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Schachklub Zirndorf plant schon nächsten Pyramide-Cup

Im kommenden Jahr sollen mehr und stärkere Teilnehmer antreten - 07.09.2017 16:41 Uhr

Ein Vermummungsverbot gab es beim Zirndorf-Cup offensichtlich nicht. © Foto: Udo Güldner


Der Internationale Meister Marco Baldauf (27) von den Schachfreunden (SF) Berlin gewann nach sieben spannenden Runden vor IM Christopher Noé (21) vom SC Eppingen und dem Großmeister Aloyzas Kveinys (55) vom SV Lingen. Dabei hätte man Baldauf, der seit einigen Jahren nicht mehr bei seinem Heimatverein SG Pang/Rosenheim, sondern bei einem Erstliga-Club in Berlin antritt, durchaus auf der Rechnung haben müssen.

Nach fünf anstrengenden Tagen waren gleich vier Schachfreunde mit 5,5 Zählern punktgleich an der Spitze, so dass das "Torverhältnis" die Reihenfolge bestimmen musste. Hier war es die Spielstärke der Gegner, so dass Spieler mit besseren Kontrahenten in der Tabelle weiter vorne landeten.

Schließlich ist es schwieriger, einen Punkt gegen einen Landesligaspieler zu erobern, als einen Kreisligaspieler auszumanövrieren. Mario Linsenmeyer vom FSV Großenseebach verpasste so als Vierter das Podest. Knackpunkt war wohl die 5. Runde, als der Litauer im Endspiel ein siegbringendes Qualitätsopfer (Turm gegen Springer) übersah und IM Baldauf im direkten Duell in die Punkteteilung entkommen ließ.

Denn auch wenn jenseits der 64 Felder eine familiäre Atmosphäre herrschte und alte Freundschaften wieder aufgefrischt wurden – wenn man hinter den eigenen Figuren saß, war alles wieder vergessen. In der nostalgischen Jahnhalle des TSV Zirndorf maßen sich 75 Teilnehmer, weit weniger als vom Ausrichter erhofft. Der Schachklub Zirndorf war in den vergangenen drei Jahren, als das mittelfränkische Open mitten in den Sommerferien als LGA-Pyramiden-Cup internationale Spitzenkräfte und jede Menge regionaler Denksportler anlockte, mit über 100 Brettstrategen verwöhnt worden. Im nicht ganz so zentral gelegenen Zirndorf und ohne eine handvoll bekannter Großmeister war das anders.

Feuer auf die Favoriten

Dabei gerieten die Favoriten vom ersten Zug an in Schwierigkeiten. Etwa GM Kveinys, der in Runde drei, bereits siegessicher, in ein Springeropfer Linsenmeyers geriet und dem remiserzwingenden Dauerschach nicht mehr ausweichen konnte. Oder FM Jens Ostergaard, der mit seinen dänischen Kollegen von Caissa Gladsaxe angereist war. Er hatte sich mit einem Remis gegen Kristin Braun vom SC Forchheim zu begnügen. Dann traf es IM Alexander Seyb von den SF Berlin, der dem Landesligaspieler Karsten Bunk (SW Nürnberg Süd) nicht beikam. Der amtierende Bayerische Meister FM Eduard Miller (SC Erlangen) remisierte einmal zu oft gegen nominell schwächere Gegner und kam im Verfolgerfeld auf Rang sieben, noch hinter dem Italiener Carlo Marzano, der sich mit sehenswertem Angriffsspiel in den Pulk der Titelträger schob.

Die Spieler aus Fürth Stadt und Land hatten mit dem Turniersieg nichts zu tun, auch weil viele der Spitzenleute, etwa vom Landesligisten Zirndorf oder dem Bezirksligisten SF 1951 Fürth, wohl noch im Urlaub weilten. Hans Gerl (SK Zirndorf) kämpfte sich nach einer Schrecksekunde zu Beginn des Turniers, als er einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gab, wieder zurück ins Geschehen und landete mit 4,0 Punkten auf Rang 34. Ein fantastisches Turnier gelang Robert Meyer (SC Stein), der noch mehr als die 3,5 Zähler (38. Platz) hätte erobern können, wenn er etwa gegen den Dänen Christoph Pedersen ein ausgeglichenes Endspiel noch richtig verteidigt hätte. Dennoch wurde der Senior Bester seiner Spielstärkegruppe.

Nach starkem Zwischenspurt hatte sich Alexej Gets (SG 1882 Fürth) im vorderen Drittel des Klassements eingefunden. Die letzten beiden Partien aber gingen verloren und er fiel mit 3,0 Punkten auf einen enttäuschenden 44. Platz zurück. Noch ärger traf es Peter Weißmann vom Ausrichter, der durch eine schicksalhafte Auslosung nur stärkere Gegner bekam und sich mit gerade noch 2,5 Punkten auf Platz 58 einfand. Seinem Alter Tribut zollen musste Werner Kleist vom SK Zirndorf. Der mit 80 Jahren Älteste unterlag dabei auch dem jüngsten Mitspieler Abhiraaj Arora (SC Erlangen). Der siebenjährige Inder hatte auch noch Werner Dreiseitel (SG 1882 Fürth; 1,5 Punkte) im Visier, der ihn aber noch in die Schranken verwies.

2018 will FM Hubert Seibold, seines Zeichens Vorsitzender des SK Zirndorf, mit Unterstützung der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) eine Neuauflage an der Bibert wagen. "Dann können wir hoffentlich mehr Schachfreunde überzeugen, sich mit einem stark besetzten offenen Turnier auf die kommende Saison vorzubereiten." 

UDO GÜLDNER

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