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Club-Handball: Die große "Fischi" sagt leise Servus

Meister-Expertin Christina Rohde beendet ihre imposante Karriere - 12.09.2013 21:30 Uhr

2008 feierte Christina Rohde (re., hier mit Jana Krause) die letzte von drei Meisterschaften mit dem 1. FC Nürnberg. © Zink


Urlaub auf Gran Canaria im Bikini am Strand statt Saisonvorbereitung im Club-Dress mit Ausdauerläufen im Reichswald und Trainingseinheiten in der Halle am Valznerweiher: Christina Rohde hat einen Schlussstrich gezogen bei den Handballfrauen des 1. FC Nürnberg 09. Mit „Fischi“, wie die 31-Jährige wegen ihrer Geburtsstadt Lübeck genannt wird, hat die letzte Spielerin aus der Bundesliga-Ära des Clubs, die sich nach dem Aus des Profihandballs und dem Neubeginn auch in der Bayernliga zur Verfügung stellte, ihre Karriere beendet.

Eine Karriere übrigens, von der die Linkshänderin, die mit sieben Jahren mit Handball angefangen hatte, nicht zu träumen gewagt hätte. Ihre Fähigkeiten wurden schnell erkannt, mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit arbeitete sie sich nach oben. 2003 kam sie vom Bundesliga-Absteiger Eintracht Minden nach Nürnberg, eine Entscheidung, die sie nie bereut hat, auch wenn es in dem mit Klassespielerinnen gespickten Kader nicht leicht war, Fuß zu fassen.

Szenen einer Handball-Karriere: Eine traurige Christina Rohde mit gerissener Achillessehne, eine kämpfende Christina Rohde in der Champions League, eine Leitwölfin Christina Rohde in der Bayernliga (v.li.).


Aber sie war dabei, hatte ihren Anteil daran, als der 1. FC Nürnberg 2005, 2007 und 2008 deutscher Meister wurde, 2004 und 2005 den deutschen Pokal gewann und 2004 den EHF Challenge Cup, bestritt 2008 im Vorfeld der Olympischen Spiele 14 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, der Sprung in den Kader für Peking klappte jedoch nicht. Wenige Monate später nach der Insolvenz des Clubs („Das war ein Schock, für mich das schlimmste Erlebnis im Handball“) wagte sie den Schritt ins Ausland; erfolgreich, denn auf Anhieb wurde sie 2010 mit Itxako Estella spanische Meisterin.

„Eine schöne Erfahrung, ein ganz anderes Leben mit der lockeren Lebenseinstellung“, nennt sie dieses Intermezzo auf der Iberischen Halbinsel. Sie hätte bleiben können, aber das Privatleben — sprich: der Lebensgefährte — war ihr wichtiger. Nach eineinhalb Jahren Abstinenz vom Handball gab sie dem Drängen von Corina Schardt nach, stieg als Co-Trainerin wieder ein beim Club. Und stand Anfang 2012, als Personalmangel herrschte, plötzlich wieder auf dem Spielfeld — nach nur einer Trainingseinheit. Leicht fiel die Rückkehr nicht, vor allem das Harzverbot in der Bayernliga machte den Ball zu einem ungewohnten Spielobjekt. Ganz hat sie sich nie an diese Umstellung gewöhnt, speziell die seit Jahren in Fleisch und Blut übergegangenen Wurfvarianten waren problematisch, auch wenn sie mit ihrer Erfahrung, ihrer Abwehrstärke und ihrer Wurfkraft schnell zum Dreh- und Angelpunkt der jungen Nürnberger Mannschaft geworden ist.

So war es auch nur scherzhaft gemeint, als sie das fehlende Harz für den Rücktritt anführte, „weil es da leichter fällt, den Ball loszulassen“. Die Beweggründe für das Karriereende nach der Saison 2012/13 sind primär privater und beruflicher Natur, „ein Zeitproblem eben“ für die Bürokauffrau im Familienbetrieb ihres Lebensgefährten, „da ändern sich die Prioritäten“. Dass es nicht mehr so viel Spaß gemacht hat, dass es im Umfeld nicht so richtig klappte — das war lediglich ein Nebensatz. Viel lieber hielt sie sich an die positiven Erinnerungen, „denn eigentlich war beim Club alles gut, war es eine unvergessliche Zeit und das nicht nur wegen der großartigen Erfolge“.

Auch die eineinhalb Spielzeiten in der Bayernliga nicht, ist sie doch mit all den jungen Spielerinnen „gut zurechtgekommen, trotz des Altersunterschiedes“, wie sie erzählt. Und der Grillabend zum Abschied hat das unterstrichen. Denn längst fühlt sie sich heimisch in der Region, ist sie ihr Lebensmittelpunkt geworden. Und so holten sich andere Vereine, darunter auch Drittligist Regensburg, glatte Absagen, als sich herumgesprochen hatte, dass sie den Club verlässt.

Ganz ohne Handball?

So ganz ohne Handball, geht das überhaupt? Fit halten wird sie sich auf jeden Fall, „das geht nicht anders nach all den Jahren“. Drei-, viermal pro Woche will sie schwimmen, Spaziergänge machen und Joggen gehen, schließlich will auch Labrador-Hündin „Paula“ bewegt werden. Und Handball? „Wenn’s passt, werde ich mir ab und an ein Heimspiel anschauen.“ Aller Voraussicht nach schon den Saisonstart mit dem Lokalderby gegen die HG Zirndorf am Samstag um 18 Uhr in der Halle am Valznerweiher. Nicht mehr mittendrin, sondern auf der Tribüne.
  

WIELAND PETER

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