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"Stutenbeißen habe ich nur einmal erlebt"

DFB-Torwarttrainer Michael Fuchs plaudert aus dem Nähkästchen - 22.06.2011 20:19 Uhr

Nadine Angerer und Michael Fuchs bei der Arbeit ... © Wolfgang Zink


Als sein einstiger FCN-„Schützling“, der inzwischen zum Bundestorwarttrainer avanciert war, bei Fuchs anrief, ob er sich den DFB-Job vorstellen könne, überlegte der nur „Mix“ Genannte nicht lange – und war kurz darauf beim Algarve-Cup erstmals in offizieller Mission unterwegs. Um dann nur wenige Monate später seinen ersten großen Erfolg einzufahren: Bei der Weltmeisterschaft in China feierte er mit dem deutschen Team nicht nur den Titel, sondern die von ihm betreute Torhüterin Nadine Angerer blieb während des gesamten Turniers ohne Gegentreffer.

Die Übungen für sein positionsspezifisches Training lässt sich der 41-Jährige, der ein Lehramtsstudium (Sport und Englisch) abgeschlossen hat, meist selbst einfallen. „Die mir passend erscheinende Literatur über das Torwarttraining habe ich noch nicht gefunden“, hat er eine Marktlücke ausgemacht.

Besonderes Augenmerk bei der Arbeit mit Angerer, Ursula Holl und Almut Schult widmete er in den langen Wochen der Vorbereitung auf die WM im eigenen Land – unter anderem auch in Herzogenaurach – „der Spieleinleitung, dem Passspiel, Abfangen von Flanken, Abdruck zum Ball, Eins-gegen-eins-Situationen und dem Stellungsspiel“, wie er im NZ-Gespräch berichtet.

Eine halbe Stunde vor den Feldspielerinnen waren Fuchs und seine Torfrauen bei jeder Trainingseinheit bereits auf dem Platz, um ihre spezifischen Einheiten zu absolvieren. Schließlich muss sich Fuchs bei seiner Arbeit danach richten, was seine „Chefin“ Silvia Neid in ihrer Arbeit machte, ob sie für ihre Übungen Torhüterinnen benötigt oder nicht.

Der Unterschied zum Männerfußball? Den findet der Pädagoge und einstige Torhüter der Club-Amateure gar nicht so groß, abgesehen von den körperlichen Voraussetzungen. „Aber natürlich gibt es bei den Mädels andere Themen, die sie oft auch differenzierter diskutieren“, verrät der 1,97-Meter-Hüne. Und zur Arbeit auf dem Platz: „Bei den Frauen geht mehr über die kognitive Schiene, also über das Erklären, als bei den Männern – bei denen passiert mehr über die Zahl der Wiederholungen.“

Nadine Angerer und Michael Fuchs bei der Arbeit ... © Wolfgang Zink


Seit vier Jahren ist „Mix“ immer wieder lange Zeit mit den besten deutschen Fußballerinnen zusammen. Und er entkräftet aus dieser Erfahrung manches Klischee, das über die Kickerinnen kursiert. „Stutenbeißen habe ich seit langer Zeit nicht mehr mitbekommen. Das habe ich ein einziges Mal ein bisschen zwischen Silke Rottenberg und Nadine Angerer bei der WM 2007 erlebt, die nicht so gut miteinander können“, plaudert Fuchs ein wenig aus dem Nähkästchen. Damals hatte Angerer die frühere Welt-Torhüterin nach deren schwerer Verletzung (Kreuzbandriss) abgelöst. „Ich habe sie mir dann beide zur Brust genommen und zum Laufen geschickt, bis sie sich geeinigt hatten, und ihnen gesagt: Wenn Ihr nicht mehr streitet, könnt Ihr auch zum Training dazukommen“, erinnert sich Fuchs im Rückblick. 

Philipp Roser

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