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Verein Arabisches Museum will Klarheit über Volksbad-Nutzung

Projekt kommt ohne klare vertragliche Basis nicht in Gang - 13.08.2012 07:22 Uhr

Zuletzt nutzten Skateboardfahrer und BMXer das seit vielen Jahren leerstehende Volksbad. Der Verein Arabisches Museum möchte einen Großteil des Volksbads für ein Begegnungsmuseum umbauen. © Günter Distler


Mayer und seine Mitstreiter im Verein möchten ein aus Spenden finanziertes Arabisches Museum gründen, das große Teile des Volksbads wiederbeleben könnte. Informell hat der professionelle Spendensammler schon Spendenzusagen in Höhe von zehn Millionen Euro aus der Golf-Region.

Aber ohne eine klare vertragliche Basis kommt das Projekt nicht in Gang, und es können weder Raumprogramm noch Bauabschnitte festgelegt werden. Solange in der Werbebroschüre kein bestimmter Ort für das Museum angegeben ist, solange ist es nicht möglich, Spenden zu sammeln, klagt Mayer. „Sollte die Stadt bis Ende 2012 keine klare Aussage treffen, dann wird das Arabische Museum in München oder Berlin entstehen.“

Ein Grund, warum die Stadt bremst, ist das Thema Israel. Für Mayer passt die Geschichte dieses Landes nicht richtig zu dem Ausstellungskonzept. „Das ist nicht unser wichtigstes Thema.“ Oberbürgermeister Ulrich Maly pocht offenbar aber darauf, dass der Verein das Existenzrecht Israels explizit anerkennt, bevor über das Museum konkret verhandelt wird. Der OB möchte auch wissen, wie der Verein zum Arabischen Frühling und den Entwicklungen in Nordafrika steht.

Mayer kann das Verhalten des OB nicht verstehen: „Wir haben ihm einen Brief geschrieben, dass wir bei einer Veranstaltung mit der IHK uns mit dem Arabischen Frühling beschäftigt haben.“ Auch habe Maly die Zusage, dass der Verein das Existenzrecht sowohl Israels als auch Palästinas anerkennt, schriftlich.

Der Verein poche auch auf die Friedenspflicht für beide Staaten. „Eine Antwort haben wir aber noch nicht bekommen“, stellt Mayer fest. OB Maly hält dagegen die brieflichen Äußerungen des Vereins Arabisches Museum bislang nicht für zufriedenstellend.

In dem besagten Brief wurde nur auf eine Veranstaltung mit einem diffusen Programm hingewiesen. „Ich sehe das aber entspannt. Wir müssen einfach weiter miteinander reden“, sagt Maly und hofft, dass es bis Ende des Jahres zu einer Lösung kommt. Den Fraktionsvorsitzenden im Rathaus wurde das Projekt schon vorgestellt, und die Reaktionen seien positiv gewesen, so der Schatzmeister.

Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen

Mayer und seine Mitkämpfer haben in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen für die Einrichtung eines Museums im seit Mitte der neunziger Jahre leerstehenden Volksbad überprüfen lassen. Die Gutachter aus Stuttgart seien zu dem Ergebnis gekommen, dass das Museum reinpassen würde. „Sie haben aber auch viele Schäden entdeckt, die dringend behoben werden müssen“, stellt Mayer fest. Von den vorhandenen 82 Räumen würde das Arabische Museum aber nicht alle nutzen können. „Eine Halle abzutrennen, ist aber kein Problem.“

„Die Nutzung des Volksbads als Arabisches Museum soll nicht zu Lasten des Nürnberger Steuerzahlers gehen“, legt sich Mayer fest. Er geht von einer Investitionssumme von mindestens 30 Millionen Euro aus. Es soll auch kein klassisches Museum werden. „Es geht nicht um alte Vasen und Tonscherben. Die kann man für Veranstaltungen ausleihen.“ Es gehe vor allem um Wissensvermittlung mit interaktiven Methoden, um zu zeigen, wie stark die arabischen Wurzeln Europas sind und wie eng die hiesigen Unternehmen mit der arabischen Welt verflochten sind.

Mit dem Wissen wachse auch das Verständnis. Nach einer Statistik der IHK haben 850 Firmen in der ganzen Region Kontakte in die arabische Welt. Immer mehr hiesige Arbeitsplätze würden vom Export abhängig sein. Mayer hofft deshalb auch, dass diese Unternehmen sich engagieren. Der Verein hat in den vergangenen Jahren schon Ausstellungen zu den Themen Kaffee oder Karawane durchgeführt. Mayer möchte mit dem Museum Veranstaltungen zu den Themen Energie und Wasser durchführen: „In jedem Fall nichts Politisches."

Der Verein, so das Konzept, soll mit Spendengeldern zu einer Stiftung ausgebaut werden. Betreibergesellschaften könnten dann für das Museum, ein Hotel, ein Restaurant oder gar für eine Schwimmhalle gegründet werden. „Es ist eine Riesenchance für Nürnberg“, so Mayer.

In einem Dialogzentrum sollen sich Unternehmer und Wissenschaftler treffen. Das Museum wäre nicht nur für den deutschen und den arabischen Raum interessant, sondern auch für Spanier und Türken. Nach einer Marktstudie für das Museum geht man von bis zu 100000 Besuchern pro Jahr aus. 

André Fischer

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