Mittwoch, 14.11.2018

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Es weihnachtet sehr in Roth

Lothar Leders vertragliche Bindung hat Signalwirkung — Neue Serie „Worlds Best“ - 29.11.2002

Damit aber noch nicht genug. Die Rother, die im vergangenen Jahr nach dem Verlust des Ironman-Prädikats um die Attraktivität ihrer Veranstaltung gefürchtet hatten, sind offenbar in Deutschland weiterhin die Top-Adresse im Triathlon. So hat Publikumsliebling Thomas Hellriegel seine Teilnahme ebenso vertraglich zugesichert wie seine Kollegen im Hilpoltsteiner Corpus Team Markus Forster und Stefan Holzner. Am Start ist am 6. Juli auch Andreas Niedrig (Dortmund) und - das ist die eigentliche Überraschung - Lothar Leder aus Darmstadt samt Ehefrau Nicole.

Leders Auftritt in Roth hat für den Challenge-Wettbewerb durchaus Signalwirkung, denn als Hesse und Olympia-Botschafter der Stadt Frankfurt galt sein Start beim Ironman in der Main-Metropole als sicher. Der findet 2003 bekanntlich eine Woche nach Roth statt, ein Doppelstart wie noch in diesem Jahr, als vier Wochen dazwischen lagen, ist nicht mehr möglich.

„Es ist mir ein bisschen unangenehm, so im Mittelpunkt des Interesses zweier Veranstaltungen zu stehen“, sagte Leder gestern. Obwohl sein „Herz am Ironman hängt“, hat er sich für den Challenge entschieden - aus Treue zum Sponsor, wie er es ausdrückt. Der heißt in Leders persönlichem Fall zum einen Deutsche Post und schickt auch Geld nach Roth; im anderen Fall bekommt der Triathlon-Star Bares von der Erdinger Weißbier-Brauerei. Die wiederum ist in eine neue Serie eingebunden, die im nächsten Jahr aus der Taufe gehoben werden soll - für Leder also gleich zwei gute Gründe, in Roth zu starten.

Neues Projekt

Hinter der neuen Serie, die sich in aller Bescheidenheit „Worlds Best“ nennt, verbirgt sich ein neues Projekt von Detlef Kühnel, der im Vorjahr den Rother Staffelstab an seinen langjährigen Begleiter und Ironman-Sprecher Walchshöfer weitergab. Die dem Namen nach weltumspannende Triathlon-Serie hält sich in seinem Geburtsjahr allerdings noch ausschließlich in süddeutschen Gefilden auf.

Ermittelt werden soll quasi der König der Triathleten, denn in die Dreierwertung fließen je ein Rennen über Kurz-, Mittel- und Langdistanz ein. „Worlds Best“ startet am 9. Juni mit dem Wettbewerb über die Mitteldistanz (1,8 km Schwimmen, 85 km Rad fahren, 18 km Laufen) in Hilpoltstein; am 22. Juni sind in Erding (Weißbier!) Sprintqualitäten über die olympische Distanz (1,5/40/10) gefragt, ehe die Serie dann am 6. Juli - natürlich in Roth mit der Quelle Challenge - endet.

Leder, Hellriegel oder Forster, die alle an der Serie teilnehmen werden, finden es eine prima Idee - „vor allem , weil wir in Deutschland dann zwei Wettbewerbe mehr haben, um uns präsentieren zu können“ (Hellriegel). Kühnel, der schon zwei Jahre mit der Idee schwanger geht, schwärmt von dem Projekt, fühlt sich gar an frühere Triathlon-Pionierzeiten Ende der 80er Jahre erinnert. „Ich brenne richtig darauf, die Serie hochzuziehen. Mein Gefühl sagt mir, dass das eine Marktlücke ist.“

Auf einer Weltkugel sind die Veranstaltungsorte Hilpoltstein, Erding und Roth zwar nicht zu finden, trotzdem suggeriert das Emblem der Veranstaltungsreihe - ein Globus mit einer Krone darauf - eine Art weltumgreifende Bedeutung. Dieser Diskrepanz ist sich Kühnel durchaus bewusst, begründet sie aber damit, für „Worlds Best“ schlichtweg noch keinen Sponsor gefunden zu haben. Die Post war interessiert, sagte aber ab.

300 000 Euro sollte nach Kühnels Vorstellungen der Namenssponsor mitbringen, Geld, das er direkt als Preisgelder an die Athleten weitergeben würde. Prämien sollen auch für Altersklassensieger der Serie bezahlt werden - laut Kühnel ein Novum im Triathlonsport. Für das Premierenjahr sind einstweilen 30 000 Euro im Pott - aller Anfang ist schwer und aus Hilpoltstein und Erding kann ja, Sponsoreninteresse vorausgesetzt, noch Mailand und Hamburg werden.

„Mein Vorteil ist“, sagt der einstige Ironman-Chef, „dass ich das nicht mehr machen muss, sondern machen will.“ Für den Rother Challenge-Triathlon ist es auf jeden Fall eine Aufwertung, und die ist in Zeiten der harten Konkurrenz höchst willkommen - und das nicht nur zur Weihnachtszeit. 

THOMAS SCHARRER

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