Mittwoch, 16.01.2019

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Technik aus Nürnberg für Afrikas Fischer

Minister Aiwanger zeichnet Firma Weatherdock mit dem bayerischen Exportpreis aus - 23.11.2018 20:49 Uhr

Fischer in Mauretanien, die ihre kleinen Boote mit dem rot-gelben Seenotsender des Nürnberger Unternehmens ausgestattet haben. © Foto: Weatherdock AG


Mit dem Exportpreis Bayern werden kleine Betriebe gewürdigt, die es dank besonderer unternehmerischer Leistung geschafft haben, ihre "Made in Bavaria"-Produkte weltweit erfolgreich zu vertreiben. Und das Kriterium "weltweit" trifft bei Weatherdock eindeutig zu. Rund 80 Prozent der Produkte werden nämlich im Ausland abgesetzt – von Norwegen bis Südafrika, von der Karibik bis nach Asien.

Die Aktiengesellschaft entwickelt und vertreibt Sicherheits- und Navigationselektronik auf UKW-Funkbasis (AIS), wie sie als Ortungssystem in der Schifffahrt eingesetzt wird. Das ist eine Art Radar, mit dem auf elektronischen Seekarten die Position von Schiffen erkennbar wird, die auf einer UKW-Frequenz entsprechende Signale aussenden. In der Regel sind das größere Berufsschiffe wie Frachter oder Fähren. Zusätzlich werden auch wichtige Daten übermittelt wie Abmessung, Beladung, Geschwindigkeit oder der Name des Kahns.

Und seit einigen Jahren ist AIS auch bei privaten Sportschiffern angesagt — eine Chance für Weatherdock. Die Firma entwickelte entsprechend abgespeckte Geräte — "und die schlugen am Markt ein wie eine Bombe", erinnert sich Alfred Kotouczek-Zeise, der Vorstandssprecher des schon 2008 mit dem IHK-Gründerpreis ausgezeichneten Unternehmens. Neben ihm leiten auch noch Jürgen Zimmermann und Wolfgang Werner die Geschicke des Nürnberger Betriebes.

Die drei haben vieles gemeinsam. Sie waren zusammen beim Diehl-Konzern in leitender Stellung und verspürten den Wunsch, ihre Energie und Kreativität ungebremst von Konzernstrukturen zur vollen Entfaltung zu bringen. Sie haben alle drei ein Faible für Elektronik. Und sie waren irgendwann dem Wasser verfallen, sei es als Segler oder bei der Marine.

An einem lauen Sommertag entstand dann in einem Biergarten die für Manager im Alter von damals 41 und 47 Jahren nicht ganz alltägliche Idee, die Fesseln eines zwar sicheren, aber hemmenden Arbeitsplatzes bei Diehl abzustreifen. Nebenher entwickelten sie einen Wetterdatenempfänger auf Basis klassischer Funkfrequenzen, der auf dem offenen Meer fernab von den nur küstennah funktionierenden Handynetzen arbeiten sollte.

Weltweit im Einsatz

Der allerdings war, um es nett zu formulieren, kein großer Renner. Und die drei überlegten schon, ihr Abenteuer zu beenden. Doch dann kam der AIS-Boom und mit ihm der geschäftliche Erfolg. Der Umsatz sprang von 700 000 € im Jahr 2009 auf jetzt über vier Mio. Euro. Die Geräte, die in Nürnberg entwickelt und geprüft und von Partnerunternehmen gebaut werden, sind inzwischen fast überall auf der Welt im Einsatz.

Und das Kuriose: Obwohl Weatherdock einst in der Nische der privaten Sportschiffer begonnen hat, weil der Markt der Großgeräte für die Profis schon besetzt war, überwiegt bei den Abnehmern inzwischen die kommerzielle Schifffahrt. Ein Grund: Die kleine Nürnberger Firma kann mit ihren inzwischen 22 Mitarbeitern blitzschnell auf spezielle Kundenanforderungen reagieren. Und die Weatherdock-Ingenieure haben das Ausgangsprodukt weiterentwickelt und so völlig neue Kundenkreise erschlossen.

Neue Märkte erschlossen

Dazu gehören beispielsweise Fischer im fernen afrikanischen Mauretanien. Deren kleine Boot sind mit Sendern der Nürnberger Tüftler ausgestattet, denn damit kann nicht nur Leben Schiffbrüchiger gerettet werden. Die örtlichen Aufsichtsbehörden können damit auch überwachen, wer wann und wo wie viele Fische gefangen hat und so die Einhaltung der vereinbarten Fischfangquoten überwachen. Die Fischer können mit den Trackern des Preisträgers nachweisen, dass ihre Fische nachhaltig gefangen wurden – und damit in der EU verkauft werden dürfen.

"Die Preisträger beweisen", so Minister Aiwanger beim Festakt, dass auch kleine Unternehmen großartige Erfolge auf den Weltmärkten erzielen können". Mit zum Teil sehr kleinen Teams hätten die Preisträger neue Märkte im Ausland "mutig, schnell und mit bayerischem Charme erschlossen". 

Klaus Wonneberger

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