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2:2 gegen Würzburg! Hovland kanalisiert die Club-Wut

Leidenschaftlicher FCN erkämpft sich gegen die Kickers ein Remis - 18.11.2016 20:22 Uhr

Der geht rein! Der aufgerückte Even Hovland rettete dem FCN gegen Würzburg einen Punkt. © Sportfoto Zink / DaMa


Am Freitagabend zum Fußball zu gehen, kann eine gute Idee sein, auch die zweite Liga hat ja ihre Reize, wenn auch nicht immer für Ästheten. Aber mit den Würzburger Kickers war ein überraschend starker Aufsteiger zu Gast bei einem 1. FC Nürnberg, der sein (potenzielles) Publikum seit Wochen ebenfalls charmant umwirbt – die jüngste Siegserie lockte 37.673 Zuschauer ins Nürnberger Stadionachteck, was einen schönen Saisonrekord bedeutete, im richtigen Frankenderby gegen Fürth waren gut 5000 weniger gekommen.

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2:2 gegen die Kickers: Burgstaller top, nur Leibold lobt keiner

Der Franken-Kick gegen Würzburg brachte alles mit, was ein ordentliches Fußballspiel braucht: Auf Burgis Führungstor folgte ein fulminanter Doppelschlag der Gäste. Am Ende sorgte ein Last-Minute-Spektakel für die Punkteteilung. Auf Club-Seite rückte dabei vor allem ein Jungspund in den Vordergrund.


Damals, vor zwei Monaten, verlor Nürnberg im eigenen Stadion gegen die lieben Nachbarn aus Fürth mit 1:2, nun gegen die Kickers, im kleinen Frankenderby, hieß es am Ende 2:2 (1:0); der großen Enttäuschung im großen Derby folgte im kleinen immerhin die Fortsetzung einer Serie – dank Even Hovlands spätem Ausgleichstor in der 89. Minute ist Nürnberg seit nun sieben Spielen unbesiegt, die Spitzengruppe der Liga bleibt in Sichtweite – nach einem 45 Minuten lang zähen, dann intensiven Spiel, das zwar für Ästheten ebenfalls wenig tauglich, aber am Ende immerhin unterhaltsam und sogar ein bisschen spektakulär war.

Unterfranken da, Unterhaltung Fehlanzeige

Immerhin 38 Jahre lang hatte es diese zuletzt in Nürnbergs Aufstiegsjahr 1978 ausgetragene Begegnung nicht mehr gegeben, der Absturz der Würzburger bis hinunter in die Siebtklasssigkeit war ähnlich fulminant ausgefallen wie jetzt ihre Rückkehr – am Freitag indes sah es zunächst so aus, als würde das Warten einfach noch andauern. Das Warten auf Fußball zwischen Nürnberg und Würzburg. Zwar rollte natürlich der Ball, ein richtiges Fußballspiel sah man aber eher nicht, jedenfalls nicht, wenn man sich von einem Fußballspiel Unterhaltung erwartet oder vielleicht ein paar nette, idealerweise von Torgelegenheiten veredelte Spielzüge.

Stattdessen sah man zunächst, was die zweite Liga mitunter ein wenig verdächtig macht – zwar Einsatz und williges Bemühen, aber wenig Ideen, manch gut Gemeintes verlief im Nichts. Lauf- und Zweikampfstärke hatte Nürnberg Trainer Alois Schwartz den Kickers vorab attestiert, warum, das führten sie vor.

Die Würzburger überließen den Gastgebern den aktiveren Part, konnten sich aber erstens auf ihre Einsatzfreude in sehr kompakter Ordnung verlassen und profitierten davon, dass Nürnberg kaum taugliche Mittel im Spielaufbau fand. Dem Bemühen fehlte die Präzision, es mit weiten oder hohen Bällen in die Spitze zu versuchen, war auch nicht die beste Idee, Kickers-Torwart Robert Wulnikowski sah die erste richtige Torchance dann sogar aus der Ferne, gegenüber seines Strafraums.

Daghfous probiert's, Kirschbaum pariert

Nejmeddin Daghfous, der Nürnbergs Keeper Thorsten Kirschbaum schon einen ersten kleinen Einsatz beschert hatte, versuchte es aus rund 22 Metern, Kirschbaum musste sich gewaltig strecken, um einen Rückstand zu verhindern (26.) - die erste Torchance blieb auch die letzte bis kurz vor Schluss einer Halbzeit, in der sich die vielen Zuschauer hätten fragen können, ob es tatsächlich eine so gute Idee war, am Freitagabend zum Fußball zu gehen.

Natürlich Burgstaller! Nürnebrgs Torgarant hatte den Club kurz vor der Pause in Front gebracht. Doch in Hälfte zwei wendete sich das Blatt. © Sportfoto Zink / WoZi


Aber wenn nichts mehr geht beim 1.FC Nürnberg, geht Guido Burgstaller – und wie, wieder einmal. Der Östereicher – in die Sturmspitze zurückgekehrt, weil Tim Leibold auf links übernehmen konnte – erkämpfte sich die Kugel am Strafraum und gab sie nicht mehr her, sein unwiderstehlicher Sololauf bedeutete, von halblinks aus kurzer Distanz, das nicht mehr erwartete Führungstor (45.) für Nürnberg.

Und dann der Dopppelschlag

Nach 38 Jahren und 44 Minuten war es wieder ein temperamentvolles Fußballspiel; einfacher als zuvor Burgstaller hätte es kurz nach der Pause Kevin Möhwald gehabt, nach einem Doppelpass-Manöver zwischen Leibold und Even Hovland kam er aus günstiger Position ins Spiel, brachte den Ball aber nicht an Wulnikowski vorbei – ein Versäumnis mit Folgen, denn die Kickers führten ihren erprobten Widerstandsgeist gerne vor. Nach David Pisots Freistoß übernahm Elia Soriano, sein von Lukas Mühl noch abgefälschter und damit unhaltbarer Schuss erwischte Kirschbaum kalt – und dem 1:1 (54.) folgte prompt die nächste Panne, als Hovland gegen den eingewechselten Würzburger Valdet Rama im falschen Moment das Bein hob.

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Große Moral im kleinen Frankenderby: Hovland belohnt den FCN

Im Lokalvergleich gegen Fürth hatte der FCN in dieser Saison bereits den Kürzeren gezogen. Und auch im kleinen Frankenderby - im Duell mit den Würzburger Kickers - schien es kurz vor Schluss so, als ob der Club das Nachsehen haben würde. Doch das Schwartz-Team stemmte sich gegen die Niederlage. Und blieb dank einer Energieleistung auch im siebten Liga-Spiel in Folge ungeschlagen!


Der Elfmeterpfiff war bei genauem Hinsehen vertretbar, der auch sonst sehr präsente Pisot kümmerte diese Frage ohnehin nicht – er vollendete sicher zum 1:2 (56.); Trainer Schwartz reagierte mit der Einwechslung der Offensivkräfte Edgar Salli und Cedric Teuchert, der Club, durch die fatalen zwei Minuten erst recht in die Rolle des Spielgestalter gedrängt, mühte sich nach Kräften, die auch auszufüllen.

Aber Teuchert scheiterte an Wulnikowski, Tobias Kempe zielte aus 16 Metern minimal zu hoch, und die Kickers verteidigten ihren unverhofften Vorsprung mit beeindruckender Zähigkeit – wobei sie davon profitierten, das Entschlossenheit und Zielstrebigkeit der Nürnberger etwas im Missverhältnis standen.

Freistoß, Hovland, Tor!

Turbulent geriet die Schlussphase, als erst Burgstaller die Latte traf und Sebastian Neumann Kempes Nachschuss von der Linie kratzte – ehe Hovland die Sache doch noch regelte, der Norweger traf kurz vor Schluss per Kopf nach Kevin Möhwalds Freitoß zum sehr verdienten 2:2 – gegangen war keiner, die Rekordkulisse verabschiedete ihr Team mit Beifall. Zum Fußball zu gehen, war keine schlechte Idee.

+++ Der Live-Ticker zum Nachlesen +++

1. FC Nürnberg: Kirschbaum - Brecko, Hovland, Mühl, Sepsi (88. Gislason) - Petrak, Behrens (62. Teuchert) - Kempe, Möhwald, Leibold (62. Salli) - Burgstaller

Würzburger Kickers: Wulnikowski - Pisot, Neumann, Junior Diaz - Schröck - Traut (76. Schoppenhauer), Taffertshofer, Benatelli (46. Rama, 63. Karsanidis), Kurzweg - Soriano, Daghfous

Tore: 1:0 Burgstaller (45.) , 1:1 Soriano (54.), 1:2 Pisot (Foulelfmeter, 56.), 2:2 Hovland (89.) | Gelbe Karten:  Hovland, Brecko, Petrak - Benatelli, Traut, Kurzweg  | Schiedsrichter: Gerach (Landau) | Zuschauer: 37.673. 

Hans Böller

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