Mit Leichtigkeit elektrisch

28.11.2020, 16:35 Uhr
Citroën Ami: Der französische Elektro-Winzling kommt Anfang 2021 auf den Markt. Er darf schon mit 16 Jahren gefahren werden.

Citroën Ami: Der französische Elektro-Winzling kommt Anfang 2021 auf den Markt. Er darf schon mit 16 Jahren gefahren werden. © Hersteller

Wenn von Elektromobilität die Rede ist, dann in aller Regel im Zusammenhang mit neuen Pkw-Stromern wie VW ID.3, Audi e-tron oder Opel Corsa-e. Elektrisches Fahren geht aber auch minimalistischer: Strombetriebene Leichtfahrzeuge (LEV) besitzen einen kleineren ökologischen Fußabdruck als die in dieser Beziehung durchaus diskutablen größeren Brüder, zudem beanspruchen sie verhältnismäßig wenig Verkehrs- und Parkfläche.

Insofern können sie gerade im innerstädtischen Bereich einen Beitrag zur Mobilitäts- und Verkehrswende leisten. Und stellen nicht nur eine Alternative zum Pkw oder zu überfüllten "Öffis" dar, denen man in den Zeiten von Corona eher misstraut. Sondern auch zum Fahrrad: Im Unterschied zu Bikes sind Leichtfahrzeuge wetterfest, geräumig und vor allem ohne Kraftaufwand zu bewegen. Das macht sie beispielsweise attraktiv für manche Senioren, aber – am anderen Ende des demographischen Spektrums – ebenso für Jugendliche, denn einige LEVs dürfen schon von Teenagern pilotiert werden.

Leichtfahrzeug aus der Nachkriegszeit: Die Isetta.

Leichtfahrzeug aus der Nachkriegszeit: Die Isetta. © BMW

Schon in den 1950ern populär

Eine Errungenschaft des 21. Jahrhunderts sind solche Auto-Winzlinge nicht. In den Nachkriegsjahren machten BMW Isetta, Messerschmitt Kabinenroller oder das Goggomobil die Bevölkerung mobil. Angetrieben wurden sie freilich noch von einem Verbrennungsmotor, während viele ihre modernen Nachfahren eben eine E-Maschine nutzen.

Einsortiert werden die Elektroleichtfahrzeuge in die Fahrzeugklasse L, die viele Unterkategorien kennt, beispielsweise auch für Pedelecs und S-Pedelecs (L1e-A) oder "dreirädrige Kleinkrafträder" (L2e). Was eher nach Auto aussieht – also vier Räder besitzt – erfährt eine Klassifizierung nach L6e oder L7e.

Zur Definition: Mini-Mobile der Leichtbauklasse L6e wiegen ohne Batterie maximal 350 kg, sind bis zu 45 km/ schnell und leisten höchstens 4 kW/5,4 PS, hier gibt es inzwischen aber auch Ausnahmen. L6e-"Autos" benötigen ein Versicherungskennzeichen. Um ein solches Wägelchen fahren zu dürfen, reichen die Fahrerlaubnis S oder AM sowie jeder Zweiradführerschein. Auch Jugendliche ab 16 Jahren können somit hinters Steuer, in manchen Bundesländern – und in Bayern mit Sondergenehmigung - sogar schon ab 15.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Vertreter der Klasse L7e wiederum bringen bis zu 400 kg auf die Waage, dienen sie der Güterbeförderung, erhöht sich das auf 550 kg. Die Motorleistung beträgt 15 kW/20 PS. Eine Maximalgeschwindigkeit ist nicht vorgeschrieben. L7e-Fahrzeuge sind fast schon richtige Pkws, deshalb brauchen sie ein amtliches Kennzeichen, und der Fahrer muss den regulären Auto-Führerschein der Klasse B oder den alten "3er" vorweisen könnnen.

Wird seit 2011 produziert: Renault Twizy.

Wird seit 2011 produziert: Renault Twizy. © Renault

Wissen muss man allerdings, dass die oft nur zweisitzigen Leichtfahrzeuge weder den Komfort der großen Pkws bieten noch deren Sicherheitsstandards erfüllen müssen. ABS oder ESP beispielsweise sind nicht vorgeschrieben; als der ADAC im Jahr 2016 vier Leichtgewichte einem Euro-NCAP-Crashtest unterzog, konstatierte der Club "ernüchternde Resultate". Auch einen Umweltbonus gibt es für die LEVs nicht.

Der Klassiker unter den L6e-Fahrzeugen ist der Renault Twizy 45 (ab 6775 Euro zuzüglich Batteriemiete), eher Quad als Auto. Große Ähnlichkeit mit ihm weist der Eli Zero Light des chinesischen Start-ups Eli Electric Vehicles auf, für den bislang nur Reservierungen entgegengenommen werden, der aber demnächst zu etwa 10.000 Euro auf den Markt kommen soll. Der Aixam eCity Pack (ab 14.390 Euro) oder der für Anfang 2021 avisierte und vermutlich rund 7000 Euro günstige Citroën Ami dagegen sehen schon richtig nach Auto aus.

Vielseitig: In allerlei Versionen soll 2021 der eBussy vorfahren, hier in seiner Rolle als Offroad-Kleinbus.

Vielseitig: In allerlei Versionen soll 2021 der eBussy vorfahren, hier in seiner Rolle als Offroad-Kleinbus. © ElectricBrands

Nutzfahrzeuge im Kleinstformat

Unter L7e fallen beispielsweise der Tazzari Zero (ab 18.207 Euro), aber auch Nutzfahrzeuge wie die elektrifizierten Mini-Transporter Ari 458 (Pritsche ohne MwSt ab 11.700 Euro) und Tropos Able (ab ca. 18.000 Euro netto) sowie die Kleinstlaster Goupil G2 und G4 (ab 14 798 bzw. 20 167 Euro).

Für 2021 stellt Micro das elektrifizierte Isetta-Revival Microlino (ca. 12.000 Euro) in Aussicht, und ElectricBrands aus Deutschland will mit dem vielseitig variablen eBussy punkten, das Standardfahrgestell wird voraussichtlich 15.800 Euro kosten, daneben soll er auch als Transporter, Kastenwagen, Bus, Pick-up und sogar als Camper debütieren.

Sogar ein Leichtfahrzeug mit Brennstoffzelle könnte kommen: Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als Prototyp konzipierte Safe Light Regional Vehicle fährt mit Wasserstoff und könnte für gerade einmal 15.000 Euro zu haben sein.

Ulla Ellmer