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Huddersfield hat sich wegen Sabiri nicht mehr gemeldet

Der Youngster hat sich beim Club viele Sympathien verscherzt - 09.08.2017 05:56 Uhr

Wechselt Abdelhamid Sabiri nach England oder bleibt er beim Club? Nürnbergs Sportvorstand Andreas Bornemann spricht Klartext. © Sportfoto Zink / JüRa


Ob Abdelhamid Sabiri grundsätzlich selbst über seine berufliche Zukunft nachdenkt oder doch lieber nachdenken lässt, wäre eine dieser Fragen, die man ihm gerne stellen würde. Umtriebige Berater übernehmen das ja gerne für ihre Klienten, die sich lieber auf das Fußballspielen konzentrieren sollen. Abdelhamid Sabiri, 20 Jahre alt, den sie beim 1. FC Nürnberg "Hamid" rufen, darf nur in Begleitung eines richtig Erwachsenen aus der Pressestelle Interviews geben. Weil er noch so jung ist. Aber er hat gerade ohnehin keine Lust, sich zu äußern.

Die eine oder andere Antwort würde ihm vielleicht schwerfallen, weil er möglicherweise hin- und hergerissen ist zwischen seinen arbeitsrechtlichen Pflichten beim Club und dem Angebot von Huddersfield Town, wo er sein aktuelles Gehalt mal soeben versechs- oder verachtfachen könnte. Es kann ihm offenbar, ohne Rücksicht auf seine Kollegen und die Meinung anderer, alles gar nicht schnell genug gehen.

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Huddersfield calling? Nicht mehr bei FCN-Sportvorstand Andreas Bornemann, wie dieser berichtet. © Sportfoto Zink / DaMa


Seit über zwei Wochen ist sein Wechselwunsch jetzt schon Thema. In den Medien, in Kommentar-Spalten, in der Kabine. Weil eben fast alle Klischees vom geldgeilen und auch noch undankbaren Jungstar bedient werden. Erst Ende April hatte ihm der Club seinen bisherigen Vertrag "der neuen Situation angepasst", wie es in der offiziellen Mitteilung hieß, seitdem darf er sich ganz offiziell Lizenzspieler nennen. Also Profi.

Neun Einsätze, fünf Tore

Als Abdelhamid Sabiri im vergangenen Sommer beim 1. FC Nürnberg ankam, genauer beim 1. FC Nürnberg II, zählte er noch zur großen Gruppe der Perspektivspieler. In der fünftklassigen Oberliga Westfalen hatten sie ihn entdeckt, genauer bei den Sportfreunden in Siegen, in der viertklassigen Regionalliga Bayern sollte er, wie es im Fußballbranchendeutsch heißt, den nächsten Schritt machen. Weil ihm das schon bis zur Winterpause gelang, holte ihn der Ex-Profitrainer Alois Schwartz in der Vorbereitung zu sich. Der Rest ist eigentlich eine schöne, eine fast märchenhafte Geschichte: drei Tore in seinen ersten drei Einsätzen in der Zweiten Liga, fünf sind es nach neun.

An dem Zwischenstand hat sich seit Ende Mai nichts mehr geändert. Und dennoch wird Abdelhamid Sabiri von seinem Umfeld und Huddersfield Town bereits als gut genug für die Premier League bewertet. Nach neun Einsätzen in der Zweiten Liga - von denen ihm mindestens drei auch noch mehr oder weniger arg missrieten.

Fürchterlich missraten ist ihm am Samstag auch der Versuch, seinen Abschied durch allgemeines Desinteresse zu erzwingen; sich zu weigern, in der U21 zu spielen, haben sie ihm richtig übel genommen beim Club. "Er hat uns zu verstehen gegeben, dass er eigentlich keine Lust darauf hat", sagt Andreas Bornemann.

Der Sportvorstand wiederum hat eigentlich keine Lust mehr darauf, sich jeden Tag mit der Personalie zu beschäftigen - zumal sich der Premier-League-Aufsteiger auch nicht mehr gemeldet hat bei ihm. "Das sollte Sabiri zu denken geben", sagt Bornemann, "wie ernsthaft so ein Interesse ist."

Infekt verhindert Teilnahme am Training der zweiten Mannschaft

Mehr als eine lose Anfrage sei das nicht gewesen, versichert Bornemann; weil die offerierte Ablöse für ihn keinerlei Grundlage darstellt für eine Verhandlung, habe er den Betrag auch als "völlig indiskutabel" abgewiesen. Mehr ist nicht passiert. Und viel mehr wird, Stand Dienstag, auch nicht mehr passieren. "Die Wahrscheinlichkeit ist größer", sagt Bornemann, "dass Sabiri in Nürnberg seinen Vertrag erfüllen muss."

Trotzdem ist der Deutsch-Marokkaner nach wie vor ein wenig durcheinander und jetzt auch noch krank. Ein Infekt verhindert bis auf Weiteres seine Teilnahme am Training der zweiten Mannschaft. Bei der ersten wollen sie ihn nicht mehr sehen - solange er nicht wieder zurechnungsfähig ist.

Es liegt letztlich nur an ihm. "Er entscheidet", sagt Bornemann, "ob und wie sich bestimmte Dinge wieder in die richtige Richtung entwickeln." 

Wolfgang Laaß E-Mail

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