Donnerstag, 15.11.2018

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„Überraschendes Menü“ aus der Wahrheit kreiert

Autorin Hera Lind schrieb Geschichte der Gynäkologin Konstanze Kuchenmeister nieder - 05.03.2011 11:00 Uhr

Titelbild von Hera Linds neuem Roman "Himmel und Hölle". © Verlagsgruppe Random House


Ihr jüngstes Buch „Himmel und Hölle“ trägt den Untertitel „Nach der wahren Geschichte der Dr. Konstanze Kuchenmeister“ und beschäftigt sich mit der Krankheitsgeschichte der Schwabacher Gynäkologin und Ehefrau des vormaligen CSU-Landratskandidaten Stefan Kuchenmeister. Wir fragten bei der Autorin nach.

Frau Lind, Ihr neuer Roman „Himmel und Hölle" ist nicht nur von himmlischen und teuflischen Mächten inspiriert, sondern auch vom wirklichen Leben einer Schwabacher Ärztin. Sie beschreiben darin die Krankengeschichte der krebskranken Medizinerin Dr. Konstanze Kuchenmeister, die um ihr Leben kämpft. Wie kamen Sie ausgerechnet auf Dr. Kuchenmeister?

Hera Lind: Umgekehrt! Die Kuchenmeisters kamen ausgerechnet zu mir! Herr Kuchenmeister wollte „die Beste", um die Geschichte seiner Frau aufzuschreiben (lacht).

Hat die Ärztin den Kontakt zu Ihnen aufgenommen?

Hera Lind: Nein, das war ihr Mann, Stefan Kuchenmeister.

Warum hat die Familie denn Interesse an einer Veröffentlichung der privaten Krankengeschichte?

Hera Lind: Frau Dr. Kuchenmeister möchte eine große Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass es heutzutage die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gibt, schon für Mädchen ab zwölf Jahren. Die Möglichkeit der Impfung gab es noch nicht, als sie erkrankte, weshalb sie ja diese Odyssee durchmachen musste.

Wie hat sich die Recherche für den Roman gestaltet? Sind Sie mit der Hauptfigur für ein paar Wochen „in Klausur" gegangen?

Hera Lind: Konstanze Kuchenmeister hat mich zu Hause besucht und mir ein paar Tage lang alles erzählt. Später, als das Buch in Arbeit war, ist sie nochmal mit mir auf Lesereise gegangen, da hat sich das Feintuning dann ergeben. Wir waren darüber hinaus ständig im E-Mail-Kontakt. Es wurde kein Satz ohne ihr Einverständnis geschrieben, sie hat mir sehr großes Vertrauen entgegengebracht.

Was an der Geschichte von Frau Kuchenmeister war für Sie das Besondere? Was hat Sie bewegt? Und, was glauben Sie, bewegt Ihre Leser(innen)?

Hera Lind: Was das Besondere an dieser Geschichte ist, ist die Stärke, die Kraft und die Liebe — drei Waffen, mit der der Krebs schließlich besiegt werden konnte. Frau Dr. Kuchenmeister ist eine ganz besonders starke Frau, dabei immer noch mit köstlichem Humor! Das Schreiben hat sogar richtig Spaß gemacht! Ich denke, diese schwere tragische Geschichte liest sich trotz allem leicht, fesselnd, spannend. Meine Leserinnen schreiben mir, dass sie das Buch nicht aus der Hand legen konnten.

Suchen Sie für die Figuren Ihrer Bücher immer im „richtigen Leben"?

Hera Lind: Nein, bis jetzt habe ich 15 Romane geschrieben, und schon wieder für drei neue Romane schöne Pläne. Dennoch: Eine so tolle „wahre Geschichte" ist etwas Besonderes, und wenn mir so eine starke, tapfere und fröhliche Frau und Mutter wie Frau Dr. Kuchenmeister begegnet, muss ich mir gar kein „Superweib" mehr ausdenken! (lacht)

Inwieweit ist eine wahre Geschichte ein Korsett, das Sie einengt beim Erzählen?

Hera Lind: In Absprache mit Frau Dr. Kuchenmeister habe ich mir alle „erzählerischen Freiheiten" offen gelassen, aber ihre Vorlage war so gut, dass ich mir nicht mehr viel ausdenken musste. Eher verfeinern, abschmecken, kreativ gestalten. Es ist wie bei einem Profi-Koch. Wenn die Zutaten stimmen, fällt es der Profi-Autorin leicht, ein überraschendes frisches und unverwechselbares Menu daraus zu kreieren. 

Interview: CAROLA SCHERBEL

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