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Stehende Ovationen für Grzega

EHP-Leiter hielt seine letzte Veranstaltung - 19.04.2016 17:00 Uhr

Zog eine positive Bilanz für die gut dreijährige Arbeit im EHP: Professor Dr. Joachim  Grzega bei seiner letzten Veranstaltung im Europäischen Haus in Pappenheim.

Zog eine positive Bilanz für die gut dreijährige Arbeit im EHP: Professor Dr. Joachim  Grzega bei seiner letzten Veranstaltung im Europäischen Haus in Pappenheim. © Robert Renner


Wie mehrfach berichtet, hat der Pappenheimer Stadtrat nach kommunalpolitischen Streitigkeiten vor wenigen Wochen überraschend das Aus für das EHP beschlossen. Überraschend, weil die bisherigen Leistungen der Einrichtung und ihres Leiters vielfach anerkannt wurden  und eine finanzielle Unterstützung über eine knappe halbe Million Euro für die nächsten drei Jahre gesichert war.

Bevor Grzega in das Thema des Abends einstieg, zog er kurz Bilanz für die weit über 100 Veranstaltungen im EHP. Das Europäische Haus habe stets „Hilfe für Menschen“ angeboten, da­mit diese Europa sowohl kulturell als auch ökonomisch besser verstehen könnten. Grzega zufolge braucht es Bildungseinrichtungen für eine neue Art der Aufklärung – echt europäisch, auf der Grundlage von komplexer
wissenschaftlicher Beobachtung, aber allgemein verständlich formuliert, manchmal mit einer Prise Humor.

Er betonte die zentrale Rolle seiner Sprachlehrkonzepte, die sich auch die Pappenheimer Bürger vorwiegend gewünscht hatten: Er erinnerte an den 91-jährigen Teilnehmer in seinem Basic-Global-English-Kurs, den SprachFitnessStudio-Teilnehmer aus Flensburg, die vielen zufriedenen Teilnehmer seiner Sprach-Not-Arzt-Angebote. Mit diesem hatte er sogar den Sprung ins bayerische Fernsehen geschafft.

Grzega erinnerte aber auch an Einladungen in alle Regierungsbezirke Bayerns und etliche Orte darüber hi­naus: Magdeburg, Lüneburg, Saarbrücken, Stuttgart und Innsbruck. Ferner zeigte er auf, dass er stets im Sinne der gesamten Stadt dachte und Seminare und Tagungen so plante, dass auch die Innenstadt mit Gästen belebt wurde, auch außerhalb der touristischen Hauptsaison. Weitere Tagungen, auch internationalen Zuschnitts, seien bereits geplant gewesen.

Der Professor dankte außerdem seinen Mitarbeiterinnen Wilma Vogel und Dr. Bea Klüsener sowie einigen Vereinen. Alle, die beim Aufbau des EHP mitgearbeitet hätten, könnten auf das Erreichte stolz sein. Im Gegenzug bedankten sich Renate Prusakow vom Heimat- und Geschichtsverein sowie Martin Stehr und Ludwig Schütz vom Städtepartnerschaftsverein bei Joachim Grzega für die gute Kooperation und zeigten sich über das Ende des EHP-Betriebs tief betroffen.

Am Ende sichtlich bewegt blickte  Bürgermeister Uwe Sinn auf die Zeit mit Grzega zurück. Der Sprachwissenschaftler habe stets alle Vorgaben des Stadtrats übertroffen, bei inhaltlichen Herausforderungen schnell Lösungen geboten und außerdem zahlreiche international bekannte und hochkarätige Persönlichkeiten nach Pappenheim gebracht. All dies habe zur Aufwertung Pappenheims und zu einer überregional positiven Werbung für die Stadt beigetragen. Der Bürgermeister: „Für Pappenheim war das sicher ein Imagegewinn.“

Sinn dankte dem scheidenden EHP-Leiter für sein dreieinhalbjähriges Wirken in Pappenheim und fügte an: „Ich werde ihn nur sehr ungern gehen lassen.“ Manch einer im Saal hatte da eine Träne im Auge, und das Publikum dankte Grzega mit stehendem Applaus für dessen Leistung. Der wahrte trotz der wehmütigen Stimmung seinen Humor und lud ein, mit ihm in Kontakt zu bleiben.

Abschließend präsentierte er seine jüngste musikalische Komposition. Sie vereint die Wendung „in Frieden“ in verschiedenen europäischen Sprachen. Am Ende sang das Publikum mit. Zuvor hatte sich der Joachim Grze­ga mit Studentinnen der Universität Eichstätt-Ingolstadt anhand von deutschen, französischen, spanischen, polnischen und britischen Zeitungsüberschriften der manipulativen Kraft von Sprache gewidmet. Dazu waren drei Stationen sowie das Eurolingua-Museum aufgebaut, die die Besucher in verschiedenen Gruppen durchliefen. Jede Studentin stellte dabei nicht nur ihre Ergebnisse zu dem jeweiligen Themenfeld vor, „sondern animierte das Publikum auch zum Mitdenken“, heißt es in einem EHP-Pressetext.

Anne Würth demonstrierte die Benennungen verschiedener Regierungschefs: Merkel, Obama, Cameron, Hollande, Tsipras, Assad und Putin. Dabei falle etwa auf, dass Putin am seltens­ten mit Vornamen genannt werde. Da Vornamen eine gewisse Nähe und positive Emotion vermittelten, könne ein Grund darin liegen, dass man keine Sympathie aufkommen lassen wolle. Dazu passe auch, dass er unter den analysierten Personen der Einzige sei, bei dem man eindeutig negative Wertungen finde, wie „der böse Putin“.

Ungleiche Vermögensverteilung

Agnes Giglberger hatte verschiede­ne Ausdrücke ungleicher Vermögensverteilung untersucht. Bei geringeren Unterschieden in der Vermögensverteilung eines Staates dominierten die weniger scharf klingenden Begriffe „Ungleichheit“ und „Gleichheit“. Ist die Schere größer, überragten die emotionaleren Begriffe „Armut“ und „Reichtum“, auch wenn diese eigentlich einseitig seien und vergessen ließen, dass Armut nur die Kehrseite von Reichtum sei. Carolin Schlosser zeigte Wörter für verschiedene Gruppen von Zuwanderern auf. Grundsätzlich sei dabei von Vorteil, wenn man viele Arten von Zuwanderern unterscheide, weil dies auch eine differenziertere Sichtweise ermögliche. Allerdings könne das auch zu wertenden führen.

Wenn zum Beispiel der Worttyp „Migrant“ nur mit osteuropäischen Herkunftsstaaten, aber nicht mit westeuropäischen verknüpft werde, werde der Begriff negativ mit Armut verknüpft. Die Genfer Flüchtlingskonvention regele den Begriff „Flüchtling“, schließe aber nicht ein, wenn jemand vor dem Hungertod flie­he. Dadurch könne das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ den Eindruck vermitteln, dass die Flucht unberechtigt sei. 

Robert Renner

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