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Top-Duelle und viele Rückschläge

Zehn Jahre Challenge Roth – ein Rückblick - 06.07.2011 18:08 Uhr

Die Quelle und die Deutsche Post waren zwei treue Hauptsponsoren und prägten bis zur Quelle-Insolvenz das Erscheinungsbild in Roth. © Mark Johnston


„So einen knappen Spurt habe ich noch nie erlebt“, sagte Leder, der vierfache Roth-Sieger. Das Bild vom Zielsprint ging um die Welt. Der Challenge Roth wurde mit einem Schlag erwachsen, hatte sich von der Ironman-Konkurrenz, einem ebenfalls kommerziellen Triathlon-Veranstalter, emanzipiert.

In diesem Jahr feiert der Challenge Roth am 10.Juli sein zehnjähriges Bestehen. Zehn Jahre, in denen der Langdistanz-Triathlon viele Höhen und Tiefen durchgemacht hat. „Es war nicht immer leicht“, bestätigt Rennleiter Felix Walchshöfer, der mit seiner Familie inzwischen ähnlich wie beim Ironman eine Serie an Rennen rund um den Globus etabliert hat. In Neuseeland und Australien finden genauso Challenge-Rennen statt wie im Kraichgau und Elsass sowie in Spanien, Dänemark und Großbritannien. 13 Wettkämpfe über die Mittel- sowie die Langdistanz gibt es. „Wir stützen damit auch unser Hauptrennen in Roth“, erklärt Walchshöfer.

Das Bild ging um die Welt: Nach einem sensationellen Endspurt überquerte Lothar Leder 2003 drei Sekunden vor Chris McCormack die Ziellinie. © Karlheinz Daut


Im Jahr 2001 hatte der bisherige Ironman-Veranstalter Detlef Kühnel, der 1982 selbst unter den ersten deutschen Triathleten beim legendären Rennen auf Hawaii am Start war, die Ironman-Lizenz für Roth zurückgegeben. Unverschämt teuer und zu stark reglementiert fand er die Vorgaben der World Triathlon Corporation. Er überließ das Feld in Roth deshalb seinem langjährigen Sprecher Herbert Walchshöfer, der seine Idee mit dem unabhängigen Challenge Roth umsetzte. „Der Mythos Roth bleibt ja erhalten, die Größe der Veranstaltung und die Begeisterung der Zuschauer ebenso“, hatte Herbert Walchshöfer damals gesagt. Die beiden Hauptsponsoren, die Quelle und die Deutsche Post, machten weiter.

„Gerade am Anfang war es für uns nicht leicht, gegen den übermäßig starken Ironman anzustinken“, meint sein Sohn Felix Walchshöfer rückblickend. Die Teilnehmerzahlen sind zurückgegangen, weil sich die Athleten beim Challenge Roth nicht mehr für Hawaii qualifizieren konnten. Mit 1200 Einzelstartern und 150 Staffeln startete die Premiere des Quelle Challenge Roth im Jahr 2002. Innerhalb eines Jahres wurde diese Zahl verdoppelt. Inzwischen ist die „Herausforderung“, was Challenge übersetzt heißt, mit 2800 Einzelstartern plus den beim Ironman nicht zugelassenen Staffeln jedes Jahr ausverkauft. 40 Prozent der Athleten kommen aus dem Ausland. Zum zehnjährigen Jubiläum neu dabei ist ein Starter aus Angola. Der Challenge Roth wurde von den Triathleten, aber auch von den bis zu 150000 Zuschauern an den Rennsonntagen gut angenommen.

Staffelübergabe: Ironman-Veranstalter Detlef Kühnel (links) übergab an Challenge-Erfinder Herbert Walchshöfer, der im Oktober 2007 starb. © Thomas Langer


Es gab allerdings auch Rückschläge: anfangs einen heftigen Streit mit dem Ironman Germany in Frankfurt am Main, wohin die deutsche Lizenz verkauft worden war. Dies gipfelte beim ersten Ironman in Hessen in der absurden Behauptung, die Rother hätten auf die Radstrecke Reißnägel gestreut. Die beiden Veranstalter konkurrierten um die Topathleten, um Sponsoren, um Fernsehzeiten und um den Anspruch, was die bedeutendere Veranstaltung in Deutschland ist. Selbst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schlug sich auf die Seite der Franken und titelte: „Triathlon in Roth ist wie Tennis in Wimbledon“. Heute leben beide weitgehend friedlich nebeneinander.

Den größten Rückschlag gab es allerdings, als Herbert Walchshöfer schwer erkrankte. Er verbrachte viel Zeit in verschiedenen Krankenhäusern, von wo aus er auch weiterhin per Laptop Ideen für seinen Challenge erarbeitete. Der frühere Verlagskaufmann der NZ erhielt schließlich einen neuen Lungenflügel. Nach der Transplantation ging es zunächst bergauf. Einen lang anhaltenden Applaus erhielt Herbert Walchshöfer, als er auf den Festplatz zurückkehren konnte und im Zielbereich am Rother Festplatz eine kurze, ergreifende Rede hielt. Doch es folgten Rückschläge. Im Oktober 2007 starb Herbert Walchshöfer. Seine Familie mit Frau Alice, Sohn Felix und Tochter Kathrin leiten die GmbH bis heute.

Chrissie Wellington stellte zwei Weltbestzeiten auf. © Salvatore Giurdanella


Zu gerne hätte Herbert Walchshöfer sicherlich die Weltbestzeit der Holländerin Yvonne van Vlerken 2008 und die beiden Weltbestzeiten der Britin Chrissie Wellington aus den Jahren 2009 und 2010 miterlebt. Mit ihrer Zeit von 8:19:13 Stunden unterbot die dreifache Hawaii-Siegerin ihren eigenen Rekord im vergangenen Jahr erneut. Chris McCormack, dem wie Lothar Leder vierfachen Roth-Sieger, ist dies bei den Männern trotz mehrfacher Versuche nicht geglückt.

„Das Duell zwischen ihm und Lothar Leder bleibt unvergessen“, meint Felix Walchshöfer. Leder ist 2003 im Dress des Hauptsponsors Deutsche Post, McCormack in dem des Titelsponsors Quelle angetreten. Auch beim Sponsoring gab es für den Challenge einen Rückschlag: Mit der Insolvenz des Versandhauses endete die langjährige Zusammenarbeit. 

Markus Kaiser

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