Sonntag, 18.11.2018

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Wurde Eppeleins Hinrichtung je bezahlt?

Geplänkel um eine alte Rechnung, die zwischen Nürnberg und Neumarkt offen ist - 19.05.2008

Regie-Anweisungen für die Todgeweihten bei den Dreharbeiten zum Ekkelin-Film: Nun ist die alte Diskussion zwischen Nürnberg und Neumarkt wieder entbrannt, ob die Hinrichtung des Eppelein von Gailingen je bezahlt wurde. © Privat


Damit sollten Altschulden beglichen werden, die entstanden waren, als am 15. Mai 1381 der schon zu Lebzeiten berühmte Raubritter Eppelein von Gailingen und seine Spießgesellen vermutlich auf dem Neumarkter Galgenhügel auf das Rad geflochten und gerädert wurden. In Nürnberg waren sie zum Tode verurteilt worden. Und Eppelein war bekanntlich der Legende nach spektakulär mit einem Sprung zu Pferde über die Burgmauer entkommen. Eine andere Legende berichtet, dass die Reichsstadt die Kosten für die Hinrichtung nie bezahlt hatte.

Nürnberger Schulden in anderem Licht

Neumarkts Oberbürgermeister Karl hatte 1998 errechnet, dass sich die Forderung der Neumarkter an die Nürnberger mit Zins und Zinseszins auf damals 84 Billionen Mark summiert hatte. Nun aber legte der Leiter des Staatsarchivs Nürnberg, Gerhard Rechter, den Auszug eines Rechnungsbuchs aus dem Jahr 1381, das die Behauptung von den Nürnberger Schulden in ein anderes Licht rückt.

Darin wird bestätigt, dass der Raubritter Eppelein mit seinen Neffen Hermann und Dietrich, Herren von Bernheim, in Neumarkt gerädert wurden. Den Knechten wurde den Häupter abgeschlagen, wie es hieß. Geschehen war dies am Mittwoch nach dem Tag der beiden Heiligen Nereus und Achilleus anno 1381, das war der 15. Mai.

Das Rechnungsbuch nennt eine Summe von 639 Pfund, 14 Schilling und sechs Heller. «Wenn der Posten im Rechnungsbuch steht, ist er auch bezahlt worden«, sagt Rechter. «Aber das Geld ging sicherlich nicht an die Neumarkter, sondern an die Landesherren, deren Scharfrichter oder sonstige Beamte«.

Kein Anspruch auf Geld

Demnach hätten die Neumarkter also gar keinen Anspruch auf das Geld, sondern ein Rechtsnachfolger des Pfalzgrafen, vermutlich die Regierung der Oberpfalz, der Freistaat Bayern oder gar das Bundesland Rheinland-Pfalz.

Die Nürnberger hatten schon vor zehn Jahren Einwände vorgebracht, doch wollten sie laut Rechter den Neumarktern den Spaß bei der Landesgartenschau nicht verderben. Sie hofften, bis 2006 die Bundesgartenschau ausrichten zu dürfen und dann sollte seinerseits der Neumarkter OB zur Kasse gebeten werden. Bis heute ist die Jurastadt fein raus: Nürnberg hat die Gartenschau nie bekommen. 

Nicolas Damm

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