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Verena Schmid: "Mein Gewehr, meine Kugel, mein Ziel"

Nominierte Sportler des Jahres, Teil 10: Die Kunst der Konzentration auf das Wesentliche - 05.01.2018 07:00 Uhr

Strahlen um die Wette: Verena Schmid und ihr Mannschaftspartner David Koenders, mit dem sie bei den Europameisterschaften im Luftgewehr Gold holte. © Foto: privat


Ihr großes Ziel ist die Weltmeisterschaft. Europameisterin mit dem Kleinkaliber- und dem Luftgewehr ist sie bereits, da ist die WM kein allzu hehres Vorhaben mehr. Was die 19-jährige Schützin Verena Schmid aus dem kleinen Schutzendorf, einem Ortsteil von Greding, schon erreicht hat, kann sich sehen lassen. Dabei kam sie zum Schießen eher durch Zufall.

Sie hatte Fußball gespielt, aber das langweilte sie irgendwann. Dann nahm ihr Bruder sie einmal zum Schießen zum SV Höbing mit und das machte ihr dann deutlich mehr Spaß. Zehn Jahre war sie damals alt. "Und dann war ich irgendwann gut", sagt sie und lacht. 15 Jahre war sie alt, als sie im Nachwuchs-Bayernkader antreten konnte, zwei Jahre schoss sie dann in der Jugend und "auf einmal war ich 2015 im Nationalkader". Sie erzählt das, als sei es einfach so passiert. Aber dass auf diesen Weg doch auch einiger Trainingseifer geführt hat, das liegt nahe. Die drei Deutschen Meistertitel 2013 errang sie, indem sie nur das gemacht habe, was sie immer gemacht hat. "Ich habe mir nicht so viele Gedanken gemacht", sagt sie.

Kulanter Arbeitgeber

Dass sie ihr Training und die Wettkämpfe unter einen Hut bekommt, liegt auch daran, dass der Arbeitgeber der 19-Jährigen äußerst kulant ist. Sie arbeitet als Modellbauerin bei der Kessel AG in Lenting und kann für das Training auch mal früher gehen. "Meine Firma ist total begeistert und unterstützt mich unter anderem mit Sonderurlaub für Wettkämpfe", erzählt sie.

Beim Auswahl-Schießen für den neuen Nationalkader konnte sie aber diesmal trotzdem nicht antreten. Denn ihre Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung stand am gleichen Tag an. Da musste der Sport dann doch einmal zurückstehen. Die Folge: Sie landete nicht im Nationalkader, denn den Einzug über die Listenwertung hatte sie diesmal nicht geschafft.

Letzte Chance nützen

Trotzdem gibt es noch eine Chance, bei der WM in München in diesem Jahr dabei zu sein. Denn im Frühjahr gibt es noch einmal die Chance, sich für den Kader zu qualifizieren. "Ich hoffe, dass ich es schaffe", sagt Verena Schmid.

Die Übung dafür hat sie. Denn inzwischen schießt sie schon in der zweiten Saison in der Luftgewehr-Bundesliga und tritt dort nun für den SV Petersaurach an. Trainiert wird aber immer noch bei ihrem Heimatverein SV Höbing, für den sie schon in der Bayernliga aktiv war. "Bayernliga ist schon auch gut, aber in der Bundesliga ist es der gewisse Druck, der den Anreiz gibt", erzählt die 19-Jährige.

Das Training absolviert sie gemeinsam mit anderen Bundesliga-Schützen, einmal wöchentlich treffen sich die Nordbayern mit ihrem Trainer abwechselnd bei den Heimatvereinen der Schützen; mal in Höbing, mal in Hilpoltstein, in Kehl oder Tauberfeld.

Trainiert wird von Dienstag bis Freitag, am Wochenende sind die Wettkämpfe. Nur am Montag ist für sie trainingsfrei. Damit sie das strikte Trainingsprogramm absolvieren kann, verlässt sie die Arbeit um 15.30 Uhr und geht dann fast direkt zum Schießstand. Nach Hause kommt sie oftmals erst um 21 oder 22 Uhr. Viel Zeit, um Freunde zu treffen oder mal wegzugehen bleibt da nicht. Doch die Schützen sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Bei Wettkämpfen trifft man sich, tauscht sich aus. "Man lernt viele Leute kennen, und es macht viel Spaß, weil man dann manchmal nach dem Wettkampf auch noch etwas unternimmt", erzählt sie.

Volle Konzentration

Doch die Bundesliga fordert auch viel. Vor allem Konzentration. "Da wird auch richtig angefeuert, mit Trommeln und so", erzählt sie "Aber wenn ich schieße, dann interessiert mich das nicht. Nur mein Gewehr, meine Kugel, mein Ziel, mein Abzug. Da kann ein Kindergarten rein kommen, das ist mir egal."

Das ist es auch, was sie am Schieß-sport so begeistert: "Es ist schon toll, dass man seinen Körper dazu bringen kann, sich nur auf eine Sache zu fokussieren." Natürlich sorgen auch die Erfolge für den nötigen Kick. So wie 2017 im slowenischen Maribor. Dort wurde sie zweifache Mannschafts-Europameisterin Luftgewehr und Luftgewehr Mixed.

Auch mit dem Kleinkaliber-Gewehr lief es gut: zwei Silber- und drei Bronzemedaillen brachte sie von den Bayerischen Meisterschaften mit nach Schutzendorf. Doch das Highlight war natürlich die Europameisterschaft, "und die haben wir, glaube ich, ziemlich gerockt. Ich kann sehr zufrieden sein", sagt sie.

Und 2018? Nun, sie will, wie oben geschrieben, natürlich bei der WM dabei sein. Außerdem biegt die Bundesliga-Saison auf die Zielgerade ein. Auch da möchte die 19-Jährige gerne noch etwas reißen. 

VIOLA BERNLOCHER

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