Montag, 17.12.2018

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Anton von Rieppel führte die MAN zum internationalen Erfolg

Serie "Denker und Lenker" - 12.09.2007

Anton von Rieppel. © MAN


Seit Februar 1926 liegt er begraben auf dem Johannisfriedhof: Anton Ritter von Rieppel - dreifacher Ehrendoktor, Reichsrat der Krone Bayerns und langjähriger Vorstand der MAN. Ihm wurde ein Denkmal in der Frankenstraße gesetzt, und er gab der Rieppelstraße auf dem Hasenbuck ihren Namen. Doch wer war dieser Mann?

Steiler Aufstieg

Anton Rieppel wurde am 17. April 1852 als Sohn eines Hammerwerkbesitzers in Hopfau in der Oberpfalz geboren. Wegen der Finanznot seines Vaters verdiente sich Rieppel seine technische Ausbildung selbst. Er trat 1874 in die zur «Maschinenfabrik Nürnberg» gehörende «Süddeutsche Brückenbau AG» ein. Zwei Jahre später war Rieppel Betriebsleiter des Werks in Gustavsburg, dessen Schließung er durch umfassende Rationalisierungs- und Modernisierungsmaßnahmen abwendete. 1888 wurde Rieppel nach Nürnberg gerufen.

In der «Maschinenbau AG Nürnberg» war ihm ebenfalls ein steiler Aufstieg beschieden: Schon im folgenden Jahr wählte ihn der Aufsichtsrat zum Vorstandsmitglied. 1892 übernahm Rieppel den alleinigen Vorsitz, verbesserte kontinuierlich das Werk. Er trieb die Fertigung von Dampfmaschinen voran und weitete das Geschäft auf den Bau von Gasmaschinen und mechanischen Kälteerzeugungsmaschinen aus. Außerdem verlegte der Modernisator die Produktionsstätte von Wöhrd an die Frankenstraße. Dort konnte im Jahre 1901 die Fertigung aufgenommen werden.

Vielleicht die wichtigste Weichenstellung Rieppels war die Zusammenlegung des Nürnberger Werks mit der «Maschinenfabrik Augsburg AG» zur MAN, der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. Ende 1898 schuf Rieppel so das bedeutendste Maschinenbauunternehmen Bayerns. Freilich, ohne Johann Friedrich Klett und dessen Schwiegersohn Theodor von Cramer-Klett hätte es das Maschinenwerk in Nürnberg nicht gegeben. Auch hat Cramer-Klett das Unternehmen durch die Produktion von Eisenbahnwaggons zu seiner ersten Blüte geführt.

Fusion erreicht

Doch erst von Rieppel gelang die Fusion mit der Augsburger Maschinenfabrik. Der Verkauf nach Übersee und eine neue Gesamtorganisation besiegelten den internationalen Erfolg der MAN. Bis 1913 führte Rieppel das Maschinenbauunternehmen noch gemeinsam mit Heinrich von Buz, dem früheren Augsburger Vorstand. Danach übernahm Rieppel als Generaldirektor die Leitung des gesamten Unternehmens, bis er schließlich 1920 ausschied.

Sein «von» im Namen trägt der Techniker übrigens seit 1906, dem Jahr, in dem er geadelt wurde. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges traf die MAN und ihre Mitarbeiter hart. Allmählich wurde die gesamte Wirtschaft in die Kriegsproduktion einbezogen, die eisenverarbeitende MAN bildete da keine Ausnahme. Trotzdem etablierte Rieppel drei Schwerpunkte einer Fertigung in Friedenszeiten: den Dieselmotorenbau, den Bau und die Wiederherstellung von Brücken sowie die 1915 in Nürnberg eingeführte Lastwagenproduktion, die sich später zum wichtigsten Bereich des MAN-Konzerns entwickeln sollte.

Zu Kriegsbeginn hatte Rieppel zahlreiche Initiativen ergriffen, um die Not der zum Kriegsdienst eingezogenen Arbeiter und ihrer Familien zu lindern. So setzte er im Verband Bayerischer Metallindustrieller die finanzielle Unterstützung von Arbeitern und deren Angehörigen durch, die durch die Kriegsereignisse betroffen waren.

Er bemühte sich um eine bessere Lebensmittel- und Wohnraumversorgung der Arbeiterfamilien. Deshalb regte Rieppel die Gründung der Werderau an. Benannt ist die Siedlung aber nach Ludwig Werder, dem technischen Leiter der MAN. 

Astrid Menhardt

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