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Schau über junge Afghanen: Angst, der Nächste zu sein

Thema durch versuchte Abschiebung an Berufsschule unerwartet aktuell - 09.06.2017 09:13 Uhr

„Ich habe Angst!“ und „In meinem Land ist Krieg“: Deutliche Aussagen junger Afghanen, die in der Ausstellung im Südpunkt zu sehen sind. © Fotos: Jasmin Szabo


Fünf Flugzeuge mit abgeschobenen Flüchtlingen sind seit 2016 von Deutschland nach Afghanistan gestartet. Das sechste wurde an dem Tag gestoppt, an dem Asef N. von der Polizei aus seiner Nürnberger Berufsschule abgeholt wurde und es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam. Asef N. hätte mitfliegen sollen, doch nach dem Bombenanschlag in Kabul wurde die Aktion vorläufig gestoppt.

Ahmadi R. und seine afghanischen Klassenkameraden zählen diese Flugzeuge genau. Und irgendwie zählen sie auch die Tage in Sicherheit. "Ich habe Angst!", ein Schild mit diesem Satz hält sich der 18-Jährige auf einem Bild in der Ausstellung vors Gesicht. "In meinem Land ist Krieg", dieses Zitat verdeckt das Gesicht eines anderen jungen Afghanen.

"Eine sehr gute Idee"

Viele ähnliche Schwarz-Weiß-Fotos gehören zu einer berührenden Ausstellung, die im Stadtteilzentrum Südpunkt etwas versteckt in den Fluren der zweiten Etage hängen. Doch für die betroffenen Jungs, die zur Eröffnung gekommen sind, ist sie trotzdem ein Erfolg. "Eine sehr gute Idee, die Leute erfahren dadurch von uns", sagt auch Ahmadi R. Seit 2016 der Vertrag mit dem beschönigenden Namen "Rückführungsabkommen" mit Afghanistan geschlossen worden ist, kommen die jungen Geflüchteten nicht mehr zur Ruhe. Wer von ihnen wird der Nächste sein?

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Abschiebung: Tumulte bei Polizeieinsatz vor Berufsschule

Am Mittwochmorgen führte die Polizei einen jungen Schüler aus der Nürnberger Berufsschule am Stadtpark. Der 21-jährige Afghane sollte in sein Heimatland abgeschoben werden. Doch die Situation eskalierte.


"Wenn ich zurück nach Afghanistan gehen würde, ich sterbe", hat einer mit ungelenker Handschrift in einen der kurzen Lebensläufe geschrieben, die unter jedem Foto hängen. Er sei nicht nach Deutschland gekommen, um Urlaub zu machen, schreibt ein anderer. Afghanistan sei gefährlich. Lebensgefährlich.

Vor ein paar Monaten haben sie sich zusammengetan, der Migrantenhilfsverein Mimikri hat die Jugendlichen unter seine Fittiche genommen. Die monatlichen Treffen sind für sie, die sich zum Teil seit Jahren ohne Eltern und Familie durchschlagen müssen, eine Art Selbsthilfegruppe. Nicht allein sein mit der Angst, nicht schweigen und wegschauen, hoffen auf eine Zukunft, das sei ihr Ziel, heißt es.

Ahmadi spricht längst gut Deutsch

Der schlaksige Ahmadi R. spricht längst gut Deutsch, macht gerade seinen Quali und hat einen Ausbildungsvertrag mit einem Malerbetrieb unterschrieben.

Die Frau am Auslöser: Jasmin Szabo. © Foto: Stefan Hippel


Doch jetzt geht es ihm wie vielen aus diesem angeblich so sicheren Herkunftsland, die in Bayern gestrandet sind. Eine Arbeitserlaubnis ist nicht in Sicht.

Er soll einen afghanischen Pass beibringen. Ein Ding der Unmöglichkeit, sagt der Berufsschüler ratlos. Er ist im Iran aufgewachsen, wohin seine Familie geflohen war. Wie soll er in Kabul zu dem verlangten Dokument kommen, fragt er sich. "Ich war nie dort."

Die Fotos der Ausstellung hat Jasmin Szabo fotografiert, die in St. Johannis ein Fotostudio hat. Sie hat sonst Ehepaare und knuddelige Babys vor der Linse. Warum jetzt junge Afghanen? Sie habe einfach etwas Gutes tun wollen, sagt Szabo.

Die Ausstellung ist bis zum 22. Juni im Südpunkt und ab 23. Juni im Haus Eckstein zu sehen. 

CLAUDINE STAUBER

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