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Kleeblatt: Gößling ist Trainer statt Richter

Mit Frederik Gößling betreut ein examinierter Jurist die Torhüter der SpVgg - 05.07.2013 10:04 Uhr

Der Trainer fängt, der Schlussmann schaut: Torwart-Trainer Frederik Gößling bei Übungseinheiten mit Wolfgang Hesl. © Zink


Kann man sich diesen Mann auch in einem Gerichtssaal vorstellen? Frederik Gößling, 35 Jahre alt, offener Blick, 1,90 Meter groß, breite Schultern, kantiges Gesicht, Typ Modellathlet, ist nicht nur in der Lage, Bälle zu fangen, er könnte auch jede Menge Paragraphen zitieren. Zweites Staatsexamen, Referendariat in Verwaltungs- und Justizbehörden: alles erledigt — und vorerst abgehakt. Statt in die Robe eines Anwalts oder eines Richters zu schlüpfen, entschied sich der gebürtige Bielefelder für eine Karriere als Torwarttrainer.

Seit Beginn der Vorbereitung ist er der neue Vorgesetzte von Wolfgang Hesl, Mark Flekken und Tom Mickel, dem Torwarttrio der SpVgg. „Klar habe ich mir das gut überlegt“, erklärt Gößling seinen ungewöhnlichen Werdegang. „Der Kopf alleine hätte vielleicht anders entschieden, aber es gibt ja auch noch Herz und Bauch.“

Bereits 2011 waren die Weichen gestellt. Damals engagierte ihn der SC Paderborn als Torwarttrainer. „Wenn dir ein Zweitligist die Tür aufmacht, und du kannst da alle deine Ideen reinschmeißen, dann musst du das einfach machen.“ Nun haben die Fürther die Tür aufgemacht, und wie es im Trainingslager im Zillertal den Anschein hat, fügt sich Gößling perfekt in das Betreuerteam der SpVgg ein. Im Umgang locker und nahbar, aber bei der Arbeit auf dem Platz sehr konzentriert – so wirken Trainer Frank Kramer, Co-Trainer Mirko Dickhaut, Athletiktrainer Manfred Düring, und so wirkt auch Frederik Gößling.

Der Sohn eines Mathe-Lehrers hatte seine beste Zeit als Aktiver bei Preußen Münster und beim VfL Osnabrück. Ein eigentlich harmloser Muskelfaserriss in der Schulter leitete das frühe Karriereende ein. Erst verlor Gößling seinen Stammplatz an Timo Berbig, dann setzte der VfL voll und ganz auf Stefan Wessels. „Es hätte im Grunde keinen Konkurrenzkampf gegeben“, meint Gößling rückblickend. Passenderweise hatte er in Hamburg gerade einen Platz für sein Rechtsreferendariat gefunden. Weil er nebenbei Nachwuchstorhüter vom FC St. Pauli betreute, blieb Gößling im Geschäft. Am Anfang, sagt er, habe er nur ins Trainerdasein reinschnuppern wollen. „Momentan macht es mir unheimlich viel Spaß.“

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Die Schlussmänner der SpVgg hält Gößling wenig überraschend für „ein richtig gutes Trio aus unterschiedlichen Typen“. Wer davon der Platzhirsch ist, darauf mag sich der Trainer, der in Ex-Nationalspieler Jens Lehmann eine Art Torhüterideal sieht, noch nicht festlegen, jedenfalls nicht öffentlich. Natürlich ist auch Gößling bewusst, dass Wolfgang Hesl aufgrund seiner Leistungen in der Vorsaison mehr oder weniger gesetzt sein muss. Für zwingend notwendig hält er die Festlegung auf eine klare Nummer eins nicht. „Torhüter“, widerspricht er dem gängigen Vorurteil, „sind nicht besonders sensibel. Sie brauchen nicht mehr oder weniger Vertrauen wie jeder andere Spieler.“ 

VON KURT HEIDINGSFELDER

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