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Wöhrl schließt vier Filialen: 146 Arbeitsplätze betroffen

Drei bayerische Filialen betroffen - Unternehmen will gleichzeitig investieren - 06.10.2016 16:43 Uhr

Die Filiale im Franken-Center in Nürnberg-Langwasser ist von der Schließung betroffen. Insgesamt erhalten die 146 Angestellten der vier Filialen ihre Kündigung. © Stefan Hippel


Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Filialen Nürnberg-Langwasser, Neumarkt und Roth auf dem Prüfstand stehen. Jetzt steht fest: Die Wöhrl-Filiale in Nürnberg-Langwasser soll im März 2017, spätestens im April zugesperrt werden, berichten Insider. Auch die Geschäfte in Roth sowie im Einkaufscenter Pep in München und am Potsdamer Platz in Berlin werden geschlossen.

Laut Insidern sei das Gespräch mit den Mitarbeitern in Nürnberg-Langwasser ruhig verlaufe. Von Seiten des Unternehmens wurde angeblich vermittelt, dass es in Nachbarfilialen Personalbedarf gebe. In einer Pressemitteilung des Unternehmen heißt es "dass die betroffenen Mitarbeiter sukzessive in den kommenden Wochen ihre Kündigung erhalten werden." Im nächsten Satz ergänzt Wöhrl: "Zugleich wird ihnen die Möglichkeit eingeräumt, sich auf freie Stellen in benachbarten Filialen zu bewerben." Die gute Nachricht in der Misere: Die Neumarkter Wöhrl-Filiale im Neuen Markt ist von den Plänen nicht betroffen.

Die insgesamt 146 der deutschlandweit knapp 2000 Wöhrl-Mitarbeiter, die von den Plänen tangiert sind, wurden bereits informiert. Betroffenen ist nach dem Gespräch der Schock anzusehen, viele wirken angespannt, müssen jedoch sofort nach Ende der Veranstaltung - trotz der schlechten Nachrichten - weiterhin freundlich die Kunden beraten.

 Das Unternehmen hatte am 6. September 2016 die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens bekanntgegeben. Der Vorstand muss nun einen Sanierungsplan ausarbeiten. Ursprünglich sollten sechs bis acht der 34 Filialen geschlossen werden, jetzt sind es nur vier. "Damit sind weniger Standorte des Modehandelsunternehmens betroffen als angenommen" erklärt Wöhrl.

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Im nächsten halben Jahr ist Schluss

Die Schließungen würden im Laufe der kommenden sechs Monate erfolgen. "Bei allen Standorten, die betroffen sind, sehen wir auch unter Annahme günstigster Rahmenbedingungen langfristig nicht die Chance, dass sie einen positiven Ergebnisbeitrag für unsere Gruppe leisten können", begründet Vorstandsmitglied Christian Gerloff die Entscheidung. Andreas Mach, Vorstandsvorsitzender ergänzt: "Die Sanierung von Wöhrl kann nicht bei Kostensenkungen stehenbleiben".

Deshalb will das Unternehmen weiter investieren und acht Filialen modernisieren, darunter auch das Geschäft in der Nürnberger Innenstadt sowie weitere in Würzburg, Passau, Weiden, Straubing, Landshut, Schweinfurt und Regensburg.

Für Roth und Nürnberg-Langwasser gibt es dagegen keine Rettung, obwohl die Familie mit beiden Städten eng verbunden ist. Gegründet wurde das Unternehmen zwar in Nürnberg, doch 1945, als das von Firmengründer Rudolf Wöhrl in Nürnberg errichtete Modehaus bei einem Bombenangriff in Schutt und Asche versank, zog dieser mit seiner ersten Frau Berta nach Roth, wagte den Neuanfang und eröffnete dort in der Hauptstraße gegenüber der Kirche ein Modegeschäft.

Aus alten Kleidern, Uniformen, Decken und Zeltplanen wurden Anzüge, Mäntel und Hosen hergestellt. 1949 eröffnete Wöhrl dann das noch heute bestehende Geschäft am Weißen Turm in Nürnberg. In Roth wohnte die Familie Wöhrl von 1945 bis 1961, der Firmengründer war daher auch dieser Stadt schon immer verbunden und unterstützte zahlreiche soziale und kulturelle Aktivitäten. Doch Wöhrl ist nun bald nicht nur in Roth Geschichte.

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Dieser Artikel wurde um 16.43 Uhr aktualisiert.
 

 

  

tok/Kerstin Freiberger/ Detlef Gsänger

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