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Mit V-Mann gegen die Nürnberger Ultraszene?

Mitglied der Fangruppe angeblich vor Imbissbude kontaktiert - Empörung bei Fananwalt - 14.08.2012 13:30 Uhr

Im Visier der Behörden: Mit V-Leuten soll angeblich gegen die Nürnberger Ultraszene vorgegangen werden.

Im Visier der Behörden: Mit V-Leuten soll angeblich gegen die Nürnberger Ultraszene vorgegangen werden. © Stefan Hippel


Was "Spiegel-Online" in Berufung auf Mitteilung der Fanorganisation Rot-Schwarzen-Hilfe (RSH) am Dienstag veröffentlichte, klingt wie eine Szene aus einem schlechten Kriminalfilm: Mitte Juli steht "Chris", ein Nürnberger Ultra, an einer Imbissbude am Stadtrand von Nürnberg. Plötzlich fährt ein Mercedes mit städtischem Kennzeichen vor, ein 40 bis 45 alter Mann mit starkem Münchner Akzent steigt aus, zeigt "Chris" einen Ausweis des Innenministeriums und bietet ihm Vergünstigungen und Hilfe bei der Jobsuche an. Als Gegenleistung verlangt der Beamte Informationen aus dem Innersten der Nürnberger Ultraszene.

Dieser Fall - sollte er sich tatsächlich so zugetragen haben - sorgt nun für Empörung in Fankreisen. Ralf Peisl, der im Aufsichtsrat des FCN sitzt und als Anwalt Fans bei juristischen Problemen vertritt, meint: "Bei uns allen herrscht große Verunsicherung". Verunsicherung wohl deshalb, da man das Anwerben von V-Leuten bislang nur im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Gruppen, wie Neonazis, kennt oder im Rahmen von Ermittlungen gegen Rocker-Gangs, die sich im Bereich der organisierten Kriminalität bewegen sollen.

Gestohlener Banner als vermeintlicher Anlass

Doch warum will die Polizei nun angeblich V-Leute in den Reihen der Nürnberger Ultras anwerben? Eine mögliche Erklärung ist ein Vorfall, der sich im Vergleich mit den Umtrieben im rechtsextremen oder im Rocker-Milieu relativ harmlos anhört: Ende des vergangenen Jahres wurde der Münchner Ultrasgruppierung "Schickeria", die mit den Nürnberger Ultras eine starke Rivalität verbindet, ein Banner mit der Aufschrift "Südkurve - Herz und Seele unseres Vereins" geraubt. Der oder die Täter wurden und werden in Nürnberger Fan-, oder besser gesagt, Ultra-Kreisen vermutet. Eine Hausdurchsuchung bei einem Mitglied der fränkischen Ultra-Fangruppe "Banda di Amici" brachte Ende März allerdings keinen Erfolg.

Auch die damalige Befürchtung, die Clubfans könnten beim Derby zwischen dem FCN und dem FC Bayern Anfang April die Fahne präsentieren, bewahrheitete sich nicht. "Dass die Fahne durch Nürnberger entwendet wurde, ist bislang nur ein Gerücht“, hatte Daniel Kirchner, Sicherheitschef des 1. FC Nürnberg, damals gesagt. Mitte August hat seine Aussage unveränderte Gültigkeit.

Schwarze Schafe auch in der Fanszene

Die Polizei wollte sich  bislang nicht zu dem konkreten Vorfall äußern. Michael Siefener, Pressesprecher des bayerischen Innenministeriums, verriet "Spiegel-Online": "Wir gehen mit verdeckten Ermittlungen nicht gezielt gegen die Fußballszene vor, sondern vielmehr gegen einzelne Individuen, die wir im Bereich der Schwerstkriminalität verorten". Vermutet werden diese Personen auch in den Reihen der Fußballfans. "Schwarze Schafe gibt es überall", sagt Siefener und betont, dass damit "keine Gängelung von Fußballfans" erreicht werden soll. Außerdem sei, so Siefener, der Einsatz von V-Leuten an strenge Maßgaben gebunden.

Eine Argumentation, die Fananwalt Peisl nicht nachvollziehen kann: "Fußballfans sind doch keine Schwerstverbrecher, die Menschen- oder Waffenhandel betreiben", meinte er gegenüber "Spiegel-Online". 

Stefan Wölfel

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