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Trotz Club-Triumph: Köllner kokettiert mit seinem Abschied

Oberpfälzer würde gerne Club-Coach bleiben, spricht aber auch über die Schattenseiten - 07.05.2018 21:15 Uhr

"Oohhh, der FCN steigt wieder auf" - aber mit welchem Trainer? Michael Köllner denkt überraschend über sein Arbeitsende als Club-Coach nach. Aus persönlichen Gründen. © Foto: Daniel Marr/Zink


Wann er seine Mannschaft genau verloren hat, kann Michael Köllner nicht sagen, wahrscheinlich schon mit dem Schlusspfiff in Sandhausen. Seine Idee, am nächsten Tag eine kleine Ausnüchterungseinheit anzusetzen, kam jedenfalls in der Kabine überhaupt nicht gut an.

Im Spaß spricht der Trainer schon am Vormittag von einer Art "Spielerrevolte", also blieb er am Montag erst mal allein. Gegen sechs Uhr morgens verließen die letzten Feierbiester die Bar am Gewerbemuseumsplatz, Köllner hielt immerhin bis Halbfünf durch. Und hatte dreieinhalb Stunden später bereits den ersten Termin beim Radio.

Verwirrung auf dem Balkon 

Bereits im Hardtwaldstadion hatte hinterher der eine oder andere Satz des Oberpfälzers nicht ganz den Erwartungen entsprochen. Köllner wirkte mitunter nachdenklich, fast kleinlaut, auch am späten Abend auf dem Balkon des Vereinszentrums. Während um ihn herum die Erde bebte, musste sich Köllner jeden noch zu kurzen Moment der Ausgelassenheit förmlich abringen. Sein Live-Interview im Bayerischen Fernsehen sorgte dann endgültig für Verwirrung.

Sie sind jetzt Erstliga-Trainer, wie fühlt sich das an? Köllner: "Das weiß ich nicht, ob ich ein Erstligatrainer bin." Sie zweifeln aber nicht wirklich wegen nächster Saison? Köllner: "Man weiß es nicht, was im Fußball kommt."

Briefe und Beschimpfungen 

Und tatsächlich: Er zweifelt. "Man muss sich realistisch mit der ganzen Thematik auseinandersetzen", sagt Köllner auf Nachfrage der Nürnberger Nachrichten. Die ganze Thematik ist für ihn mehr als der Aufstieg, mehr als seine auch ganz persönliche Erfolgsgeschichte. Bevor er im März des vergangenen Jahres die Berufsfußballabteilung übernahm, hatte Köllner ja fast ausschließlich im Nachwuchsbereich gearbeitet. Auch er musste erst seine Erfahrungen sammeln - von denen ihm nicht alle positiv in Erinnerung geblieben sind. 

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Köllner hat, so grotesk wie logisch sich das jetzt anhören mag, auch die Schattenseiten kennenlernen müssen. Nach der Derbyniederlage, erzählt der Trainer, habe es zum Teil massive Anfeindungen gegen seine Person gegeben, Briefe, auch verbale Beschimpfungen, das, sagt Köllner, "vergesse ich nicht, das ist mir sehr nahe gegangen".

Vertrag für die Bundesliga

Er vergisst es nicht und hätte liebend gerne darauf verzichtet, beim ersten Mal - befürchtet aber, dass auch ein zweites, drittes oder siebtes Mal folgen wird. Ab August, in der Bundesliga. Wenn der am Sonntag frisch aufgestiegene 1. FC Nürnberg mit hoher Wahrscheinlichkeit öfter verlieren wird als gewinnen. "Viele Freunde raten mir, jetzt aufzuhören."

Jetzt, auf dem Höhepunkt. Schöner kann es eigentlich nicht mehr werden, das weiß er natürlich. Dass ihn die Bundesliga unglaublich reizt, dass er auch mal gerne einer der 18 nominell besten Trainer des Weltmeisterlandes sein möchte, steht außer Frage. Dafür ist Michael Köllner viel zu ehrgeizig und wahrscheinlich auch viel zu gerne Michael Köllner, auch wenn er das nicht hören mag.

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"Schon seit Wochen", gibt er zu, trage er sich mit dem Gedanken, möglicherweise zeitnah einen Schlussstrich zu ziehen. Unabhängig vom Ausgang der Saison, die ihm spätestens seit Sonntag eine Hauptrolle zugewiesen hat. Wer sich im Frühjahr 2018 mit dem 1. FC Nürnberg beschäftigt, ist auch ganz schnell beim in der Branche noch relativ unbekannten Trainer, der mit seinem ungemein selbstbewussten Wesen schon etwas länger polarisiert.

Ob es Köllner jetzt wirklich ernst meint oder, auf wen auch immer, bloß etwas Druck aufbauen möchte, wird sich zeigen. Sein Vertrag, das bestätigt er auf Nachfrage, ist auch in der höchsten Klasse gültig, damit ist seine plötzlich abwartende, fast zögerliche Haltung offenbar nicht zu erklären, auch das liebe Geld sei in seinen Überlegungen nicht wichtig. Wichtig ist ihm, respektiert zu werden. Erst recht, wenn es mal nicht läuft – wie vor, im und nach dem Derby. Persönlich attackiert zu werden, darauf, sagt Köllner, "habe ich keine Lust, Lebensqualität ist für mich ein hohes Gut." Für ihn und natürlich auch für seine Familie.

Gedankenspiele und Stadtstrand  

Also prüft er mögliche Eventualitäten. Versucht für sich die Frage zu beantworten, ob er bereit ist, das Risiko wirklich einzugehen. Gerade ist alles schön und gut, nur: "Wie wird es aussehen, wenn sich alles in die andere Richtung bewegt?"

Wenn man ihn richtig versteht, scheint auch die Doppelfunktion erste Spuren zu hinterlassen. Nicht nur nebenbei leitet er mit zwei Kollegen noch das Nachwuchsleistungszentrum, Köllner ist, wie es so schön heißt, rund um die Uhr für seinen Club da. "Ich muss", sagt Köllner, "auch meine Lebenssituation mit einplanen."

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Stand Montag wird er mit dem neuen, verstärkten Club in die Bundesliga einziehen, was in zwei, drei Wochen ist, kann er allerdings nicht sagen. Noch nicht. "Ich lasse es mal sacken", kündigt Köllner an, so wie am Montag mit den stolzen Aufsteigern am Nürnberger Stadtstrand. Einige seiner Fußballer waren zuvor sogar zur kleinen Ausnüchterungseinheit erschienen. Freiwillig. 

 

Wolfgang Laaß

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