Montag, 17.12.2018

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Teures Nahverkehrs-Ticket: Singles sind nicht vorgesehen

Fränkischer Albverein protestiert: Notgedrungen müssen alleinstehende Wanderer bis zu 19,70 Euro zahlen - 22.07.2018 18:02 Uhr

Mit Schirm, Charme — und teurem Tagesticket-Plus: Die Wandergruppe um Klaus Reith (Mitte) würde gerne preisgünstiger in die Hersbrucker Schweiz fahren. © Foto: Günter Distler


"Durch das malerische Schottental" oder "Das Püttlachtal, eine Perle der Natur" heißen die geführten Touren, die der Nürnberger FAV seinen Mitgliedern mehrmals die Woche anbietet. Kostenlos, und doch ein teurer Spaß. Zumindest für Alleinstehende, für die das Tagesticket-Plus (für zwei Erwachsene und vier Kinder unter 18) je nach Tarifstufe bis zu 19,70 Euro kostet. Ob sie wollen oder nicht. Ein Single-Ticket für die Region hat der VGN nämlich gar nicht im Angebot.

Immer, wenn sich die vorwiegend älteren Ausflüglerinnen (Männer sind in der Minderheit) in der Mittelhalle des Hauptbahnhofs mit Rucksack, Bergstiefeln und Laufstöcken zusammenfinden, stellt sich die leidige Ticketfrage. "Viele bleiben daheim, weil es ihnen zu teuer ist", sagt Wanderführer Norbert Buster, der jetzt einen Brandbrief an die CSU-Fraktion im Rathaus geschrieben hat: Das teure Tagesticket-Plus sei für Menschen mit durchschnittlicher oder geringer Rente einfach kein Angebot.

Buster: "Frauen haben oft nur 600 Euro zum Leben." Sich erst bei der Abfahrt im Hauptbahnhof für ein gemeinsames Plus-Ticket zusammenzufinden, sei meist nicht machbar: "Die Leute müssen irgendwie zum Hauptbahnhof kommen." Der FAV-Mann hält die Preispolitik für diskriminierend und sagt: "Von den 4000 Mitgliedern des Albvereins sind 3000 alleinstehend und über 60."

Der VGN hat das Tagesticket-Solo für den Großraum 1999 wegen mangelnder Nachfrage abgeschafft. Nur noch in den Städten wird es seither angeboten. Wer die Reise paarweise antritt, kommt definitiv besser weg. Statt 19,70 Euro werden dann pro Kopf nur 9,85 Euro fällig. Preise, von denen Wanderbegeisterte wie Patricia Jousse, die heute mit den anderen von Hohenstadt über Eschenbach nach Pommelsbrunn laufen will, nur träumen kann.

Wandern mit Kassenzuschuss?

Jousse: "Wer einsam daheim sitzt, wird krank. Wir aber bekommen Zuneigung, Austausch und bleiben fit." Ihrer Meinung nach müssten die Krankenkassen sogar einen Zuschuss zu den Fahrtkosten geben. Regina Simonis aus Eibach ist manchmal an drei Tagen die Woche mit dem FAV unterwegs. Eine MobiCard für Singles, die schon vor 9 Uhr gilt, wäre ihr Traum. Denn Wanderer stehen früh auf.

Manche Gruppen legen Geld zusammen, um Benachteiligte zu unterstützen. Nicht immer klappt das, sagt Wanderführer Klaus Reith, der jetzt in der Mittelhalle zum Aufbruch treibt. Und ein geteiltes Tagesticket-Plus könne auch zum Streit führen: "Die eine will noch in den Biergarten, die andere schnell nach Hause."  

c.s.

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