Samstag, 17.11.2018

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«Wir sind in allen Bereichen optimal besetzt»

Neuer Equipe-Teamchef Jochen Dornbusch im Interview: - 13.12.2008

Führungswechsel: Bundestrainer Jochen Dornbusch (links) bei der Amtsübernahme mit seinem Vorgänger Jens Zemke. Bei der Equipe Nürnberger weht nun ein schärferer Wind. Archiv-Foto: NZ


NZ: Wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz in Ihrem neuen Aufgabenbereich aus?

Jochen Dornbusch: Ich bin sehr zufrieden, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Equipe Nürnberger Versicherung in ihrer neuen Besetzung noch schlagkräftiger ist als in den Vorjahren. Was mich am meisten freut, ist die Tatsache, dass diese Mannschaft nun wirklich in allen Bereichen optimal besetzt ist. Wir haben starke Sprinterinnen, exzellente Bergfahrerinnen, vielseitige Allrounderinnen und Top-Fahrerinnen für die schweren Rundfahrten.

NZ: Sie haben einige junge Fahrerinnen mit in die Mannschaft gebracht, die in der «U 23»-Konkurrenz und vorher bei den Juniorinnen bereits ihre Klasse und ihren Ehrgeiz nachhaltig bewiesen haben. Werden sie im Gesamtprogramm besonders berücksichtigt?

Dornbusch: Ich sehe meine Aufgabe natürlich auch darin, hier eine noch stärkere Mannschaft für die Zukunft aufzubauen. Es freut mich, dass man beim Management der Equipe Nürnberger auf meine Vorschläge einging. Wir haben nun einige junge Talente neu in die Mannschaft bekommen, die ich schrittweise und sehr gezielt an größere Aufgaben heranführen möchte.

NZ: Wie sieht Ihr Vorbereitungsprogramm der Equipe für die neue Saison aus?

Dornbusch: In den letzten Wochen hatte ich ausreichend Gelegenheit, in aller Ruhe mit jeder Fahrerin zu sprechen und die individuellen Trainingspläne abzustimmen. Das erste gemeinsame Trainingslager ist im Januar auf Mallorca. Die Voraussetzungen dort sind optimal, und die Fahrerinnen fühlen sich auf der Insel schon fast wie zuhause.

NZ: Wann und wo wird die Equipe in die neue Saison starten?

Dornbusch: Nachdem es die bisherigen Weltcup-Rennen in Australien und in Neuseeland nicht mehr gibt, freuen wir uns über eine Einladung in das arabische Emirat Katar. Dort findet im Februar die Katar-Rundfahrt erstmals auch für Frauen statt. Die sehr flachen Etappen sind besonders für die Top-Sprinterinnen geeignet, wobei natürlich ein optimales Teamwork gefragt ist, um erfolgreich abzuschneiden.

NZ: Für die extrem schweren belgischen und holländischen Klassiker, die danach folgen, ist das allerdings sicher nicht die optimale Vorbereitung.

Dornbusch: Nein, natürlich nicht. Wir haben allerdings danach noch ein zweites Trainingslager auf Mallorca geplant. Dabei wird dann noch einmal ganz intensiv mit allen Fahrerinnen gearbeitet.

NZ: Seit mehr als zehn Jahren sind Sie im Frauen-Radsport zuhause und sehr engagiert. Was hat sich Ihrer Meinung nach in dieser Zeit am meisten verändert?

Dornbusch: Sehr viel. Vor allem entstanden Jahr für Jahr immer mehr hochklassige Frauenteams, die professionell ausgerüstet und geführt werden. Es gibt inzwischen auch immer mehr echte Weltklasse-Fahrerinnen. Das internationale Niveau des Frauen-Radsports ist dadurch im letzten Jahrzehnt zwar gewaltig gestiegen, doch ich sehe immer noch große Hürden, die sehr schwer zu überwinden sind.

NZ: Woran fehlt es Ihrer Meinung nach denn noch am meisten, wenn man den Vergleich zum Rennsport der Männer zieht?

Dornbusch: Das beginnt schon beim internationalen Termin-Kalender eines Jahres. Der ist bei den Männern so um die 30 Seiten lang, für die Frauen genügt dafür schon eine einzige Seite. Es ist zwar erfreulich, dass in den letzten Jahren immer wieder weitere Frauen-Teams hinzu kamen und die Szene beleben, doch ganz große Sorgen macht mir die Tatsache, dass es national und international einfach viel zu wenig Rennen für Frauen gibt. Wie soll der Frauen-Radsport da denn populärer und größer werden können?

NZ: Was muss denn getan werden, um dieses Manko endlich zu beheben?

Dornbusch: Ich blicke da nicht ohne Neid immer wieder auf den Ski- und den Biathlon-Sport. Da wird über die Wettbewerbe der Frauen im Fernsehen und in allen anderen Medien in Deutschland ebenso ausführlich und umfangreich berichtet, wie über die Wettkämpfe der Männer. Soweit müsste man auch mal mit dem Frauen-Radsport kommen, dann sind automatisch mehr Sponsoren da, die diese Sportart unterstützen und fördern.

NZ: Was ist Ihr größter Wunsch für die nächste Saison ?

Dornbusch: Natürlich wünsche ich mir möglichst zahlreiche Siege der Equipe Nürnberger, vor allem auch im Weltcup, bei den nationalen Meisterschaften und den Weltmeisterschaften. Gute Platzierungen sind zwar sehr lobenswert, doch 2009 müssen mehr große Siege her. Fragen: Manfred Marr 

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