Dienstag, 20.11.2018

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Alpha-Co-Trainer Schommers prägt den FCN

Gebürtiger Leverkusener arbeitet am Club-Aufschwung mit - 11.01.2018 12:59 Uhr

Wichtiger Ansprechpartner: Auch Eduard Löwen profitiert von der Arbeit von Boris Schommers. © Sportfoto Zink/ DaMa


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Dankbarkeit für einen Interviewtermin während der Mittagspause ist eher selten. Die Fußballer liegen da normalerweise faul auf ihren Betten herum, um zu regenerieren, die Trainer bereiten die nächste Einheit vor oder werten die vergangene aus. Boris Schommers nimmt sich trotzdem fast eine halbe Stunde Zeit. Und lernt so immerhin mal den südlichsten Sektor des Mannschaftshotels kennen. "Auf dieser Terrasse", sagt er am dritten Tag des Trainingslagers und schaut dabei in die Sonne, "war ich noch nie."

Normalerweise hält er sich in Spanien in improvisierten Büros auf oder dem Fußballplatz. Den Assistenten von Michael Köllner dürfte man wie seinen nominell Vorgesetzten durchaus als Workaholic bezeichnen, wenn der Begriff nicht auch negativ besetzt wäre. Richtige Workaholics ächzen irgendwann unter ihren beruflichen Verpflichtungen. Boris Schommers hingegen lebt und liebt seine Aufgaben beim 1. FC Nürnberg.

In guter Tradition

Seit dem Sommer ist er der Co-Trainer, nachdem er zuvor noch sein eigener Chef war. Elf Jahre hat der gebürtige Leverkusener im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln gewirkt; mit der U 17 ist er 2011 Deutscher Meister geworden, in der U 19 veredelte er diverse Talente wie Timo Horn, Yannick Gerhardt oder Mitchell Weiser und führte sie dem Bundesligaaufgebot zu. "Ich wollte den Besten, den ich kriegen konnte", sagt Michael Köllner über seinen Kollegen, der viel mehr ist als ein Hütchenaufsteller oder Erfüllungsgehilfe, "Boris könnte auch eine Profi-Mannschaft trainieren, da bin ich mir sicher."

Das macht der Boris ja eigentlich auch schon. Beim Club ist er unter anderem für die Defensive zuständig, für die Standards, für Video-Analysen des nächsten Gegners und der eigenen Spieler. Überhaupt hatte der 1. FC Nürnberg in letzter Zeit häufig ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Co-Trainer. Peter Hermann, einst Souffleur von Michael Oenning, ist jetzt bereits zum zweiten Mal beim FC Bayern beschäftigt, Armin Reutershahn in Frankfurt, Dirk Bremser weicht Dieter Hecking nicht von der Seite.

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Während viele seiner Vorgänger mit ihrem Platz in der zweiten Reihe zufrieden waren, drängt Boris Schommers mittelfristig in die erste. Seine Ansprache kommt gut an, weil er sich auf das Wesentliche konzentriert. Wenn die Neun den direkten Passweg der beiden IV durchtrennt, muss sich die Sechs fallen lassen und der AV einrücken. Und so weiter. So ungefähr hört es sich an, wenn Boris Schommers die Regie führt. "Unser Ziel ist es, die Jungs weiterzubringen", sagt Schommers, "wir sind nicht am Optimum, da ist noch Potenzial."

Selbst kleinste Kleinigkeiten fallen ihm auf. Und das Beste daran: Er darf es auch gleich direkt ansprechen. Im Training, während der Spiele. "Wir haben was vor mit dieser Mannschaft", sagt Schommers, der seit 2015 ebenfalls ein DFB-geprüfter Fußballlehrer ist. Damals lernte er bereits Daniel Wimmer kennen, den Trainer der Nürnberger U 19, auch Torsten Frings oder Florian Kohfeldt, den Kursbesten, der seit ein paar Wochen für Werder Bremen verantwortlich ist. Auch Boris Schommers schloss mit einer Eins vor dem Komma ab.

Eine deutliche Handschrift

Wenn man ihn so reden hört über Fußball und seine Visionen und den 1. FC Nürnberg, wird von Minute zu Minute die Überzeugung der Zuhörer größer, dass der Club zeitnah aufsteigt. "Ich finde, dass die Mannschaft seit Monaten eine Handschrift trägt", sagt Schommers, natürlich auch seine, der sie in Köln nicht zutrauten, auch den Profikader zu prägen.

Also trennten sich die Wege, weil es sich der bald 39-Jährige sehr wohl zutraut. Und ja auch schon einiges auf dem Zettel stehen hat. Dass mit Stefan Ruthenbeck sein Nachfolger in Köln mittlerweile das Bundesliga-Aufgebot betreut, lässt ihn kalt, auch von einer möglicherweise verpassten Gelegenheit, oben Fuß zu fassen, möchte er nicht sprechen. C'est la vie.

Sportökonomie und -management hat der Familienvater in Köln studiert, ehe er sich beim Effzeh voll auf den Fußball konzentrierte. Sein Berufsleben scheint er in Etappen eingeteilt zu haben, Nürnberg ist die nächste. Für den Verein ist er, wenn es sein muss, Tag und Nacht da. "Ich investiere sehr viel in meinen Job, weil es meine Leidenschaft ist", sagt Schommers, er lächelt, schaut hinüber auf den Golfplatz. "So ein Job ist auch ein Privileg."

Glücklicher Köllner

Der Cheftrainer 1b weiß zu schätzen, was er am Club hat. Von allen Seiten wird ihm Vertrauen entgegengebracht, auch Köllner ist froh, ihn bei sich zu haben, obwohl er Schommers vorher nicht kannte. Schon in ihrem ersten Gespräch hätten die beiden gemerkt, dass sie sich ausgesprochen ähnlich sind, erzählt Schommers, dass ihre Philosophien weitestgehend übereinstimmen. Auch wenn da zwei Alpha-Tiere aufeinanderprallen. "Entscheidend ist, dass die Rollen, dass die Aufgabengebiete abgesteckt sind", sagt Köllner. "Das letzte Wort habe aber ich."

"Ich fühle mich hundertprozentig wohl", sagt sein Assistent auf der Terrasse – die er wahrscheinlich nicht mehr oft sehen wird während des Trainingslagers.

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Wolfgang Laaß

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