Dienstag, 20.11.2018

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Nürnberger Autopionier erfand Automatik mit

Ludwig Maurer prägte die Frühzeit des Pkw mit - Um Jahrhundertwende wichtigster Hersteller der Stadt - 25.02.2009

Matthias Murko, Leiter des Museum Industriekultur, hinter einem Maurer-Union Reise- und Sportwagen aus dem Jahr 1902, der es auf immerhin 4,3 PS und 35 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit brachte.


Ein gesundes Selbstbewusstsein mussten die frühen Autopioniere im ausgehenden 19. Jahrhundert zweifelsohne mitbringen. «Ein Auto wurde seinerzeit in Nürnberg nicht nur bestaunt, sondern oft auch als ,Teufelszeug‘ gebrandmarkt», erklärt Matthias Murko, Leiter des Museum Industriekultur.

Zum Glück aber hielt sich Ludwig Maurer allem Anschein nach nie lange mit Selbstzweifeln auf - und gilt so heute als einer der größten Nürnberger Fahrzeugpioniere und Mit-Erfinder des Automatikgetriebes. «Zu uns Kindern war er immer sehr großzügig. Aber er war auch überzeugt davon, dass nur so wie er es macht, es richtig ist»: Eleonore Bauer, heute 83 Jahre alt, erinnert sich noch genau an ihren Großvater Ludwig.

1873 im Allgäu geboren, kommt der über einen dreijährigen Zwischenstopp in der Münchener Motorradfabrik Hildebrand & Wolfmüller 1898 nach Nürnberg - und verliert keine Zeit: Noch im gleichen Jahr gelingt ihm der große Wurf. Zusammen mit einem Gehilfen konstruiert er sein erstes eigenes Auto.

«Das Besondere an dem Wagen war die stufenlose Kraftübertragung vom Motor auf die Hinterachse durch ein Reibrad», erläutert Murko. «Das ist quasi ein Vorläufer heutiger Automatikgetriebe - das kann man nicht hoch genug würdigen.» Mit dieser Erfindung in der Tasche gründet Maurer 1899 die erste Autofabrik Nürnbergs, die 1900 den Namen «Nürnberger Motorfahrzeugfabrik Union, System Maurer GmbH» erhält. «Von den drei Auto-Herstellern in Nürnberg - Mars, Victoria und Maurer - war er der wichtigste», sagt Murko.

Ein Massenverkehrsmittel war das Auto freilich noch längst nicht. «Dauernd ist etwas kaputt gegangen, es war ein elendes Gehoppel und Geholper», beschreibt es der Museumsleiter anschaulich. Bei einem durchschnittlichen Arbeitermonatslohn von 30 Goldmark (GM) war ein Auto mit 4000 bis 6000 GM zudem ausgesprochen teuer, zumal Fahrräder schon für 100 GM zu haben waren.

Geschätzt 60 Wagen im Monat verließen das Maurer-Werk in Hochzeiten. «Das war ziemlich viel», erzählt Murko. 1907 fing Maurer sogar an, deutschlandweit als einer der ersten Lkw zu bauen. Den Erfolg lange genießen indes durfte er nicht. Nach einem Zerwürfnis mit seinen damaligen Geldgebern - die genauen Gründe sind heute unbekannt - muss der Erfinder, der sich ungern in sein Werk reinreden ließ, sein eigenes Unternehmen verlassen. Das schließlich stellt 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Autobau ein.

Maurer selbst bleibt der Technik jedoch verbunden. 1919 beginnt er wieder mit dem Bau von Motorrädern. Der ganz große Erfolg ist dem Unternehmer diesmal allerdings verwehrt, obgleich zum Beispiel mit einem der ersten Zwei-Zylinder-Motorräder 1923 erneut technisch anspruchsvolle Modelle gelingen. «Ende der 20er-Jahre war dann endgültig Schluss», so Murko. Statt selber zu bauen, verkauft Maurer nun nur noch Autos, unter anderem von Opel.

1936 stirbt der Mit-Erfinder des Automatikgetriebes. Den Autohändler Maurer aber gab es noch bis 1971 in Nürnberg - fortgeführt von seinen Söhnen. 

Gregor Le Claire (Text) und Stefan Hippel (Fotos)

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