Montag, 17.12.2018

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Fränkischer Fußballprofi wechselt in chinesische Liga

Andreas Nägelein hat schon viel gesehen von der Fußballwelt - 05.03.2010

Andreas Nägelein (li.) im Einsatz für einen zypriotischen Verein. © oh


Andreas Nägelein war nur kurz zu Hause in seiner mittelfränkischen Heimat, gerade ist das Hersbruck. So genau weiß man das bei Nägelein ja nie. Bis Dezember spielte er ein paar Monate in Zyperns erster Liga, nun geht es nach China, zum Shenzhen FC in die Millionenmetropole an der Ostküste Chinas, «die ja passenderweise auch eine Partnerstadt von Nürnberg ist«, wie Nägelein selbst einordnet, «und von Hongkong so weit entfernt wie Fürth von Nürnberg.«

Im Trainingslager in Shanghai

Damit schließt sich ein Kreis. Nägelein ist 28 Jahre alt, Fußballspieler, und befindet sich auf einer langen Reise. In Hongkong wurde er geboren, er bezeichnet sich als Halbchinese. «Ich freue mich darauf, die Heimat meiner Mutter kennenzulernen«, erklärt Nägelein auch die familiären Gründe seines Wechsels. Vorige Woche unterschrieb er einen Einjahresvertrag, mit seiner neuen Mannschaft befindet er sich bereits im Trainingslager in Shanghai.

Dabei ist Shenzhen nur eine von vielen Stationen des Andreas Nägelein. Bereits in der Jugend führte die avisierte Karriere den talentierten Fußballer quer durch Mittelfranken. Da spielte Nägelein für den 1.FC Nürnberg, den ASV Neumarkt, Quelle Fürth, den 1.SC Feucht und den 1.FC Schwand. Im Männerbereich angekommen, trieb es den defensiven Mittelfeldspieler immer weiter hinaus in die Welt.

Drei Insolvenzen erlebt

Mitunter war Nägelein einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, wie im Jahr 2004, als der unterfränkische Traditionsclub 1.FC Schweinfurt pleite ging und Insolvenz beantragen musste. Nägelein war gezwungen, sich einen neuen Verein zu suchen und entschied sich für einen alten: Feucht. Dort spielte er eine Halbserie in der Regionalliga Süd, doch auch die Feuchter gerieten in finanzielle Probleme. Danach wechselte Nägelein in den Norden, zu den Kickers Emden, wo er tatsächlich vier Jahre lang bleiben sollte - abgesehen von einem halbjährigen Abstecher zu Wacker Burghausen. In Emden hätte Nägelein vielleicht länger gespielt, aber dann kam - richtig - wieder diese Geschichte, die von der falschen Zeit und dem falschen Ort erzählt. Auch Emden geriet in finanzielle Nöte, musste einen Zwangsabstieg in Kauf nehmen und Spieler abgeben.

«Ich war von einem auf den anderen Tag arbeitslos und gezwungen, mir kurzfristig einen neuen Verein zu suchen«, erzählt Nägelein. Er ging nach Nürnberg zurück und durfte sich dort im vorigen Sommer bei René Müller sechs Wochen fit halten. Dann kam sein Berater plötzlich mit einem illustren Angebot: Pitsilia, Kyperounta, Zypern. «Es war für mich immer klar, dass ich mal ins Ausland gehen werde.« Dass es Zypern werden würde, dürfte selbst den reiselustigen Nägelein überrascht haben.

Im Flieger mit von Heesen

Doch so überraschend ist es vielleicht gar nicht. Laut einer kürzlich erschienenen Studie ist die zypriotische Liga Spitzenreiter in Europa, wenn es um Legionäre geht: 71 Prozent der Spieler stammen aus dem Ausland. Und so kam auch Nägelein in Pitsilia in eine internationale Mannschaft: mit ihm wechselten 20 Spieler aus 15 Ländern nach Kyperounta.

Andreas Nägelein spielte fortan mit Fußballern aus dem Kosovo, Portugal, Afghanistan oder Ungarn - und saß kurz vor Weihnachten auf dem Weg nach Nürnberg im Flieger mit Thomas von Heesen und Ioannis Masmanidis, die ebenfalls auf Zypern gestrandet waren. Nach zehn Spielen war aber schon wieder Schluss.

Als Deutscher profitiert man von guter Ausbildung

«Die zypriotische Liga ist zweigeteilt, da gibt es die Mannschaften aus Limassol, Nikosia und Famagusta, die in Europa mithalten können und dann viele, die eher Zweitliganiveau besitzen«, darunter eben auch Pitsilia, so Nägelein. Er setzte sich in der Mannschaft durch, war sofort Stammspieler. «Als Deutscher profitiert man von der sehr guten Ausbildung, die man genossen hat.« Doch Pitsilia spielte nur gegen den Abstieg, holte gerade mal zwei Punkte mit Nägelein - der aus Zypern auch eine Platzwunde und eine allergische Erkrankung als Erfahrung mitnahm.

Ende vorigen Jahres gab es dann einen lukrativen Kontakt - nach China. Ein ebenso gewagter Wechsel: Die dortige Liga macht mitunter durch Manipulation auf sich aufmerksam, weshalb gerade erst der Saisonstart um eine Woche verschoben wurde. Es musste noch geklärt werden, welche Mannschaften überhaupt dabei sein werden.

Nägelein freut sich auf das Abenteuer Fernost

Doch Nägelein freut sich auf das Abenteuer in Fernost und fühlt sich gut vorbereitet. Bereits im Januar hatte er sich einige Städte und Vereine angeschaut. Seit vorigem Sonntag ist er nun offiziell Spieler des RubyShenzhenFC. Seinem Ursprung ist er nun wieder sehr nah: «Ich könnte mir auch vorstellen, ein bisschen länger hier zu bleiben.« Seine Heimat muss er erst noch finden. 

John Hennig

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