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Thomas Sabo: Rockertyp und Manager

Gesichter der Wirtschaft: Schmuckdesigner voller Gegensätze - 19.10.2010 11:00 Uhr

Innerhalb von nicht einmal drei Jahrzehnten ist es Thomas Sabo gelungen, aus kleinsten Anfängen heraus ein Schmuckimperium aufzubauen, das auf allen Kontinenten vertreten ist und 1200 Menschen Arbeit gibt. © Karlheinz Daut


Seine Kollektionen, die er seit Anfang der 90er Jahre zusammen mit der Designerin Susanne Kölbli entwirft und vermarktet, sagen viel aus über den Menschen Sabo. Da ist die harte, die „Rebel at Heart“-Linie: Bullenschädel und Totenköpfe, Skorpione und Motorräder, wie fast alles kreiert aus 925er Sterling Silber und handgeschliffenen Zirkoniasteinen. Und da ist auf der anderen Seite die „Charm Club Collection“ – ein Sammelsurium aus über 450 verschiedensten Anhängern für Ketten, Armbänder, Ohrringe oder Handyschmuck, die geschickt an Romantik und Leidenschaft appelliert.

So gegensätzlich das Design der Marke Thomas Sabo ist, so widersprüchlich ist auch der Mensch, der diesen Schmuck ursprünglich entworfen hat: Da ist der Rebell mit langem, wild wallendem Haar, schwarz bekleidet, Lederstiefel — der Rocker-Typ schlechthin, der schon in der Schule öfter mal gegen den Strom geschwommen ist und heute erst recht ganz offen sagt, wenn ihm etwas nicht passt — und sei es auch nur die Pose, die der Fotograf ihm aufdrängen will.

Doch wenn man die Augen schließt, dann kommt der andere Thomas Sabo zutage: Ein überlegt sprechender Mann mit ruhiger, sympathischer Stimme, Der weiß, was er will. Der zielstrebig und bodenständig seinen Weg geht. Und der trotz seiner martialisch anmutenden äußeren Erscheinung die guten, alten Tugenden des ehrbaren Kaufmanns pflegt, wie kaum einer von den jungen Managern, die „Unternehmensführung“ nur als Vertiefungsmodul im BWL-Studium kennengelernt haben und von Börsenerwartungen getrieben werden.

Auf diesen Typus Mensch ist Sabo nicht gut zu sprechen. „Viele aus den nachfolgenden Generationen können doch ohne Computer gar nicht mehr bis drei, geschweige denn bis zehn zählen“, klagt der 49-Jährige. „Wenn die noch ein Gefühl für Zahlen hätten, dann würden solche wahnsinnigen Situation wie jetzt bei der Bankenkrise doch gar nicht passieren.“

Da wird der Rebell, dem das Image des Easy-Rider-Helden anhängt, der am liebsten mit der Harley über die staubigen Landstraßen Nordamerikas der Freiheit entgegenfährt, wieder ganz der Wert-Konservative, fast schon Bürgerliche – auch wenn er das selbst so nicht wahrhaben will.

Sabo ist der typische Selfmademan, der sich aus ganz kleinen Anfängen hochgearbeitet hat. Nach der Ausbildung zum Feinmechaniker bei Diehl entdeckte er sehr schnell – inspiriert durch eine Asienreise — seine Affinität zu Silberschmuck. Zuerst importierte er den Schmuck, tingelte damit Anfang der 80er Jahre über die Märkte — „aber das war nur ein paar Wochen so, dass kann man vernachlässigen“, schiebt Sabo diese Anfangszeit ganz schnell zur Seite.

Branche aufgemischt

Viel lieber erzählt er davon, wie er später die gesamte Silberschmuckindustrie aufgemischt hat, als er mit eigenem Design und dem eigenen Namen als Marke in der Branche Neuland betrat. Es war ihm „in die Wiege gelegt“, so erklärt er seinen Erfolg, Schmuck zu entwerfen, der anders als bei den meisten Designern nicht nur den Geschmack regionaler Märkte traf, sondern globale Akzeptanz fand — bei Teenies ebenso wie bei modebewussten, kaufkräftigen Semestern.

Zunächst belieferte Thomas Sabo ein paar Groß- und Facheinzelhändler, heute umfasst das Vertriebsnetz weltweit 2200 Händler, 180 eigene Läden in besten Lagen. Dazu kommt als wichtige Vertriebsschiene der Bordverkauf bei 40 Airlines und natürlich immer mehr das Online-Geschäft. Firmensitz ist in Lauf, wo in Marketing und Logistik/Vertrieb allein bis zu 380 Mitarbeiter beschäftigt sind. Gefertigt wird in Asien.

Was andere sich mühsam an Hochschulen aneignen, das entspringt bei ihm „dem gesunden Menschenverstand“, wie er sagt. Das heißt aber nicht, dass der Firmeninhaber sein Imperium ohne betriebswirtschaftliche Grundsätze führt. Im Gegenteil: Wenn stimmt, was der Marketing-Profi sagt, kommt das mittlerweile auf allen Kontinenten vertretene Unternehmen bei der Expansion ganz ohne Fremdmittel aus. „Wir finanzieren unser Wachstum aus dem Cash-Flow“, sagt er nicht ohne Stolz, das heißt, jeder neue Laden muss sich sein Geld möglichst schnell selbst verdienen.

Cash-Flow und Kreativität — wie passt denn das zusammen? Wie so vieles im Leben des in Nürnberg geborenen Österreichers, der erst vor drei Jahren wegen der Schulausbildung seiner zwei Söhne seinen privaten Lebensmittelpunkt von Spanien nach Franken verlegt hat, sind auch diese Gegensätze nicht unüberbrückbar. Rationalität und Sensibilität schließen sich für Sabo nicht aus. „Man darf sich nicht in Schemata pressen lassen“, ist eine seiner Lebensmaximen. Und so sieht er sich folgerichtig eben als „rational denkender Gefühlsmensch“ der sich bei Stadtwurst mit Musik auf dem Teller genauso zu Hause fühlt, wie mit dem Schälchen Kaviar in der Hand.

Völlig unteilbar ist dagegen seine fast schon fanatische Begeisterung für den Sport. Er schöpft Kraft daraus, wenn er so oft wie möglich mit seinen Jungs Fußball spielt, auf den Tennisplatz geht oder sein Fitnessprogramm abspult. „Sport bedeutet mit sehr, sehr viel“, bekennt Sabo, der sich in seiner wilden Phase im Stadion mitten im Block der Hardcore-Clubfans die Kehle aus dem Leib schrie, um „seinen“ Club nach vorne zu treiben.

Die Unterstützung für den Sport ist geblieben, nur die Mittel haben sich dem Erfolg des Geschäftsmannes angepasst: Thomas Sabo sponsert mit viel Geld unter anderem den 1. FCN und die Eishockeymannschaft der Nürnberg Ice Tigers, die seit 2009 seinen Namen trägt. Auch das ist Teil der Freiheit, die er so schätzt: Geld ausgeben zu können für Dinge, die in begeistern — Sport eben, oder auch für Wohltätigkeitsprojekte. 

KLAUS WONNEBERGER

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