterin Sandra Hoffmann-Rivero über den Kunst-Coup auf vier Rädern.

Informations- und Spaßfaktor sind gleichermaßen hoch in diesen Ortung-Tagen, etwa 30 Mitarbeiter hat das Kulturamt Schwabach eingeteilt, Haupt- und Ehrenamtliche wie das Ehepaar Traudl und Max Hofer beispielsweise. Letzterer ist als sogenannter "Springer" am Start, falls es kurzfristig zu Ausfällen, Engpässen oder zu einem Ansturm auf das Info-Goldmobil kommt. Am Samstag war einer der Mitarbeiter für Stadtführungen ausgefallen, da musste improvisiert werden.

"MIt 66 Jahren..."

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", hat der verstorbene Udo Jürgens gesungen. Ein fast maßgeschneidertes Stück für Traudl Hofer (66), ehrenamtlich seit fünf Ortung-Veranstaltungen, also seit rund zehn Jahren tätig. Sie arbeitet hier mit Spaß, Herz,
Leidenschaft. Und sie weiß bereits
zur Halbzeit des 14-tägigen Kunst-Events: "Die Jubiläums-Ortung wird eine Erfolgsgeschichte. Es tummeln sich von früh bis abends Menschen in Schwabach, die beim Rundgang auch zu unbekannten Flecken in der Stadt geführt werden, die Ortung ist wirklich ein Gewinn für die Stadt."

Annette Reimann ist im Goldmobil tätig, auch Kulturamtsmitarbeiterin Doris Neugebauer. Auch sie sind begeistert: "Selbst bei Regen kommen die Leute und bewundern unsere Ortung." Neugebauer verkauft die Tickets im Goldmobil, preist Schwabacher Souvenir-Taschen an oder organisiert, wie jüngst am Sonntag, Kaffee für die Mitarbeiterinnen.Trotz diverser Stress-Perioden geht es rund um das Goldmobil der Werbe- und Stadtgemeinschaft fröhlich bis entspannt zu.

Einsatz für die Stadt

Und Traudl Hofer erzählt und schwärmt von Beweggründen ihrer Tätigkeit: "Ich will einfach für die Stadt ein begrenztes Ehrenamt leisten, es macht mir einfach Spaß, mich hier mit den Menschen zu befassen und die Leute zu informieren." Ihr persönlicher Ortung-Tipp: "Ich kann einfach nur die Keller am Pinzenberg empfehlen." Samt Vorbereitungszeit ist sie drei Wochen im Dienste der Ortung tätig und registrierte als halber Kummerkasten: "Die Leute wollen viel mehr über Schwabach wissen, als nur über die Stationen der Ortung."

Wunschzettel und Kummerkasten zugleich: Der inzwischen viel beschriebene Mercedes ist einer der zentralen Blickfänge von „ortung X“.


Beispielsweise Infos über den deutsch-russischen Komponisten Adolph von Henselt, am 9. Mai 1814 in Schwabach geboren. Das Kunstwerk des Klavier-Künstlers steht unterhalb der Stadtkirche. Das wäre ein Fall für die Kunsthistorikerin und Ortung-Chefin Sandra Hoffmann-Rivero.

"Wahnsinn, was da abgeht"

Aber sie kann nicht überall gleichzeitig sein, es gibt immer etwas zu klären und zu regeln. Wenn Zeit bleibt, schnappt sich Sandra Hoffmann-Rivero den Fotoapparat, misch sich, wie am Samstagnachmittag bei der Performance der Gruppe Nackt&NebelAktion unter die Besucher. Fängt auch die Stimmung ein. Am Sonntagnachmittag berichtete sie Oberbürgermeister Matthias Thürauf per WhatsApp vom Ortung-Treiben in der Stadt: "Es ist Wahnsinn, was da abgeht, die Menschen sind von der Ortung begeistert, von der Vielfalt der Objekte und von Schwabach insgesamt." Und ergänzt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Es ist nicht so sehr die Partyfeier-Geschichte, sondern das ruhige Erleben."

Viele Gäste kamen auch am Sonntagabend in den Bürgerhaussaal zur Performance des RGB-Ensembles. Sandra Hoffmann-Rivero: "Ich finde diese Grenzgänger-Geschichten interessant, es muss sie sich ja nicht jeder angucken. Es passiert etwas, und es ist alles wert, gesehen zu werden." 

MATTHIAS HERTLEIN

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