23°

Mittwoch, 15.08.2018

|

Veitsbronner Erdbunker als Mahnmal

Gemeindeheimatpfleger möchte zum 70. Jahrestag des Kriegsendes ein Zeichen setzen - 10.02.2015 13:00 Uhr

Seitliche Stützwände und massive Holzbalken als Deckenkonstruktion: Eine Aufnahme vom Bunkerbau in Veitsbronn.


Es muss eine schweißtreibende Plackerei gewesen sein. In wochenlanger Handarbeit, mit Schaufel und Pickel, hoben Veitsbronner Bürger Anfang der 1940er Jahre Erdbunker aus. Entweder wurde in schwerem Lehmboden ein Loch in einen Hang getrieben und ein Raum ausgeschachtet, oder man grub nach unten in den Boden und stützte die Wände mit Balken ab. Rundhölzer bildeten die Decke, die wieder mit Erde verfüllt wurde. Im Ortsbild fallen die Bauten heutzutage nicht auf.

Historische Filmaufnahmen

Für den Fotografen posieren eine Frau und drei Kinder vor dem Unterstand in der Puschendorfer Straße, die Gasmasken waren immer dabei. © Fotos: privat


Doch es gibt nicht nur historische Fotos, aufgenommen vom damaligen Lehrer Andreas Frühwald, sondern sogar einen Film, gedreht von Pfarrer Wilhelm Haußmann. Auf den nur wenige Minuten langen Sequenzen sind die Arbeiten am Bunker an der Obermichelbacher Straße dokumentiert. Zu sehen ist unter anderem Hildegard Christl. Die damals 14-Jährige steuert einen Traktor mit Anhänger – beladen mit dem Erdaushub, der auf den Feldern verteilt wurde.

Dabei ereignete sich eine dramatische Szene. Bei der Fahrt bergab wollte das Mädchen einen Gang herunterschalten, was aber misslang. Im Leerlauf rollte das schwer beladene Gespann, das nicht mehr abzubremsen war, auf ein Haus zu. Ein junger Franzose, Fernand Lavollé, der als Kriegsgefangener in der Landwirtschaft in Veitsbronn arbeiten musste, sprang geistesgegenwärtig auf den Schlepper und brachte das Gefährt noch rechtzeitig zum Stehen. Damit sei zumindest ein schwerer Unfall verhindert worden, sagt Strunz. Seine Schwiegermutter, die den Traktor steuerte – heute 87 Jahre alt – ist sogar der Meinung, dass ihr der Mann das Leben rettete.

Der Film – inzwischen digitalisiert – ist ein einmaliges Dokument, jedoch, auch altersbedingt, von sehr schlechter Qualität. Während eines Fliegeralarms filmte der Ortsgeistliche sogar, wie Menschen zum Bunker kamen, um Schutz zu suchen. Auf Leiterwagen türmten sich Federbetten und andere Habseligkeiten, nicht zu vergessen Proviant – und Gasmasken.

Meist flogen die Bomberflotten über die Zenngrundgemeinde hinweg, die tödliche Last galt Nürnberg. Veitsbronn war weder Verkehrsknotenpunkt, noch existierte am Ort kriegswichtige Industrie. In Richtung Bernbach gab es eine Flakstellung mit Scheinwerfern und Geschützen. In Kreppendorf befand sich ein sogenannter „Scheinflughafen“. Unterstände und Flugzeugattrappen aus Holz sollten die alliierte Luftwaffe narren, doch die ließ sich nicht in die Irre führen. Ein Angriff auf Veitsbronn ist dokumentiert. Am 11./12. August 1943 fielen Bomben – ob aus Versehen, oder weil sich die Piloten auf dem Rückflug ihrer explosiven Fracht entledigen wollten, ist nicht bekannt. Dabei traf es das Haus von Hans Jakob, wo die Einheimischen sich mit „Woll- und Schnittwaren“ versorgten. Das Gebäude brannte aus.

Alfred Strunz kennt neben dem Unterschlupf an der Schmiedsgasse im Veitsbronner Gemeindegebiet noch weitere Orte, an denen sich solche Unterstände befanden: zwei in der Puschendorfer Straße, einer in der Obermichelbacher Straße und am Auracher Weg. Letzterer ist in den Fokus des Gemeindeheimatpflegers gerückt. Als Kind spielte Strunz in den 60er Jahren noch mit Freunden in dem Unterstand, wenig später wurde der Bau aus Sicherheitsgründen verschlossen.

Ganz losgelassen hat er den Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins aber nie. Dank der Hilfe der Gemeinde wurde der Bunker im vergangenen Jahr mit einem Bagger geöffnet und kurz untersucht. Der Raum — rund 15 Meter lang, zwei bis fünf Meter tief und ebenso breit – habe die Form eines Autos, sagt Strunz, und sei in gutem Zustand.

Er würde den Bunker gerne als Denk- und Mahnmal für die Öffentlichkeit erhalten. Als Mitglied beim „Denkmalnetz Bayern“ weiß er aber, wie schwer es sein Metier hat: „Viele interessante, heimatpflegerisch wichtige und geschichtlich bedeutsame Projekte können nicht realisiert werden, weil gemeindliche oder städtische Entscheidungsträger dem keinerlei Bedeutung zumessen.“ Bemerkbar macht sich das beim Geld. „Teilweise“, sagt Strunz, „geht die Bereitstellung von Mitteln gegen Null.“ Im November hat der Heimatpfleger einen Antrag bei der Gemeinde eingereicht. Der Weg zu dem Unterstand müsste befestigt, der Eingang mit einem Gitter verschlossen und eine Info-Tafel aufgestellt werden.

Kircheninventar versteckt

Freuen würde sich Alfred Strunz auch, wenn er, wie schon häufig in seiner siebenjährigen Amtszeit, Unterstützung von den Bürgern bekäme. Gibt es noch Veitsbronner, die etwas über den Bunker am Auracher Weg wissen? Wer suchte dort Schutz? Wie wurde er nach dem Krieg genutzt?

Aktuell ganz sicher nicht mehr als Schatzkammer. Die inzwischen verstorbene Mesnerin der evangelischen Kirche hatte Strunz erzählt, dass hier am Kriegsende wertvolles Kircheninventar versteckt war. Raubgräber können die Metallsonde übrigens stecken lassen. Die Dinge haben ihren angestammten Platz längst wieder eingenommen.

Alfred Strunz, Tel. 97 79 44 88, E-Mail: alfred.strunz@heimat-bayern.de. Informationen werden auf Wunsch vertraulich behandelt. 

Harald Ehm

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de