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Privatbrauerei aus Forchheim wächst beständig

Der Griff zum Greif hat Tradition - 29.01.2012 13:00 Uhr

Die Greif-Bräu wird aus Familientradition gebraut. Die Braumeister Christian Schuster senior (li.) und Sohn Christian brauen derzeit mit ihrem neunköpfigen Team gute 13000 Hektoliter Bier im Jahr – Tendenz stark steigend. © Sebastian Linstädt


Heute ist die Greif-Bräu die größte der vier Forchheimer Privatbrauereien. Mitverantwortlich für diese Weichenstellung war der Umzug in einen Neubau, der 1953 abgeschlossen wurde. Seit dieser Zeit befinden sich die Brauerei und die Schankwirtschaft direkt an der Ringstraße, die auf dem alten Kanal gebaut wurde – eine strategisch wichtige Entscheidung: Nach dem Krieg entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft Neubauviertel, die der Brauerei einen direkten Absatzmarkt bescherten.

„Unser Absatzschwerpunkt war schon immer Forchheim Stadt und Land“, sagt Christian Schuster senior, der seit 1976 Braumeister bei Greif ist. Neben der Schankwirtschaft trage gerade auch der Bierkeller am Kellerberg maßgeblich zum Absatz vor Ort bei. „Allerdings lässt sich auch feststellen, dass die Leute heute weniger Bier trinken als früher“, beobachtet Schusters Sohn Christian junior, der seit 2006 Braumeister ist und seit dieser Zeit tatkräftig im Familienbetrieb mitmischt. Beide Schusters sind sich einig, dass immer weniger in der Wirtschaft und dafür mehr daheim getrunken wird. „Das Rauchverbot macht sich da natürlich auch bemerkbar“, sagt Schuster senior.

Außerdem führe die Marktkonsolidierung, bei der immer mehr mittelständische Brauereien von den großen Bier-Konzernen übernommen werden, zu einer drastischen Preispolitik: „Früher konnte das Bier nicht teuer genug sein, aber heute fahren die zum Teil Kampfpreise, da können wir einfach nicht mithalten“, sagt Schuster senior.

Grund zur Klage gibt es bei Greif dennoch nicht: Der Privatbrauerei kommt in den letzten zehn bis 15 Jahren ein Trend zugute, von dem viele Kleinbrauereien in Franken profitieren: „Das Bier aus der Heimat wird immer populärer bei den Kunden“, sagt Schuster. Da spiele die aggressive Preispolitik der Großbrauereien eben doch nicht so die Rolle. Und sein Sohn beobachtet auch bei jungen Leuten eine Abkehr von den großen Fernseh- oder Industriebieren hin zu Produkten, die mit regionalen Rohstoffen vor der Haustüre gebraut werden – freilich streng nach dem Reinheitsgebot.

Direkt vor dem Abfüllen wird das Bier sorgfältig filtriert, unter anderem in diesem modernen Hochleistungsfilter.


Aktuell beliefert Greif rund 40 Getränkemärkte in und um Forchheim und versorgt über den Großhändler Kistner eine ganze Reihe von Wirtschaften mit Gerstensaft. „Dieses Engagement wollen wir noch ein wenig mehr ausbauen in Richtung Erlangen und Nürnberg“, sagt Schuster senior. Dank dem Landbierparadies, das Greif-Biere schon seit Jahren im Angebot hat, ist die Brauerei längst auch Bierkennern in Nürnberg bekannt: Neben dem untergärigen Hellen und den Festbieren zu Weihnachten und zum Annafest, stechen zwei Spezialitäten besonders hervor: Zum einen verstehen sich die Braumeister vom Greif-Bräu auch auf das Brauen von hellen und dunklen Weizenbieren. Das Weißbier hell wurde bei der letzten Braumesse mit dem silbernen „Beer-Star-Award“ gekürt.

Zum anderen wird seit der 1200-Jahr-Feier von Forchheim im Jahr 2005 das Jubiläumsbier „Capitulare“ gebraut. Der Name dieser malzig eingebrauten Spezialität hat dabei nichts mit einer Kapitulation seitens des Konsumenten zu tun, sondern bezieht sich vielmehr auf das karolingische Dokument, das als Geburtsurkunde der Königsstadt angesehen wird.

Aber neben der Stadthistorie ist man bei Greif auch neueren Trends gegenüber aufgeschlossen: Das Lager-Bier etwa wird als „schneller Schluck“ nur in 0,33-Liter-Flaschen verkauft. Und auch mit den nicht nur bei Autofahrern beliebten Leicht-Bieren ist man durchaus erfolgreich.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, wird man bei Greif wohl noch in diesem Jahr in einen neuen Lagerkeller investieren. In den letzten Jahren wurde die Lagerkapazität bereits mehrfach erweitert und auch die Abfüllanlage, die Wasseraufbereitung – die komplett ohne chemische Zusätze arbeitet – und der Gärkeller wurden rundum erneuert.

Derzeit hat die Brauerei einen Ausstoß von über 13000 Hektolitern im Jahr. Man sei auf einem guten Weg, wieder an frühere Bestmarken von bis zu 17000 Hektolitern anzuknüpfen, sagt Schuster senior. Dennoch wird bei der Besichtigung der Brauerei schnell klar, warum sich ein Greif-Bier von der Massenware unterscheidet: Zwei Sude werden täglich eingebraut – mehr schafft das kleine, aber feine Sudhaus nicht.

Die Biere werden nach der Gärung, die etwa eine Woche dauert, zwischen vier bis sechs Wochen in riesigen, unterirdischen Stahltanks eingelagert, von denen jeder viele Tausend Tonnen fasst. Dann wird immer montags filtriert und dienstags abgefüllt – ein Vorgang, bei dem die halbe Belegschaft des zehn Mann umfassenden Teams mit Hand anlegen muss. Die Getränkespezialitäten vom Greif-Bräu sind eben noch echte Handarbeit.

http://www.brauerei-greif.de 

Sebastian Linstädt

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