Dienstag, 16.10.2018

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Die ersten Titel für die Nürnberg Ice Tigers

Ein Punkt gegen Hannover genügt zur Vorrunden-Meisterschaft, Benoit Laporte ist «Trainer des Jahres« - 03.03.2008

Jubel in letzter Minute: Rich Brennan (Nr. 9), Schütze des 3:3, wird von Brian Swanson (Nr. 22), Ahren Spylo (Nr. 18) und Petr Fical (Nr. 27) geherzt. © nordphoto


Laportes größter Verdienst ist, dass er diesem Klub und seinem Umfeld eine nicht geahnte Siegermentalität eingeimpft hat. In Nürnberg wird selbstbewusst vom Titel geredet. Alles andere wäre ob einer nahezu perfekten Vorrunde auch albern. In der Kabine sorgt Laporte derweil für die nötige Erdung. Auch nach Eishockey-Festen wie dem 8:3 gegen Berlin oder dem 7:3 gegen Mannheim war er nicht restlos zufrieden. «Für den Coach gibt es das perfekte Spiel nicht«, bringt es Mittelstürmer Shawn Carter auf den Punkt. «Das ist sein Antrieb.«

Ohne die nötige Sorgfalt

Entsprechend laut dürfte gestern die Ansprache in der zweiten Drittelpause ausgefallen sein. Gegen selten spektakuläre, aber stets solide Scorpions widmeten sich die Ice Tigers vor allem den kleinen Aufgaben nicht mit der nötigen Sorgfalt. Mondt wurde nicht konsequent am Schuss gehindert (14.); die unübersichtliche Situation vor dem 0:2 durch Schneider von Alan Letang und Uli Maurer wurde nicht konzentriert bereinigt (24.); und als Mitchell aus dem Gewühl den dritten Treffer erzielen durfte, wird er sich gewundert haben, warum ihn die beste Abwehr der Liga gewähren ließ.

Patrick Ehelechner, der Dimitrij Kotschnew wahrscheinlich ein letztes Mal vertreten durfte - am Freitag in Frankfurt soll der «Torhüter des Jahres« wieder aufs Eis zurückkehren – wurde es jedenfalls kaum langweilig. Hätte nicht Mondt kurz darauf das leere Tor verfehlt (37.), das Mitteldrittel wäre ebenso fatal ausgefallen wie zuvor gegen Hamburg und Berlin. Dass der junge Maurer auf der anderen Seite der auffälligste Stürmer war und der wie immer vorbildlich rackernde Colin Beardsmore im dritten Nachschuss den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer besorgt hatte (31.), war bezeichnend für den reichlich pomadigen Auftritt. Die Paradereihe um Brian Swanson? Zu umständlich. Torjäger Ahren Spylo? Gut versteckt. Und der «Trainer des Jahres«? Laporte würfelte die Formationen durcheinander - wie so oft.

Ausgleich in letzter Minute

Die Ice Tigers berannten das Tor der Scorpions. Allerdings zunächst plan- und konzeptlos, während die verbissen um die direkte Play-off-Qualifikation kämpfenden Scorpions clever verteidigten. Michel Périards Lattentreffer (55.) blieb die beste Chance, bis Petr Fical - bei doppelter Überzahl in aller Ruhe freigespielt - zum 2:3 traf (57.). Den Schlusspunkt unter eine hochemotionale Aufholjagd setzte dann Rich Brennan mit einem Schuss (60.), der mehr Schlenzer als Schlagschuss war. Noch nie zuvor wurde ein Punktgewinn gegen Hannover in der Arena lauter bejubelt. Der routinierte Verteidiger sicherte den Vorrundentitel und die Chance auf einen Platz in der Champions League, Stephane Robitaille den Scorpions per Penalty den Sieg. Eine seltene Niederlage, die dem «Trainer des Jahres« nichts ausgemacht hat.

Umso erregter zeigte sich Laporte nach dem letzten Penalty. Nachdem er allen Spielern per Handschlag gratuliert hatte, schickte er die Ice Tigers - trotz Niederlage - zu einer Ehrenrunde zurück aufs Eis. Die Ränge hatten sich allerdings längst geleert, was Laporte zunächst nicht verstehen konnte, sich aber später beruhigte. "Es wäre eine Belohnung für die Spieler gewesen. Aber es war wohl ein Kommunikationsproblem. Nach dem letzten Spiel in den Play-offs wird es hoffentlich anders sein." Noch eine Geschichte mehr für den Franko-Kanadier.

Nürnberg: Ehelechner; Brennan/Brown, Laflamme/Letang, Périard/Cespiva, Ondruschka - Barta/Fical/Polaczek, Spylo/Leeb/Keller, Savage/Swanson/Beardsmore, Maurer/Carter/Grygiel.

Tore: 0:1 Mondt (13:45/6-5), 0:2 Schneider (23:11), 1:2 Beardsmore (30:15), 1:3 Mitchell (35:13), 2:3 Fical (56:56/5-3), 3:3 Brennan (59:17/6-5), 3:4 Robitaille (Penalty).

Schiedsrichter: Reichert.

Zuschauer: 6010. – Strafminuten: 20 – 18. 

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