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FCN nach Pauli: Die Moral stimmt, die Leistung nicht ganz

Beim Club sind sie mit dem Remis beim Tabellenletzten zufrieden - 01.11.2016 09:52 Uhr

Nürnbergs Top-Torjäger Guido Burgstaller ist heiß, wollte den nächsten Dreier - FCN-Coach Alois Schwarzt muss dirket nach Schlusspfiff etwas Aufbauarbeit betreiben. © Sportfoto Zink


Öffentlich hadern wollte niemand mit dem 1:1, denn es hätte auch ganz anders kommen können. Wenn Thorsten Kirschbaum in der Schlussphase nicht zweimal im Stile eines Klasse-Torwarts den Punkt gerettet hätte. Weder Sobiech noch Sahin brachten den Ball an Nürnbergs Nummer eins vorbei.

Vom zweiten Gegentreffer hätte sich der Club nicht mehr erholt, der FC St. Pauli aber wahrscheinlich auch nicht. Schon in der ersten Halbzeit hätten die Gäste mit zielstrebigerer Dienstverrichtung für eine Vorentscheidung sorgen können. Und sie hatten auch Pech, dass Schiedsrichter Osmers erst hinterher zugab, dass Hegenstads Handspiel im eigenen Strafraum zwingend einen Strafstoß zur Folge hätte haben müssen. Nürnbergs Sportvorstand Bornemann sah man in der Interviewzone des Millerntorstadion an, was er von Osmers (zu) später Einsicht hielt.

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Das Montagabendspiel der 2. Bundesliga zwischen dem FC St. Pauli und dem 1. FC Nürnberg wurde zur umkämpften Partie, die alle Beteiligten im Vorfeld erwartet hatten. Für beide Mannschaften war mehr drin - das Unentschieden lässt sich aber getrost in die Kategorie "Faire Punkteteilung" stecken.


Am Referee lag es allerdings nicht, dass sich der zuvor viermal in Folge siegreiche 1. FC Nürnberg vom zuvor viermal in Folge unterlegenen Tabellenletzten über weite Strecken des zweiten Durchgangs von einem strukturierten Aufbau abhalten ließ. Aus der Pause, fand Trainer Schwartz, sei man "nicht so gut rausgekommen", viele überflüssige Ballverluste ermöglichten St. Pauli ein paar überfallartig vorgetragene Angriffe. "Der Gegner", sagte Schwartz in der Pressekonferenz kurz nach elf, "hatte Möglichkeiten, dass Tor zu machen".

"Haben das Tor fast selber geschossen"

Sein einziges Tor machte der Gegner mit freundlicher Unterstützung der Nürnberger; gleich mehrere Missverständnisse nutzte Duksch in stark abseitsverdächtiger Position zum 1:0 (6.), wovon sich der Club aber erstaunlich schnell erholte. "Wir haben das ja Tor fast selber geschossen", schimpfte Schwartz mit seinen Verteidigern Mühl, Hovland und Sepsi, die sich den Assist untereinander aufteilen können, jeder von ihnen hatte seinen Anteil am frühen Rückstand. Danach allerdings "haben wir uns gefangen und ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht".

Richtig gut war vor allem die Moral dieser Nürnberger, die einmal mehr allen Widrigkeiten trotzten und sich nicht unterkriegen ließen. Auch nicht von Osmers haarsträubendem Blackout nach einer halben Stunde, über den sich der Nürnberger Trainer "richtig aufgeregt" habe. "So klar wie dieser ist ein Elfmeter selten", maulte Schwartz, tatsächlich reckte Hedenstad seinen rechten Unterarm eindeutig dem Ball entgegen. Es hätte tatsächlich einen Strafstoß für den Club geben müssen. Mit möglicherweise gravierenden Folgen für den weiteren Verlauf des Fußballspiels.

Auch Lienen regt sich auf

Schwartz' Kollege hatte die Situation ähnlich gesehen und beurteilt – und weiß auch, wie sich die Gäste fühlen mussten. Nur aufregen kann er sich nicht mehr über ausbleibende Pfiffe des Regelhüters, "das", sagte Lienen, "das habe ich in dieser Saison schon hinter mir". Zehn bis zwölf Punkte hätte sein FC St. Pauli und nicht erst sechs, wenn im bisherigen Rundenverlauf alles mit rechten Dingen zugegangen wäre. "Aber da brauchen wir nicht drumherum zu reden, das war krasse Situation", sagte Lienen, wollte sich in seiner Analyse aber nicht länger mit besagter Szene aufhalten.

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Viel mehr wurmte ihn die Entstehung des Ausgleichs, weil er vor der Nürnberger Stärke bei Standardsituationen doch eindringlich gewarnt hatte. Burgstallers 1:1 resultierte aus einem Eckstoß, zuvor per Kopf abgelenkt von Matavz – der früh in der zweiten Halbzeit mit starken Schmerzen im rechten Unterschenkel gegen Sylvestr ausgetauscht werden musste.

Kommt jetzt Bulthuis zurück?

Sobiech hatte Nürnbergs Leihspieler Sekunden vor dem Pausenpfiff brutal von hinten umgehauen und dafür nicht mal die Gelbe Karte gesehen. Matavz' Verletzung vergrößert Schwartz' Personalsorgen vor dem Freitagsspiel in Aue. Behrens (Bänderanriss in der Schulter) und Bulthuis (muskuläre Probleme) haben am Montag zwar trainiert, sind im Kopf aber offenbar noch zu sehr von ihren Handicaps blockiert. Schwartz hofft am Freitag auf Bulthuis' Comeback, bei Behrens wird man sehen, der mittlerweile nicht gleichwertig zu ersetzende Matavz soll bereits in der Kabine Entwarnung gegeben haben.

Ohne den Slowenen lief vorn nicht mehr viel zusammen beim Club, vielmehr hatte der Tabellenletze nach dem Seitenwechsel die größeren Möglichkeiten, die größte in der 80. Minute. "Das war der Matchball", bilanzierte Lienen – als Sahin nach einem ebenso weiten wie präzisen Abschlag von St. Paulis Tormann Himmelmann plötzlich allein auf Kirschbaum zusteuerte. "Er hatte wohl zu viel Zeit zum Überlegen", wollte Lienen aufgefallen sein, "was er dann gemacht hat, war komplett unkonzentriert". Zum Glück für den 1. FC Nürnberg.

Ergebnis ist "schon okay"

Ein Punkt ist natürlich besser als keiner, obwohl es auch drei Punkte hätten sein können. "Wir haben korrigiert, was wir uns selbst eingebrockt haben", sagte Schwartz später, seine Spieler konnten sich relativ zügig mit dem 1:1 anfreunden. "Schon okay" sei das Ergebnis, fand Kempe, Kollege Kirschbaum erinnerte daran, dass man nicht davon ausgehen könne, "an einem Montagabend nach St. Pauli zu fahren und die einfach wegspielt". Die vielleicht prägnanteste Analyse lieferte Möhwald. "Wir hätten es ein bisschen konsequenter spielen müssen."

Dann wäre vielleicht das 0:1 nicht passiert und auch das eine oder andere eigene Tor mehr drin gewesen. Aber sei's drum, nicht nur für Möhwald ist es ein "gewonnener Punkt". Warum? "Weil wir wieder nicht verloren haben und als Mannschaft zurückgekommen sind". So kann man es natürlich auch sehen.

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Wolfgang Laaß

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