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Asamoah: „Man muss aufstehen und sagen: Mit uns nicht!“

Ex-Kleeblatt-Stürmer über Rassismus in Gesellschaft und im Fußball - 11.09.2015 16:00 Uhr

Immer voll bei der Sache: Der Ex-Fürther Gerald Asamoah gibt nicht nur auf dem Platz alles, sondern auch, wenn er sich gegen Rassismus einsetzt.

Immer voll bei der Sache: Der Ex-Fürther Gerald Asamoah gibt nicht nur auf dem Platz alles, sondern auch, wenn er sich gegen Rassismus einsetzt. © Foto: Zink/JüRa


Herr Asamoah, Sie haben sich in den vergangenen Tagen aktiv in die Flüchtlingsdebatte eingeschaltet. Weshalb?

Gerald Asamoah: Wie ich es in dem Video „Stehtauf“ gesagt habe, berührt mich der Umgang mit Flüchtlingen sehr. Im Jahr 2015 werden in Deutschland Unterkünfte angezündet, Menschen bedroht, die unsere Hilfe suchen. Das muss man sich mal vorstellen. Das kann einfach nicht sein. Ich bin selbst früh mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert worden und weiß, wie sich das anfühlt. Deshalb haben der FC Schalke 04 und ich uns entschieden, ein sichtbares Zeichen zu setzen. Nur bei Worten soll es nicht bleiben. Durch die Initiative „Kumpelkiste“ etwa werden auch Flüchtlinge unmittelbar unterstützt.

Es reicht nicht, betroffen zuzusehen, sagen Sie in diesem Video, Sie fordern, die Menschen sollen aufstehen für Zivilcourage.

Asamoah: Weil nur so etwas erreicht werden kann. Man muss aufstehen, klar sagen und zeigen: Mit uns nicht, wir dulden keinen Rassismus in unserer Gesellschaft.

Sie selbst haben Rassismus erleben müssen, wie wichtig ist es da, dass andere Menschen für einen selbst aufstehen?

Asamoah: Es ist natürlich immer wichtig, dass andere hinter einem stehen und einem das Gefühl geben, dass sie dich voll unterstützen.

Meist geht es um den Profifußball; Spieler, Funktionäre, Trainer haben eine Vorbildfunktion. Ist deshalb die Rassismusdebatte im Amateurfußball nicht so wichtig, weil hier die Leuchtkraft fehlt?

Asamoah: Wir sprechen im Rahmen der Rassismusdebatte ja von Zivilcourage und dabei ist es egal, ob man sich im Profi- oder Amateurbereich bewegt. Wichtig ist es, seine Meinung zu äußern.

Man lernt aber vor allem dort den Fußballplatz oft als einen Ort kennen, an dem Rassismus vermehrt auftritt – und sei es in Emotionen, die Spieler danach wieder bedauern. Lässt sich Rassismus entschuldigen?

Asamoah: Rassismus lässt sich nicht entschuldigen. Natürlich sagt jeder mal aus der Emotion heraus Dinge, die er im Grunde gar nicht so meint. Wichtig ist dann nur, dass im Nachhinein eine Einsicht erfolgt. Wenn man nachher glaubwürdig sagt: „Ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir leid“, dann kann ein Vorfall vergessen werden. Aber man sollte schon differenzieren, bewerten, um welche Wortwahl es ging. Gewisse Dinge sollte man von vorneherein vermeiden.

Der FC Ostelbien Dornburg wurde vom Landessportverband Sachsen-Anhalt in den vergangenen Tagen ausgeschlossen, Rechtsextreme spielen dort Kreisligafußball, nutzen den Platz aber auch, um Migranten und Ausländer tätlich unter dem Deckmantel des sportlichen Zweikampfs körperlich anzugreifen. Schiedsrichter wollten den Verein zuletzt nicht mehr pfeifen, Mannschaften nicht mehr gegen ihn spielen. Ist der Ausschluss des Vereins der richtige Weg, sich damit auseinanderzusetzen?

Asamoah: Ich kenne keine detaillierten Zitate, da es hierbei aber um tätliche Auseinandersetzungen und nicht nur um das Kundgeben der eigenen Meinung zu gehen scheint, finde ich diese Maßnahme völlig okay, um ein Zeichen zu setzen.

Noch mal zurück zur Flüchtlingsproblematik – hat hier der Fußball, speziell der Amateurfußball, eine besondere Aufgabe, weil man ihm große Integrationskraft nachsagt?

Asamoah: Fußball besitzt absoluten Vorbildcharakter. Wenn man sich überlegt, mit wie vielen unterschiedlichen Nationen man gemeinsam in der Kabine sitzt, ist es schon beeindruckend, wie sehr der Fußball verbindet: Man hat ein gemeinsames Ziel, nämlich den gemeinsamen Erfolg. Und das verbindet.

  

Interview: CHRISTOPH BENESCH

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