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Szenen einer Frozzelei

„Herbert und Renate“ bei Fränkischem Abend - 29.10.2011 09:05 Uhr

Alte fränkische Hasen standen auf der Bühne beim Fränkischen Abend. Die Frankenbänd und Er & Sie alias Herbert und Renate brachten das Publikum in Lachrhythmusstörungen. © Waldmüller


Wie kann man 25 Jahre lang streiten und dennoch ein Paar sein? Denn privat sind die beiden fränkischen Künstler zwar kein Paar, verstehen sich aber sehr gut. Den „echten gepflegten“ fränkischen Streit, oder besser: das alltägliche fränkische „Ehefrozelleben“ haben Herbert und Renate auf unzähligen Brettern und Bühnen bereits zelebriert und bis dato nur zwerchfellerschütternde Zustimmung erhalten. Im Grunde drehte sich alles nur um das Aneinandervorbeireden eines Musterehepaars, wobei „Sie“ doch immer wieder nur wissen wollte, ob „Er“ sie auch noch mag. Die Antwort kam dann auch kurz und knapp, denn „Er“ wollte doch nur in Ruhe seine heimische Zeitung lesen.

Pfauenartig tänzelte „Sie“ mit der erhaltenen positiven Antwort, die ihr eigentlich zu wenig war, um ihn herum und konfrontierte ihn pausenlos mit femininen Auftritten und erwartungsvollen Blicken, nun doch endlich mehr von sich zu geben als nur ein „gut“. Kein Wunder, dass im Laufe dieses fränkischen Verhaltensmusters Herbert und Renate wegen kleinster Anlässe aneinander gerieten. „Sie“, stehend und von oben schullehrerinnenhaft blickend, „Er“ am Tisch sitzend und von unten verständnislos über die Brille sehend – die perfekte Ausgangssituation für einen fränkischen Verbalkrieg. Meistens behielt Renate recht, doch irgendwann wurde es Herbert zu bunt, und dann legte er wie eine polternder Traktor los und bellte, fauchte und zischte kurz, aber hart zurück.

Dabei saß jede Pointe aus der Feder von Hermann Waldenburger, jede Geste und jeder Blick von Herbert und Renate trifft ins Mark. Die Lachmuskeln der Zuschauer waren bis zum Zerreißen gedehnt und hielten geradeso den letzten Lachschockwellen stand, da kam schon das nächste Wortgeschoss in tiefster fränkischer Reinredekultur. Herbert und Renate, beide fest in der Region Franken verwurzelt, redeten so, wie ihnen „einfach der Schnabel gewachsen war“ und das kam beim Publikum einfach an.

Zwischen den Zankepisoden balancieren die experimentierfreudigen Musiker, Theo Döring (Gesang, Mandoline), Charly Fischer (Gesang, Gitarre, Klarinette), Johnny Hechtel (Gesang, Gitarre, Konzertina), Herbert Schneider (Gesang, Akkordeon), Georg Maul (Gesang, Bass), Mitch Sauer (Gesang, Klarinetten, Helikon, Mundharmonika, Saxophone) und Reinhold Schneider (Schlagzeug, Perkussion) – besser bekannt als die Frankenbänd – elegant mit den Musikstilen der Welt.

Altbekannte Melodien als Stimmungsbasis, dazu Eigentextvarianten und Interpretationen hielten das Publikum auf den Lachwolken fest. Spontane Klatschsalven unterstützten die fränkische Hochstimmung in der „Strassaboo nach Ziegelstaa“ oder im fränkischen Städteachsenkampf Nürnberg gegen Fürth. Gesangliches fränkisches Gschmarri in Reinkultur. Fränkische Begeisterung war dem kaputtgelachten Publikum beim tosenden Schlussapplaus zu entnehmen. 

KLAUS WALDMÜLLER

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