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Seltsame Kreaturen

Neue Doppelausstellung in der Slow Art Galerie - 31.05.2017 19:58 Uhr

„Automobilistin“, ein Gemälde von Stephan Widera. © Fotos: Galerie


„Tourist und Hai“: Joost Meyers Thema ist das Verhältnis von Mensch und Tier.


Humor ist bekanntlich die Fähigkeit, Widersinniges, Groteskes im scheinbar Normalen, Alltäglichen zu erkennen. Das menschliche Verhältnis zur Tierwelt ist nach Meinung des aus Münster stammenden Bildhauers Joost Meyer in vielerlei Hinsicht grotesk und widersinnig. Meyers in Nürnberg ausgestellte Skulpturen und Objekte zeigen auf subtile, hintersinnige Art, wie gewaltsam die Tiere seit jeher der menschlichen Leitkultur angepasst werden.

Kreaturen, die sich nicht oder nur schwer domestizieren, vermenschlichen und verniedlichen lassen, werden gnadenlos gejagt. Manche Teile von ihnen landen im Kochtopf, andere Teile schmücken als Präparate bürgerliche Wohnzimmer. Sogenannte Jagdtrophäen bilden daher das zentrale Thema des bildnerischen Schaffens von Joost Meyer.

So zeigen seine Objekte, wie sich abgeschnittene Tierköpfe in exquisite Dekorationsgegenstände verwandeln lassen. Zu diesem Zweck montierte Meyer zum Beispiel die künstlerisch nachgebildeten Häupter von Hirsch, Kaninchen, Walross, Nilpferd oder Steinbock auf Tafeln, die mit grell gemusterten Tapeten beklebt sind – "Viechertapeten".

Die raffinierte Vermischung von Sinn und Unsinn in einer von Technik und Konsum beherrschten Welt reflektieren die Gemälde und Collagen des Düsseldorfer Künstlers Stephan Widera. Er präsentiert seltsam technoide Charakterköpfe, die witzigerweise keinerlei Charakter in Sinn von menschlicher Individualität repräsentieren. Dazu kommen die fast wissenschaftlich anmutenden Abbildungen von Raub-Fischen, die zu Schneide- und Kneif-Werkzeugen mutiert sind.

Fantasievoll-absurde Szenen baut Widera auch aus Teilen historischer Produktwerbung. Durch die Technik der künstlerischen Verfremdung wird der manipulative Charakter der Propaganda für Waschmittel X und Schmerztablette Y erkennbar. Wer alles kauft und eifrig nutzt, wird angeblich nicht nur mit Sauberkeit und Wohlbefinden, sondern auch mit einem "reinen Gewissen" und mit der Kittung "zerrütteter Verhältnisse" belohnt.

Slow Art-Galerie, Weinmarkt 12: Joost Meyer/Stephan Widera. Bis 1. Juli. Mi.-Sa. 13–19 Uhr. Das Ladenatelier Atzenhofer in der Weißgerbergasse 22 ist Do.–Sa. 13–18 Uhr geöffnet.  

BERND ZACHOW

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