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Was Michael Herbig und Co. zu "Hotel Lux" sagen

"Bully hat ganz genau hingeschaut" - 24.10.2011 17:45 Uhr

Und? Hätten Sie sie erkannt? Michael "Bully" Herbig (links) und Jürgen Vogel nicht etwa bei der Pressekonferenz, sondern in einer Szene des Films "Hotel Lux", der übermorgen in den Kinos startet. © Bavaria


Wie sind Sie auf die Idee für „Hotel Lux“ gekommen?

Leander Haußmann: Die Grundidee war nicht von mir, die war von Helmut Dietl. Das liegt glaube ich fünfzehn Jahre zurück. Er hatte von einem Schauspieler im Nationalsozialismus gehört, der mit erhobener Hand die Bühne betreten und gesagt hatte: So hoch liegt heute der Schnee. Und da sagte Dietl: Man müsste mal einen Film über so eine Figur machen, die später in dem Moskauer Hotel Lux landet und dort Abenteuer erlebt.

Wie ist das, wenn man in diesem Hitler-Kostüm steckt: Denkt man dann an Charlie Chaplin und lacht, oder ist das ein merkwürdiges Gefühl?

Jürgen Vogel: Wir wussten ja, dass wir Schauspieler spielen, die Hitler und Stalin parodieren. Das hilft ungemein. Da hatten wir auch diese tolle Tanznummer, die für uns ein Einstieg war. Also waren wir nicht blockiert.

Bully Herbig: Es gab ja auch diese Szene, wo Hans Zeisig kostümiert über den Berliner Ku’damm läuft, und da haben wir tatsächlich gedreht, nachts. Es gibt Angenehmeres.

Bis wann konnte man denn im Berlin der 30er Jahre politisches Kabarett betreiben?

Haußmann: Das Kabarett in Berlin war lange tätig, länger als man denkt. Nach dem Reichstagsbrand und den darauf folgenden Ermächtigungsgesetzen war es natürlich vorbei. Aber jemand wie Werner Fink war noch lange in den Katakomben tätig.

Bully, früher waren Sie ja immer so eine Einmann-Filmfabrik. Wie war es in der ungewohnten Rolle, nur zu spielen?

Herbig: Ich hatte das bereits unter der Regie von Josef Vilsmaier mit dem Brandner Kaspar gemacht. Ich mag dieses Gefühl, es ist sehr entspannend, wenn man nur dasitzt und keine Verantwortung übernehmen muss. Ich kenne ja die andere Seite: Wenn es Probleme mit dem Licht, dem Wetter oder der Technik gibt, verfalle ich nicht in Ungeduld oder tobe herum. Ich sitze da und warte, bis ich dran bin.

Haußmann: Entschuldigung, er stellt sein Licht da gerade sehr unter den Scheffel. Die Besetzung stand ja relativ früh fest. Das war beim Schreiben natürlich sehr hilfreich, dass Bully diese Szenen spielen würde. Ab da lief dann die Interaktion, dass ich ihn abends angerufen habe und ihm Szenen vorgelesen habe.

Herbig: Nachts, nachts. (lacht)

Haußmann: Das hat sich bis in die Dreharbeiten fortgesetzt. Bully ist schon jemand, der sich sehr für das Gesamtprodukt einsetzt, der Jürgen übrigens auch, aber jeder auf seine Weise. Bully hat schon sehr genau drauf geachtet, dass das in Ordnung geht und hat sich abends die Muster auch viel genauer angeschaut als ich. Die eine Szene im Bett mit den beiden Männern und der Frau stimmte im Drehbuch noch nicht so ganz und ist dann in Co-Produktion mit allen Schauspielern entstanden. Der Bully bringt sich schon sehr ein, aber ich mag das.

Wie wollen Sie dieses komplexe historische Thema einem heutigen Publikum vermitteln?

Herbig: Es kann etwas erwarten, was es wahrscheinlich nicht erwartet hat. „Hotel Lux“ ist ganz anders, als alles, was ich bisher gemacht habe, die Leute werden keinen „Schuh des Manitu“ bekommen und keinen „Wickie“. Ich glaube, dass der Film die Stärke hat, die Leute trotz des ernsten Hintergrunds zu unterhalten. Es wäre wahrscheinlich leichter gewesen, aus diesem Thema ein Drama zu machen. Der Weg von Leander Haußmann war ein sehr viel steinigerer.

Haußmann: In diesem Hotel ist praktisch der Ostblock entstanden, und der hat ja nicht nur mit dem Osten zu tun, sondern auch mit dem Westen. Ich glaube, dass die Leute nicht dumm sind und dass sie so etwas von Hause aus auch interessiert.

Bully, wie lange haben Sie gebraucht, um das Russisch im Film zu lernen?

Herbig: Es ist nichts hängen geblieben. Wir hatten eine etwas ältere, strenge Russischlehrerin, und ich habe das einfach phonetisch gelernt. In den Russischstunden habe ich manchmal dem Regieassistenten heimliche SMS geschickt, nach dem Motto: Hol mich hier raus! Nach einer Stunde ist das Hirn voll. Und beim Drehen ist es schwierig, weil du es natürlich nicht verstehst. Das Einzige, was ich behalten habe, ist „Spassibo“ (danke).

„Hotel Lux“ startet an diesem Donnerstag in den Kinos. 

Aufgezeichnet von Kira Taszman

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